# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Scholz würdigt „Freiheitswillen“
       
       > In Aachen bekommt der ukrainische Präsident Selenski den Karlspreis.
       > Europa habe ihm und dem ukrainischen Volk „sehr viel zu verdanken“, sagt
       > Kanzler Scholz.
       
 (IMG) Bild: Geehrt mit dem Karlspreis: Selenski in Aachen
       
       ## Selenskyj: Ukraine streitet für Freiheit Europas
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Auszeichnung mit
       dem Karlspreis als „große Ehre“ bezeichnet. Er stehe hier für die
       Ukrainerinnen und Ukrainer, die jeden Tag für ihre Freiheit und für die
       Werte Europas kämpften, sagte Selenskyj am Sonntag in seinem Dankeswort bei
       der Verleihung des Karlspreises im Krönungssaal des Aachener Rathauses.
       
       „Jeder von ihnen würde es verdienen, hier zu stehen.“ Selenskyj betonte,
       dass die Ukraine nichts lieber wolle als den Frieden – dieser könne in dem
       derzeitigen Konflikt aber nur mit einem Sieg gewonnen werden. Der Krieg in
       der Ukraine entscheide auch über das Schicksal Europas, weil es Russland
       darum gehe, die Geschichte der europäischen Einigung ungeschehen zu machen.
       Russland sei „zu jeder Grausamkeit und Gemeinheit fähig“.
       
       Der Karlspreis für Verdienste um die europäische Einigung wurde dieses Jahr
       Selenskyj und dem ukrainischen Volk für ihre Verteidigung europäischer
       Werte bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs zuerkannt. (dpa)
       
       ## Morawiecki: Selenskyj verteidigt Europas Werte
       
       Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat den ukrainischen
       Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als einen Verteidiger europäischer Werte
       gewürdigt. Er sei „ein großer europäischer Führer“, ein „Held“ und
       herausragender Staatsmann des 21. Jahrhunderts, sagte Morawiecki am Sonntag
       bei der Verleihung des Karlspreises an Selenskyj in Aachen. „Präsident
       Selenskyj ist ein Vorbild für jeden Politiker.“ Russlands „barbarische
       Angriffe“ seien dagegen der Gegenpol zum freien Europa, das von der Ukraine
       verteidigt werde.
       
       Morawiecki zitierte in seiner Rede den französischen Außenminister und
       Pionier der europäischen Einigung, Robert Schuman, der gesagt hatte, dass
       das vereinte Europa prinzipiell jedem demokratischen europäischen Land
       offen stehen müsse. Der Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union ist
       eines der wichtigsten Ziele Selenskyjs.
       
       Der Karlspreis für Verdienste um die europäische Einigung wurde dieses Jahr
       Selenskyj und dem ukrainischen Volk für ihre Verteidigung europäischer
       Werte bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs zuerkannt. (dpa)
       
       ## Scholz würdigt „Freiheitswillen“ der Ukraine
       
       Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die Ukraine und ihren Präsidenten
       Wolodymyr Selenskyj bei der Verleihung des Karlspreises in Aachen für ihren
       beharrlichen Widerstand gegen die russischen Truppen gewürdigt. „Der
       Freiheitswille und die Widerstandskraft in dunkler Zeit spenden Hoffnung
       und Inspiration weit über die Ukraine hinaus“, sagte Scholz am Sonntag in
       seiner Laudatio. An der Spitze der Ukraine verteidige Selenskyj „die Werte,
       für die Europa steht“.
       
       Selenskyj wurde im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit stehenden
       Ovationen empfangen. Der ukrainische Präsident war in der Nacht zu Sonntag
       in Deutschland gelandet. Es ist sein erster Besuch hierzulande seit Beginn
       des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Nach Gesprächen mit Scholz
       und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin flog er gemeinsam mit
       dem Kanzler zur Preisverleihung nach Aachen.
       
       Europa habe Selenskyj und dem ukrainischen Volk „sehr viel zu verdanken“,
       sagte Scholz bei der Preisverleihung, die mit einstündiger Verspätung
       begann. Sie leisteten seit dem Beginn der Invasion im Februar 2022
       gemeinsam „Unermessliches“. „Mit allergrößter Tapferkeit verteidigt ihr
       euer Land gegen Russlands brutale Aggression“, sagte Scholz. Russlands
       „grausamer Angriffskrieg“ richte sich gegen alles, wofür Europa stehe. Der
       Krieg habe die Europäische Union und die Ukraine zugleich so eng
       zusammengebracht wie nie zuvor.
       
       „Die Ukraine ist Teil unserer europäischen Familie“, betonte der Kanzler.
       „Schon seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion pocht die unabhängige Ukraine
       auf ihre Freiheit, über den eigenen Weg selbst zu entscheiden. Und die
       Ukraine hat ihre Entscheidung getroffen – für Europa.“
       
       „Der Karlspreis als europäischer Bürgerpreis bedeutet die tiefe Verneigung
       unserer freiheitlichen Gesellschaften vor der Tapferkeit und
       Entschlossenheit des ukrainischen Volkes und seines Präsidenten“, sagte
       Scholz. Die Ukraine könne sich weiterhin „auf unsere volle Unterstützung
       verlassen“. Dies gelte auch für die Bestrebungen Kiews, Mitglied der EU zu
       werden.
       
