# taz.de -- Wahl in Bremen: Finger weg von der Brötchentaste
> Die Grünen verlieren in ihrem Stammland deutlich. Wer Kleinstprobleme
> nicht ernst nimmt, wird bei den großen Themen nicht vorankommen.
(IMG) Bild: Bremens Bürgermeister Bovenschulte freut sich, die Grünen sind weniger froh
Autsch, das hat den Grünen wehgetan: Die Bremen-Wahl bringt ihnen einige
Prozentpunkte Verlust im Vergleich zu der vor vier Jahren. Und das Land ist
ja so etwas wie ihre gute Stube: Die Bremische Bürgerschaft war 1979 der
erste deutsche Landtag, in den die Ökos einzogen. Aber trotzdem: [1][Laut
Nachwahlbefragungen steht die linke Mehrheit.] Rot-Rot-Grün kann also
weiterregieren.
Und wird es wohl auch, außer die SPD verknallt sich plötzlich doch in die
CDU – oder aber die Grünen verdrücken sich wegen Liebesentzug in die
Schmollecke. Wenn Gefühle und Kränkungen im Spiel sind, wie neulich in
Berlin, wird’s schwer mit den Vorhersagen. Inhaltlich aber und
machtpolitisch spricht wenig für eine Große Koalition: Die SPD weiß jetzt,
dass sie in Bremen von einem fortschrittlichen Dreierbündnis profitieren
kann. Und die Grünen können den Anspruch, mitzugestalten, nicht so ohne
Weiteres über Bord werfen, wenn sie meinen, Lösungen für das
Menschheitsproblem Klimawandel im Angebot zu haben.
Bundespolitisch sagt das wenig aus. In vielerlei Hinsicht handelt es sich
um eine [2][Brötchentastenwahl]. Als Brötchentaste wird die Option
bezeichnet, an Parkautomaten ein Gratis-Kurzzeitticket zu lösen, damit
Autofahrer*innen beim Bäcker aus ihrer Karre springen und schnell eine
Kleinigkeit kaufen können, ohne fürs Parken zu bezahlen. Diese Begünstigung
war in einem Stadtteil abgeschafft worden, kurz vor der Wahl; angeblich
senatsintern unabgesprochen und auf Betreiben der zuständigen Senatorin
Maike Schaefer, der Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen.
## Linke kann siegen
Gründe für deren Erosion wird man eher auf dieser Ebene finden: Allein
diese Aktion hat massiv für böses Blut und etliche Aufmacher der
Lokalzeitung gesorgt. Plus Leser*innenpost. Ja, das klingt unerwachsen.
Aber so geht es nun mal zu in der Stadtstaaten-Politik: Wer ihre
Kleinstprobleme nicht berücksichtigt, wird beim Verhindern der globalen
Katastrophen auch nicht vorankommen.
So gesehen weist die Bremer Wahl dann doch über den Tag hinaus: Sie zeigt,
dass Die Linke, wenn ihr, [3][vom Klamauk der Mutterpartei unbeeindruckt],
an einem wichtigen Uni- und Industriestandort der Spagat zwischen
akademischer und arbeiterlicher Anhängerschaft gelingt, ein gutes Ergebnis
verteidigen kann.
Und sie zeigt, dass eine fortschrittliche Koalition unfallfrei eine
Legislatur überstehen, ehrgeizige Klimaschutzprojekte anstoßen, ja auch
Krisen sozialverträglich managen kann – und nur dann ihre Mehrheit
gefährdet, wenn sie die Brötchentaste antastet. Etwas Besseres als der Tod
ist das allemal.
14 May 2023
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(DIR) Benno Schirrmeister
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