# taz.de -- Nato-Beitritt Finnlands: Groß, aber innen schwach
       
       > Die Erweiterung der Nato überdeckt die Schwächen des Bündnisses. Es
       > duldet einen Autokraten wie Erdogan, der andere Mitglieder erpressen
       > kann.
       
 (IMG) Bild: Die Fahnen der NATO und Finnlands flattern über dem finnischen Aussenministerium in Helsinki
       
       Die Nato feiert sich selbst. Größer und stärker denn je sei das westliche
       Militärbündnis, sagt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. [1][Der
       Beitritt Finnlands, der am Dienstag in Brüssel besiegelt wurde], sei ein
       historisches Ereignis. Kremlchef Wladimir Putin habe weniger Nato gewollt,
       nun bekomme er mehr davon.
       
       Doch die Stärke eines Bündnisses bemisst sich nicht nur an der Zahl ihrer
       Mitglieder. Sie bemisst sich auch an der inneren Geschlossenheit und
       Solidarität – und am Erreichen der selbst gesteckten Ziele. Wer diese
       beiden Maßstäbe anlegt, wird Stoltenbergs Begeisterung nicht teilen können.
       
       Die Nato ist nur nach außen stark, nach innen ist sie erschreckend schwach.
       Dies zeigt sich daran, dass Schweden immer noch nicht beitreten kann.
       [2][Der türkische Präsident Recep Erdoğan hat ein Veto eingelegt und
       sachfremde Forderungen] an die Regierung in Stockholm gestellt. Damit hat
       er Stoltenberg ausgebremst. Geplant war, Finnland und Schweden gleichzeitig
       aufzunehmen – und so das Risiko zu mindern, dass Putin die Wartezeit zu
       Provokationen nutzt. Dieser Plan ist gescheitert. Schlimmer noch: Die Nato
       hat sich von Provokationen aus der Türkei abhängig gemacht. Mitten im Krieg
       wird das Bündnis von Erdoğan erpresst.
       
       Man muss der Nato nicht gleich den „Hirntod“ bescheinigen, wie es
       Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einst tat. Doch in bester Gesundheit
       ist das Bündnis auch nicht. Es duldet Autokraten wie Erdoğan und wirkt,
       wenn ein Mitglied wie die Türkei ein Veto einlegt, wie gelähmt.
       
       ## Nato rutscht weiter in den Krieg
       
       Auch bei der Umsetzung ihrer Ziele hat die Nato nicht geglänzt. Sie sollte
       den Frieden sichern – stattdessen rutscht sie immer tiefer in den Krieg.
       Durch den Beitritt Finnlands bekommt sie nun noch ein weiteres Problem: Die
       Nato-Landgrenze zu Russland ist auf einen Schlag doppelt so lang geworden.
       
       Wie die neue Ostflanke verteidigt werden soll, kann nicht einmal
       Stoltenberg sagen. Das Mehr an Sicherheit steht nur auf dem Papier.
       Finnland will nun einen 1.300 Kilometer langen Zaun bauen – militärisch ist
       dies allerdings sinnlos.
       
       4 Apr 2023
       
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