       Mit dem internationalen Karlspreis zu Aachen werden seit 1950
       Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa und
       die europäische Einigung verdient machten. Zu den prominentesten
       Preisträgern zählen Papst Franziskus und der französische Präsident
       Emmanuel Macron. Im Jahr 2022 wurden die drei belarussischen
       Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Weronika
       Zepkalo mit dem Preis ausgezeichnet. (afp)
       
       ## Von der Leyen: Ukrainer sichern mit Blut auch Zukunft unserer Kinder
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angesichts der
       Verleihung des Karlspreises an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
       Selenskyj den Preisträger und das ukrainische Volk gewürdigt. „Sie kämpfen
       buchstäblich für Freiheit, Menschlichkeit und Frieden“, sagte sie am
       Sonntag in Aachen laut Redemanuskript. Sie sicherten mit ihrem Blut und
       ihrem Leben die Zukunft ihrer und auch unserer Kinder, so die deutsche
       Spitzenpolitikerin. Selenskyj habe den unbedingten Glauben, dass
       diejenigen, die für etwas kämpften, immer stärker seien als diejenigen, die
       anderen ihr Joch aufzuzwingen wollten.
       
       Sie erinnerte auch an ihre erste Reise in der Ukraine nach Kriegsausbruch.
       „Ich habe die Massengräber neben der Kirche gesehen, die dicht an dicht
       liegenden Leichensäcke“, sagte sie mit Blick auf ihren Besuch des Kiewer
       Vororts Butscha, der im Frühjahr 2022 von russischen Truppen besetzt war
       und wo später die Leichen Hunderter Zivilisten gefunden wurden. „Ich werde
       niemals das Bild der unzähligen Kerzen vergessen“, betonte sie. Jede
       einzelne habe für das Leben eines Vaters, einer Mutter, eines Sohnes, einer
       Tochter, eines Bruders oder einer Schwester gestanden, das sinnlos
       ausgelöscht worden sei. (dpa)
       
       ## Rees-Mogg: Brexit verhinderte schnellen russischen Sieg
       
       Der konservative britische Abgeordnete Jacob Rees-Mogg glaubt nach eigenen
       Angaben, dass der Brexit eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der
       Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg gespielt hat. Moskaus Einmarsch
       in die Ukraine hätte wahrscheinlich Erfolg gehabt, wäre das Vereinigte
       Königreich an die deutsch-französischen Linie im Umgang mit Russland
       gebunden gewesen, sagte Rees-Mogg dem britischen Sender Sky News am
       Sonntag. Das sei nach der Besetzung der Krim 2014 geschehen, wobei ein
       „schmutziger Kompromiss“ herausgekommen sei.
       
       Dank Brexits sei sein Land unter der Führung des früheren Premierminister
       Boris Johnson aber in der Lage gewesen, „globale Führung in Sachen Ukraine“
       zu übernehmen, so Rees-Mogg weiter. Dadurch sei eine Koalition entstanden,
       die es Putin unmöglich gemacht habe, seine Pläne zu verwirklichen.
       
       Rees-Mogg gehört zu einem harten Kern von Brexit-Hardlinern im Unterhaus in
       London. Unter Johnson hatte er zeitweise den Posten des „Staatssekretärs
       für Brexit-Möglichkeiten“ inne. Er sollte dabei unter Beweis stellen, dass
       der EU-Austritt dem Land greifbare Vorteile bringt. Das gelang jedoch kaum.
       Unter anderem behauptete er einmal, Fische in britischen Gewässern seien
       nun „britische Fische und deshalb besser und glücklicher“, nachdem das Land
       durch den Brexit die Kontrolle über die Fischfangquoten zurückerlangt
       hatte. (dpa)
       
       ## THW: Schon 419 Hilfstransporte
       
       Das Technische Hilfswerk (THW) hat bereits 419 Hilfstransporte aus
       Deutschland in die Ukraine und Nachbarstaaten entsandt – nach eigenen
       Angaben ist es der bisher größte Logistikeinsatz der Organisation. Zudem
       wurden bereits 736 Menschen in Deutschland behandelt, die in dem russischen
       Angriffskrieg gegen die Ukraine verletzt oder verwundet wurden, wie das
       Bundesinnenministerium am Sonntag mitteilte.
       
       „Wir stehen eng an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer – und werden
       sie weiter mit aller Kraft unterstützen“, sagte Innenministerin Nancy
       Faeser. „Neben der militärischen Unterstützung zur Verteidigung gegen die
       brutalen russischen Angriffe leisten wir sehr umfassende zivile und
       humanitäre Unterstützung. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit.“ Die
       SPD-Politikerin verwies außerdem darauf, dass die Organisation 660
       Generatoren und weitere Technik an die Ukraine geliefert habe, um die von
       russischen Angriffen beschädigte Energie-Infrastruktur zu stabilisieren.
       
       Das THW ist die ehrenamtliche Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des
       Bundes und hat nach eigenen Angaben mehr als 80 000 Freiwillige in ihren
       Reihen. (dpa)
       
       ## Ukraine übernimmt keine Verantwortung für abgestürzte russische Jets
       
       Die ukrainische Luftwaffe hat eine Verantwortung für den Abschuss von
       Kampfjets und Hubschraubern auf russischem Gebiet in der Region Brjansk
       offiziell zurückgewiesen. Zugleich sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat am
       Sonntag im ukrainischen Fernsehen, es seien insgesamt nicht zwei, sondern
       drei Hubschrauber sowie zwei Kampfjets abgeschossen worden. Die russische
       Flugabwehr sei dafür verantwortlich, sagte er. Russische Medien hatten am
       Samstag berichtet, dass zwei Kampfjets vom Typ Suchoi Su-34 und Su-35 sowie
       zwei Hubschrauber vom Typ Mi-8 abgestürzt seien.
       
       Offiziell bestätigt hatte der Brjansker Gouverneur Alexander Bogomas nur
       einen Hubschrauberabsturz. Zuvor waren in sozialen Netzwerken im Internet
       zahlreiche Videos von der Explosion in der Luft, vom Absturz der brennenden
       Wrackteile und von den Trümmern am Boden verbreitet worden. Die staatliche
       russische Nachrichtenagentur Tass meldete zudem den Absturz eines
       Suchoi-Kampfjets.
       
       Der für Russland in der Ostukraine kämpfende Kommandeur Alexander
       Chodakowski machte Kiew für den Abschuss verantwortlich. Die Ukraine habe
       inzwischen die Möglichkeiten durch die westlichen Waffenlieferungen, ihre
       Handlungsspielräume zu erweitern. Dass die russische Flugabwehr durch einen
       „dummen Fehler“ gleich mehrere eigene Maschinen abgeschossen haben soll,
       wies er zurück.
       
       Der ukrainische Luftwaffensprecher Ihnat sagte auch, die russischen Jets
       hätten einen Angriff mit Gleitbomben vorbereitet. „Sie wollten unsere
       friedlichen Menschen, unsere Regionen bombardieren“, sagte er. Für ihn sei
       es daher angenehm, solche Neuigkeiten über Abstürze beim russischen Feind
       zu lesen. Verantwortlich sei Russlands Flugabwehr.
       
       Am Samstag hatten russische Staatsmedien unter Berufung auf nicht näher
       genannte Behördenquellen die „Abstürze“ teils gemeldet. Das Internetportal
       der Moskauer Zeitung „Kommersant“ berichtete unter der Überschrift
       „Raketenattacke am Himmel“, dass es sich bei den abgeschossenen Jets und
       Hubschraubern um eine russische Kampfeinheit gehandelt habe, die in der
       Ukraine hätte Angriffe fliegen sollen. Die Tatverdächtigen würden gesucht.
       
       Bei den Abstürzen sollen insgesamt mindestens neun Menschen getötet worden
       sein. Offizielle Angaben gab es dazu jedoch nicht. Auch vom russischen
       Verteidigungsministerium, das von dem Gebiet auch seine Angriffe gegen die
       Ukraine führt, gab es dazu keine Stellungnahme. (dpa)
       
       ## Aachener Bischof begrüßt Karlspreis an Selenskyj
       
       Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat die Verleihung des Internationalen
       Karlspreises an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und das
       ukrainische Volk begrüßt. „Die Ukraine verteidigt die europäische
       Zivilisationsordnung gegen den Überfall des russischen Regimes und gegen
       dessen imperialistische Ideologie“, erklärte Dieser laut Redetext am
       Sonntag in seiner Predigt beim Pontifikalamt im Aachener Dom anlässlich der
       Karlspreis-Verleihung.
       
       Zugleich kritisierte der Bischof die Unterstützung der Russisch-Orthodoxen
       Kirche für den Krieg in der Ukraine und die Positionierung des Moskauer
       Patriarchen Kyrill: „Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt. Nur der
       Staat trägt das Schwert, nicht aber die Religion“, sagte er. Wo immer
       Staat, Nation und Kirche eins würden und keine kritisch-konstruktive
       Distanz mehr zueinander wahrten, drohten alle Niederlagen der
       Menschlichkeit.
       
       Dieser betonte, dass jeder Angriffskrieg ein Verbrechen sei und auch als
       solches bezeichnet werden müsse: „Ihn zu akzeptieren oder gar akzeptabel
       machen zu wollen durch beschwichtigendes oder wahrheitswidriges Appeasement
       verletzt und verlässt die Höhe der Zivilisationsgeschichte Europas und der
       Europäischen Einigung.“ Volk und Präsident der Ukraine erlitten brutalste
       Gewalt, Zerstörung und schwerste Kriegsverbrechen durch Russland.
       
       Der Bischof hob hervor, dass die christliche Religion jeden Rückfall in
       Gewalt als Mittel der Politik ausschließen müsse. Krieg sei eine Niederlage
       der Menschlichkeit. Die Gewalttätigkeit des Menschen habe ihren Ursprung
       allerdings nicht etwa in der Religion selbst, sondern im Herzen des
       Menschen. „Jahrtausende der europäischen Geschichte hat es gebraucht, bis
       wir das strikte Gewaltmonopol des Staates erreicht hatten“, sagte Dieser.
       Zu dieser zivilisatorischen Errungenschaft gehöre es, dass ausschließlich
       Polizeikräfte und das Militär Gewalt einsetzen dürften. (epd)
       
       ## Russland meldet Angriff auf Lager mit westlichen Waffen
       
       Die russische Armee hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in
       Moskau bei Angriffen auf die westukrainische Stadt Ternopil und den Ort
       Petropawliwka Lager mit vom Westen gelieferten Waffen sowie ukrainische
       Armeestellungen getroffen. Russland habe Angriffe mit „hochpräzisen
       Langstreckenwaffen“ auf Stellungen der ukrainischen Armee sowie auf Lager
       „mit von westlichen Staaten erhaltener Munition, Waffen und
       Militärausrüstung“ ausgeführt, erklärte das Ministerium am Sonntag laut
       Berichten russischer Nachrichtenagenturen. „Alle Ziele wurden getroffen“,
       hieß es weiter.
       
       Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums meldete derweil den Tod von zwei
       hochrangigen russischen Militärkommandeuren bei Kämpfen in der Ostukraine.
       Oberst Wjatscheslaw Makarow und Jewgeni Browko seien „heroisch“ gestorben,
       sagte Ministeriumssprecher Igor Konatschenkow. Das russische
       Verteidigungsministerium äußert sich nur sehr selten zu Verlusten auf
       russischer Seite bei der seit fast 15 Monaten andauernden Militäroffensive
       im Nachbarland. (afp)
       
       ## Selenskyj: Können 2023 Niederlage des Aggressors unumkehrbar machen
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet vor dem Hintergrund
       der geplanten Frühjahrsoffensive seiner Truppen mit erheblichen
       Fortschritten im Abwehrkampf gegen Russland. „Wir wollen alle, dass dieser
       Krieg bald endet, aber er muss mit einem gerechten Frieden enden“, betonte
       Selenskyj am Sonntag bei einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
       in Berlin. Er ergänzte: „Bereits in diesem Jahr können wir die Niederlage
       des Aggressors unumkehrbar machen.“
       
       Zwar gebe es das Risiko, dass die Unterstützung nachlasse, wenn die
       ukrainische Offensive nicht sehr erfolgreich sei, räumte Selenskyj ein.
       Dennoch glaube man an den Erfolg der Offensive. „Die Unterstützung ist auf
       unserer Seite. Wir sind motiviert. Und mir scheint, dass wir beinahe bereit
       sind für diesen Erfolg.“ Grundlage für einen möglichen Frieden müsse die
       ukrainische Friedensformel sein, da der Krieg ausschließlich auf ihrem
       Territorium stattfinde.
       
       Kiew sei aber „daran interessiert, dass so viel wie möglich Staaten am
       ersten Gipfel dieser Friedensformel teilnehmen“, sagte Selenskyj. Man
       arbeite derzeit an dessen Organisation. „Wir sind bereit zur Diskussion
       jeglicher Vorschläge, jedoch nur auf unserem Platz.“
       
       Scholz betonte, die Ukraine verlange zu Recht, dass eine Friedenslösung
       nicht bedeuten könne, „einfach den Krieg einzufrieren und dass ein
       Diktatfrieden von russischer Seite formuliert wird“. Es handele sich um
       einen imperialistischen Angriff auf ukrainischem Territorium. Zugleich
       betonte der Kanzler, es sei klar: „Russland muss Truppen zurückziehen. Ohne
       das wird es nicht gehen.“ (dpa)
       
       ## Scholz zurückhaltend bei Kampfjets
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland gebeten, sein
       Land in einer Koalition mit anderen Partnern durch die Lieferung moderner
       Kampfjets zu unterstützen. Die Ukraine arbeite während seines Besuchs in
       europäischen Hauptstädten daran, „eine Kampfjet-Koalition zu schaffen“,
       sagte Selenskyj am Sonntag bei einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz
       (SPD) im Kanzleramt in Berlin. Er werde sich auch an die deutsche Seite
       wenden mit der Bitte, die Ukraine in dieser Koalition zu unterstützen.
       
       „Das ist für die Ukraine sehr wichtig, unsere Anstrengungen zu
       koordinieren“, sagte Selenskyj. Russland habe derzeit ein Übergewicht im
       Luftraum. Dies wolle man ändern.
       
       Scholz äußerte sich dazu zurückhaltend. Deutschland habe der Ukraine sehr
       viel geliefert. Gerade was die Luftverteidigung betreffe, seien dies sehr
       moderne Waffen. „Das ist das, worauf wir uns als Deutsche jetzt
       konzentrieren.“ Es gehe um den massiven Versuch sicherzustellen, dass
       Russland seine Truppen zurückziehe, wenn man den Frieden in der Ukraine
       sichern wolle, betonte Scholz.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zudem Befürchtungen
       entgegengetreten, seine Streitkräfte könnten mit moderneren westlichen
       Waffen auch russisches Staatsgebiet angreifen. „Wir greifen das russische
       Territorium nicht an. Wir befreien unser gesetzmäßiges Gebiet“, sagte
       Selenskyj am Sonntag in Berlin bei einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf
       Scholz. „Wir haben dafür keine Zeit, keine Kräfte und keine überzähligen
       Waffen dafür.“ Man habe sich gemäß internationalem Recht bei der
       Vorbereitung der Gegenoffensivaktionen ausschließlich auf die Befreiung
       „unseres von der ganzen Welt anerkannten Territoriums“ konzentriert. (dpa)
       
       ## Selenskyj und Scholz fliegen gemeinsam nach Aachen
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Bundeskanzler Olaf Scholz
       (SPD) fliegen an diesem Sonntag gemeinsam nach Aachen zur Verleihung des
       Karlspreises an den Staatschef. Das bestätigte Scholz am Vormittag in einer
       Pressekonferenz mit Selenskyj in Berlin. Bisher war aus Sicherheitsgründen
       noch offengeblieben, ob Selenskyj selbst zur Verleihung des Preises nach
       Nordrhein-Westfalen kommt.
       
       Die Verleihungszeremonie beginnt nach bisherigen Angaben gegen 15.30 Uhr
       nach einem Gottesdienst. Scholz wird die Laudatio halten. Als weitere
       Redner sind EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der
       polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki dabei.
       
       Der renommierte Preis wird an Selenskyj und das ukrainische Volk für
       Verdienste um die Einheit Europas vergeben. In der Begründung wurde die
       Rolle Selenskyjs bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs
       hervorgehoben: Er sei nicht nur der Präsident seines Volkes und der
       Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee. Er sei „auch der Motivator,
       Kommunikator, der Motor und die Klammer zwischen der Ukraine und der großen
       Phalanx der Unterstützer“.
       
       Voriges Jahr hatten die belarussische Oppositionsführerin Swetlana
       Tichanowskaja und zwei Mitstreiterinnen den Karlspreis bekommen. Auch
       Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und
       Papst Franziskus sind Preisträger. (dpa)
       
       ## Scholz versichert Selenskyj Unterstützung
       
       Bundeskanzler Olaf Scholz hat der Ukraine die weitere Unterstützung
       Deutschlands zugesichert. „Wir unterstützen Euch so lange, wie es nötig
       sein wird“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag bei einem Treffen mit dem
       ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Kanzleramt in Berlin.
       Bisher sei Hilfe im Wert von 17 Milliarden Euro geleistet worden.
       
       Seit 444 Tagen laufe der der erbarmungslose russische Angriffskrieg gegen
       die Ukraine, sagte Scholz. Der schreckliche Krieg habe erhebliche
       geopolitische Konsequenzen, betreffe aber vor allem die Menschen in der
       Ukraine. Deutschland stehe auch in voller Solidarität zu den geflüchteten
       Menschen. Scholz: „Diese Solidarität, sie ist anhaltend und sie ist stark.“
       (dpa)
       
       ## Linksfraktionschef Bartsch reist in die Ukraine
       
       Der Vorsitzende der Linksfraktion, Dietmar Bartsch, reist in die Ukraine.
       Bartsch werde von Dienstag bis Sonntag das Land besuchen, teilte ein
       Fraktionssprecher am Sonntag mit. Dabei reise er gemeinsam mit dem
       Kandidaten der Linken bei der Bundespräsidentenwahl 2022, Gerhard Trabert.
       
       In der Linken sorgt die Frage der Haltung zum Ukraine-Krieg seit vielen
       Monaten für Unruhe. Auf einem Parteitag im vergangenen Sommer zurrten die
       Delegierten nach kontroverser Debatte die Position fest, dass der russische
       Angriffskrieg zu verurteilen sei. Zugleich kritisiert die Linke
       Waffenlieferungen an Kiew scharf.
       
       Teile der Linken um die frühere Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht
       vertreten eine andere Sichtweise als die Parteispitze. Wagenknecht
       bezeichnete etwa im Bundestag die westlichen Sanktionen gegen Russland als
       „beispiellosen Wirtschaftskrieg“. Zudem verfasste sie mit der Publizistin
       Alice Schwarzer ein „Manifest für Frieden“, das unter anderem „Kompromisse“
       sowohl von Russland als auch von der Ukraine bei Friedensverhandlungen
       forderte.
       
       Den Angaben vom Sonntag zufolge sollen Bartsch und Trabert gemeinsam mit
       Fraktionssprecher Michael Schlick die ukrainische Hauptstadt Kiew besuchen.
       Dort sei unter anderem „ein Treffen mit dem Oberrabbiner der Stadt und
       Vertretern aus der Politik“ geplant. Außerdem fahren sie in die nahe
       gelegenen Orte Butscha und Irpin, wo russische Soldaten Gräueltaten verübt
       haben sollen.
       
       Auch ein Besuch in der ostukrainischen Stadt Charkiw ist geplant. Dort
       werde die Delegation vom Gouverneur der Region empfangen, außerdem würden
       ausgebombte Stadtteile und ein Militärlazarett besucht. Für das Lazarett
       bringe der Mediziner Trabert ein sogenanntes Dermatom mit, ein
       Schneidegerät, das für Hauttransplantationen verwendet wird.
       
       Während der Reise wollen die Männer den Angaben zufolge insbesondere
       Krankenhäuser und Notkliniken besuchen und mit Vertreterinnen und
       Vertretern von Hilfsorganisationen sprechen. „Sinn und Zweck der Gespräche
       und Besichtigungen ist unter anderem zu erfahren, welche Hilfsgüter
       dringlichst benötigt werden“, erklärte der Fraktionssprecher. Nach der
       Reise würden Spenden organisiert, um diese Hilfsgüter „erwerben und
       versenden zu können“. (afp)
       
       ## London: Russische Truppen nicht für Herausforderungen gerüstet
       
       Die russischen Invasionstruppen in der Ukraine sind nach Ansicht britischer
       Militärexperten in einem miserablen Zustand und nicht gut auf
       Herausforderungen vorbereitet. Das geht aus dem täglichen
       Geheimdienst-Bericht zum Krieg in der Ukraine des Verteidigungsministeriums
       in London am Sonntag hervor. Demnach ist zwar die Zahl der Soldaten und die
       Organisationsstruktur ähnlich wie zu Beginn des Angriffskriegs, doch die
       Zusammensetzung unterscheidet sich erheblich.
       
       Im Februar 2022 habe die russische Truppe aus Profi-Soldaten bestanden, sei
       größtenteils mit einigermaßen modernen Fahrzeugen ausgestattet gewesen, und
       habe regelmäßig trainiert mit dem Ziel, komplexe Einsätze im Verbund
       auszuführen, so die Mitteilung. „Jetzt besteht die Streitkraft
       hauptsächlich aus schlecht ausgebildeten Reservisten und ist zunehmend auf
       veraltete Ausrüstung angewiesen, vielen erheblich unterbesetzten
       Einheiten“, hieß es weiter.
       
       Routinemäßig würden nur sehr einfache Infanterie-basierte Einsätze
       durchgeführt. Vor allem sei es unwahrscheinlich, dass es der russischen
       Streitkraft in der Ukraine gelungen sei, eine mobile Reserve aufzubauen, um
       auf Herausforderungen an einer Front auf der Länge von 1200 Kilometern zu
       reagieren, so das Fazit der Briten.
       
       Das Verteidigungsministerium in London veröffentlicht seit Beginn des
       russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Berufung auf
       Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Moskau
       wirft London eine Desinformationskampagne vor. (dpa)
       
       ## Russland überzieht Ukraine mit Drohnen und Raketen
       
       Russland hat die Ukraine in der Nacht zum Sonntag erneut mit Drohnen- und
       Raketenangriffen überzogen. Landesweit war Luftalarm. Die russischen
       Besatzer hätten das Land aus unterschiedlichen Richtungen mit Drohnen,
       Raketen von Kriegsschiffen aus dem Schwarzen Meer und mit Marschflugkörpern
       von Flugzeugen aus angegriffen, teilten die Luftstreitkräfte in Kiew mit.
       25 Drohnen, die meisten vom iranischen Typ Shahed-136/131, und drei
       Marschflugkörper seien abgeschossen worden. Es gab diesmal keine Angaben
       zur Gesamtzahl der russischen Angriffe oder zu Einschlägen.
       
       Auch am Samstag hatte es landesweit Luftalarm gegeben wegen der russischen
       Drohnenangriffe, dabei hatte die ukrainische Flugabwehr ebenfalls die
       meisten Attacken abgewehrt. Die Hauptstadt Kiew teilte mit, dass es sich
       bereits um die siebten Luftangriffe seit Anfang Mai gehandelt habe. Der
       Chef des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, teilte am Sonntag
       mit, dass die Flugabwehr des Landes ihre Ziele treffe.
       
       Zugleich veröffentlichte Jermak Fotos von zerstörten Häusern in der Stadt
       Ternopil in der Westukraine. Dort seien Raketen eingeschlagen, als das
       ukrainische Duo Tvorchi beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in
       der britischen Metropole Liverpool aufgetreten sei. Es gebe zwei Verletzte.
       Ternopil ist die Heimatstadt der ESC-Teilnehmer. „Russen sind komplexe
       Terroristen“, sagte Jermak.
       
       „Wir müssen Russlands Wirtschaft zerstören, sie müssen zahlen für all ihre
       Verbrechen.“ Die Ukraine müsse stark genug werden, damit Russland keine
       Chance mehr habe, das Land anzugreifen. „Der Sieg der Ukraine bedeutet die
       Rückkehr unserer Gebiete, Sicherheitsgarantien und der Beitritt zur Nato“,
       sagt er. Dafür wollte sich auch der ukrainische Präsident Wolodymyr
       Selenskyj bei seinem Besuch in Berlin am Sonntag einsetzen. (dpa)
       
       ## Selenskyj im Kanzleramt
       
       Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
       Selenskyj mit militärischen Ehren im Kanzleramt in Berlin empfangen. Nach
       einem Gespräch unter vier Augen und einer weiteren Unterredung in einem
       etwas größeren Kreis sollte es auch eine Pressekonferenz geben. Zum
       Abschluss des Besuches von Selenskyj in Berlin waren am Sonntag Beratungen
       im Rahmen des Sicherheitskabinetts geplant. Neben Scholz gehören dem
       Gremium unter anderen Verteidigungsminister Boris Pistorius,
       Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD) und Außenministerin Annalena
       Baerbock (Grüne) an. (dpa)
       
       ## Selenskyj im Gästebuch: Deutschland „wahrer Freund“
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland für die
       Unterstützung im Abwehrkampf gegen den Angriffskrieg Russlands gedankt. „In
       der schwierigsten Zeit in der modernen Geschichte der Ukraine hat sich
       Deutschland als unser wahrer Freund und verlässlicher Verbündeter erwiesen,
       der im Kampf für die Verteidigung von Freiheit und demokratischen Werten
       entschieden an der Seite des ukrainischen Volkes steht“, schrieb Selenskyj
       am Sonntag beim Empfang durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf
       Englisch ins Gästebuch. Er ergänzte: „Gemeinsam werden wir gewinnen und den
       Frieden nach Europa zurückbringen.“
       
       Ausdrücklich bedankte sich Selenskyj bei Steinmeier persönlich für dessen
       Unterstützung. Er schrieb: „Vielen Dank, Herr Bundespräsident, für Ihre
       persönliche Unterstützung der Ukraine und Gastfreundschaft“ Er dankte auch
       dem deutschen Volk für dessen „fantastische Solidarität“. Auf Deutsch
       ergänzte er: „Danke Deutschland!“
       
       Das Verhältnis zwischen Steinmeier und Selenskyj war zunächst nicht einfach
       – ein Besuch des deutschen Staatsoberhaupts in der Ukraine hatte erst Ende
       Oktober im dritten Anlauf geklappt. Kurz zuvor musste damals ein
       Besuchstermin aus Sicherheitsgründen kurzfristig verschoben werden. Im
       April 2022 hatte Steinmeier eine gemeinsame Reise mit den Staatspräsidenten
       aus Polen, Lettland, Litauen und Estland in letzter Minute absagen müssen.
       Kiew hatte Steinmeier damals signalisiert, dass er nicht willkommen sei.
       Dem früheren SPD-Außenminister Steinmeier wurde in der Ukraine seine
       russlandfreundliche Politik angekreidet. (dpa)
       
       ## Selenskyj auf Deutschland-Besuch
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zum Auftakt seines
       Deutschland-Besuchs von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin
       empfangen worden. Selenskyj traf am Sonntagmorgen im Schloss Bellevue ein,
       wo er von seinem deutschen Kollegen begrüßt wurde.
       
       Der ukrainische Staatschef [1][war in der Nacht zu Sonntag in Deutschland
       gelande]t. Es ist sein erster Besuch hierzulande seit Beginn des russischen
       Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022. Ein Flugzeug der
       Flugbereitschaft der Bundeswehr hatte Selenskyj nach Angaben der Luftwaffe
       am Samstagabend in Rom abgeholt, wo der ukrainische Präsident Italiens
       Staatspräsident Sergio Mattarella, Regierungschefin Giorgia Meloni und
       [2][Papst Franziskus getroffen hatte].
       
       Details zu Selenskyjs Deutschland-Besuch waren vorab nicht offiziell
       bekanntgegeben worden. Die Polizei kündigte umfangreiche
       Sicherheitsmaßnahmen und Verkehrssperrungen insbesondere rund um das
       Berliner Regierungsviertel an. Am Sonntagnachmittag sollen Selenskyj und
       das ukrainische Volk mit dem Aachener Karlspreis geehrt werden. Ob der
       Präsident aus diesem Anlass nach Aachen reist, blieb bis zuletzt offen.
       
       Am Samstag [3][hatte die Bundesregierung ein milliardenschweres
       Rüstungspaket für Kiew angekündigt]. Laut Verteidigungsministerium bekommt
       die Ukraine unter anderem 30 Panzer vom Typ Leopard 1 A5 und 20 vom Typ
       Marder. Das Paket umfasst außerdem vier weitere Iris-T-Flugabwehrsysteme,
       18 Radhaubitzen, mehr als 100 gepanzerte Gefechtsfahrzeuge und mehr als 200
       Aufklärungsdrohnen. Auch Artilleriemunition und Lenkflugkörper für die von
       Deutschland zur Verfügung gestellten Luftverteidigungssysteme wurden Kiew
       zugesagt. Ukrainische Regierungsvertreter lobten den Schritt. (afp)
       
       ## Sicherheit für Selenskyj-Besuch in Berlin verstärkt
       
       Zum Deutschland-Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj
       sind die Sicherheitsmaßnahmen in Berlin verstärkt worden. Die Polizei
       setzte am Sonntagmorgen für Teile des Zentrums der Hauptstadt deutlich
       verstärkte Sicherheitsvorkehrungen um. Durch eine sogenannten
       Allgemeinverfügung gelten bis 18 Uhr umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und
       Verkehrssperrungen.
       
       Besonders betroffen sind die Bereiche rund um das Regierungsviertel in
       Mitte. Auch das Befahren der Spree war damit unter anderem in Höhe des
       Bundeskanzleramtes nicht mehr möglich. Anwohner der betroffenen zwei
       Bereiche um Kanzleramt und Bundespräsidialamt sollen zur Legitimation etwa
       einen Ausweis dabei haben. Über diesen Gebieten waren am Morgen mehrere
       Hubschrauber zu sehen. (dpa)
       
       ## G7 wollen Russland-Pipelines dauerhaft sperren
       
       Die sieben führenden Industrienationen (G7) und die Europäische Union (EU)
       wollen einem Bericht der „Financial Times“ zufolge Gaslieferungen über
       wichtige Pipelines von Russland in die EU verbieten. Die Maßnahme, die am
       kommenden Wochenende auf dem G7-Gipfel im japanischen Hiroshima beschlossen
       werden solle, gelte für die Verbindungen, auf denen Moskau zuvor die
       Lieferungen eingestellt hatte, etwa von Russland nach Polen und
       Deutschland. Diese Pipelines sollten nicht mehr in Betrieb gehen. (rtr)
       
       ## Haßelmann zu Karlspreis: Ukrainer können sich auf uns verlassen
       
       Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Britta Haßelmann, begrüßt
       die Verleihung des Karlspreises an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
       Selenskyj. Die Auszeichnung Selenskyjs und des ukrainischen Volkes würdige
       „den unermüdlichen Kampf der Ukrainerinnen und Ukrainer für Freiheit und
       Selbstbestimmung“, sagte die Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
       Europa wolle damit ein Zeichen setzen: „Wir stehen an der Seite der
       Ukrainerinnen und Ukrainer. Sie können sich auf uns verlassen.“
       
       Haßelmann sicherte zugleich zu, man werde in der Unterstützug der Ukraine
       nicht nachlassen – „humanitär, wirtschaftlich und mit Waffen“. Die Ukrainer
       verteidigten nicht nur sich und ihr Land, sondern auch die gemeinsamen
       europäischen Werte.
       
       Am Sonntagnachmittag findet in Aachen die Verleihung des Karlspreises für
       europäische Verdienste statt, der Selenskyj und dem ukrainischen Volk schon
       im Dezember zugesprochen worden war. Die Ukraine verteidigt sich seit
       Februar 2022 gegen den russischen Angriffskrieg. (dpa)
       
       ## Landesweiter Luftalarm in der Ukraine
       
       In der Ukraine ist am frühen Sonntagmorgen ein landesweiter Luftalarm
       ausgelöst worden. Auslöser sollen örtlichen Medienberichten zufolge
       Raketenstarts von mehreren strategischen Bombern der russischen Luftwaffe
       aus dem Bereich des Kaspischen Meeres gewesen sein. Informationen aus dem
       Kriegsgebiet lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Der ukrainische
       Präsident Wolodymyr Selenskyj war am Samstagabend in Berlin zu Gesprächen
       über weitere Waffenlieferungen eingetroffen.
       
       Bereits während des Eurovision Song Contests (ESC) war am Samstagabend die
       Heimatstadt der ukrainischen ESC-Teilnehmer Tvorchi von Russland
       angegriffen worden. Kurz vor dem Auftritt des Duos in Liverpool
       erschütterten Explosionen russischer Raketen die Stadt Ternopil in der
       Westukraine, wie der Vorsitzende des Gebietsrats, Mychajlo Holowko,
       mitteilte. Die Behörden riefen die Bewohner auf, Schutzräume aufzusuchen.
       Über Schäden und Opfer war zunächst nichts bekannt.
       
       Die Ukraine wehrt seit über 14 Monaten eine russische Invasion ab. Zuletzt
       konnte das ukrainische Militär mithilfe aus dem Westen und insbesondere aus
       Deutschland gelieferter Flugabwehrtechnik einen Großteil der russischen
       Raketen und Drohnen abfangen. (dpa)
       
       ## Stadt der ukrainischen ESC-Teilnehmer am Abend des Wettbewerbs
       „bombardiert“
       
       Die Heimatstadt des ukrainischen Musik-Duos Tvorchi, das sein Land dieses
       Jahr beim Eurovision Song Contest vertreten hat, ist am Abend des
       Wettbewerbs von russischen Angriffen getroffen worden. Die westukrainische
       Stadt Ternopil „ist von Russland bombardiert worden, während wir gesungen
       haben“, erklärten Tvorchi wenige Minuten nach ihrem Auftritt am
       Samstagabend in Liverpool im Onlinedienst Instagram. Ein Vertreter der
       Militärverwaltung der Stadt betätigte die Angriffe.
       
       Wolodymyr Troutsch erklärte im Onlinedienst Telegram, es habe Angriffe auf
       „Firmenlager, Handelsunternehmen und eine religiöse Organisation“ gegeben.
       Demnach wurden zwei Menschen durch Granatsplitter verletzt. Der Vorsitzende
       der Regionalrats, Mychailo Golowko meldete einen Angriff auf das
       Gewerbegebiet der Stadt.
       
       Voriges Jahr hatte die ukrainische Band Kalush Orchestra mit ihrem Song
       „Stefania“ den ESC gewonnen. Wegen des anhaltenden russischen
       Angriffskriegs konnte das Siegerland des Vorjahres den ESC aber nicht wie
       üblich ausrichten. Daher sprang das zweitplatzierte Land Großbritannien ein
       und richtete die Show in der nordwestenglischen Hafenstadt Liverpool aus.
       (afp)
       
       ## Mindestens ein russischer Militär-Hubschrauber abgestürzt
       
       In der Grenzregion zur Ukraine ist am Samstag nach Angaben von russischen
       Rettungskräften ein russischer Armee-Hubschrauber vom Typ Mi-8 abgestürzt.
       Zwei Menschen an Bord seien ums Leben gekommen, teilten die Rettungskräfte
       nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass mit. Aus anderer Quelle
       hieß es demnach, der Hubschrauber sei ersten Erkenntnissen zufolge in der
       Nähe der Stadt Klintsy abgestürzt, weil es einen Motorbrand gegeben habe.
       
       Klintsy liegt in der Region Briansk rund 65 Kilometer von der Grenze zur
       Ukraine entfernt. Nach Angaben des Regionalgouverneurs Alexander Bogomas
       wurde eine Frau ins Krankenhaus eingeliefert. zudem seien fünf Häuser
       beschädigt worden. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt.
       
       Ein Vertreter der russischen Besatzungstruppen in der Ukraine, Wladimir
       Rogow, nannte allerdings eine viel höhere Zahl: Es seien zwei russische
       Mi-8, ein Kampfjet Su-35 und ein Kampfjet Su-34 „abgeschossen“ und „die
       Piloten der Hubschrauber und des Su-34 getötet“ worden. Die Behörden in
       Russland wollten dies nicht bestätigen oder dementieren.
       
       Videos in Online-Medien, die einen Hubschauber zeigen, der offenbar von
       einem Geschoss getroffen wurde, konnten von der Nachrichtenagentur AFP
       nicht unabhängig bestätigt werden.
       
       Auf ukrainischer Seite erklärte Vize-Ministerpräsidentin Iryna
       Wereschtschuk, die „Russen sind sehr unzufrieden heute“. Das sei
       verständlich: zwei Jagdflugzeuge und zwei Hubschrauber weniger, fügte sie
       hinzu, ohne dies näher auszuführen. Der ukrainische Präsidentenberater
       Mychailo Podoljak erklärte, die vier russischen Fluggeräte hätten die
       Zivilbevölkerung in der ukrainischen Region Tschernihiw angreifen sollen.
       
       Die russische Region Briansk war Ende April von ukrainischer Seite
       bombardiert worden, wodurch vier Menschen ums Leben kamen. Zuletzt gab es
       dort Drohnenangriffe und Sabotage-Akte. (afp)
       
       ## Bewegung in Front um Bachmut
       
       In die Front um die seit Monaten umkämpfte Stadt Bachmut im Osten der
       Ukraine ist Bewegung gekommen. Nach übereinstimmenden russischen und
       ukrainischen Angaben vom Samstag erreichten ukrainische Truppen in der
       Region Geländegewinne. Die Truppen würden in zwei Richtungen in den
       Randbereichen Bachmuts vorrücken, sagte die stellvertretende ukrainische
       Verteidigungsministerin Hanna Malyar. Die Lage im Stadtzentrum sei aber
       „kompliziert“.
       
       Russland hatte am Freitag eingeräumt, die eigenen Truppen hätten sich aus
       einem Gebiet nahe Bachmut zurückgezogen und neu formiert. Der Chef der
       russischen Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, sprach von einer
       Niederlage der regulären Truppen. Die Ukraine habe eine Anhöhe vor der
       Stadt besetzt und die zuvor von Wagner-Söldnern gehaltene wichtigste Straße
       nach Bachmut unter ihrer Kontrolle.
       
       Das britische Verteidigungsministerium erklärte, russische Truppen hätten
       sich in den vergangenen vier Tagen ungeordnet von Positionen bei Bachmut
       zurückgezogen. Ein Sprecher der Ost-Gruppe der ukrainischen Streitkräfte
       sagte, seine Truppen hätten „in drei Tagen der Gegenoffensive ein Gebiet
       von 17,3 Quadratkilometern befreit“.
       
       Ob es sich bei den Vorstößen um einen Auftakt für die lange erwartete, groß
       angelegte ukrainische Gegenoffensive handelt, blieb offen. Präsident
       Wolodymyr Selenskyj vermied am Rande eines offiziellen Besuchs in Rom
       konkrete Antworten: „Ich kann diese Frage nicht beantworten, aber Sie
       werden die Ergebnisse sehen und Russland wird sie spüren“, sagte er dem
       italienischen Fernsehen. (rtr)
       
       14 May 2023
       
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