# taz.de -- 8. März in Berlin: Die Wut auf die Straße tragen
       
       > So vielfältig wie die Formen der Unterdrückung ist auch der Widerstand
       > dagegen: Feminist:innen kämpfen auf vielen Demos für
       > Gleichberechtigung.
       
 (IMG) Bild: Damals noch in der Pandemie: Ein*e Teilnehmer*in bei der 8.-März-Demonstration vor zwei Jahren
       
       Käme ein außerirdisches Wesen auf die Erde und würde zum ersten Mal mit der
       Menschheit Kontakt aufnehmen, gäbe es sicherlich viele Dinge, die es
       verwundern würden. Ganz vorne mit dabei wäre sicherlich die Eigenart, die
       Mitglieder der Menschheitsgesellschaft willkürlich in zwei Geschlechter und
       damit in zwei Gruppen aufzuteilen.
       
       Als wäre das nicht kurios genug, wird die eine Gruppe ohne ersichtlichen
       Grund in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt:
       Sie bekommt [1][für die gleiche Arbeit weniger Lohn], muss dazu oft noch
       unbezahlt wichtige Sorge- und Erziehungsarbeit leisten, wird häufiger das
       Ziel von gewalttätigen Übergriffen und hat trotzdem deutlich seltener
       politische Entscheidungsmacht, bis zu dem Punkt, nicht einmal selbst über
       den eigenen Körper bestimmen zu dürfen.
       
       Mensch muss kein Außerirdischer sein, um zu erkennen, dass der patriarchale
       Normalzustand, indem wir uns auch im Jahr 2023 in Deutschland immer noch
       befinden, total absurd ist. Eigentlich ist es auch ein wenig traurig, dass
       auch heute noch ein feministischer Kampftag wie der 8. März nötig ist, um
       darauf aufmerksam zu machen, dass diese Normalität nicht gottgegeben ist,
       sondern Teil [2][eines kapitalistischen Systems, das willkürliche
       Unterdrückung und Spaltung benötigt, um zu funktionieren.]
       
       Es bleibt also noch einiges zu tun bis zur befreiten Gesellschaft, und
       dementsprechend gibt es auch am 8. März in Berlin zahlreiche
       Veranstaltungen, bei denen für die Gleichberechtigung gekämpft wird. Aktiv
       geht es los mit einer [3][FLINTA-Fahrrad-Demo] unter dem Motto „Ab aufs
       Rad, gegen das Patriarchat“. Die Abkürzung FLINTA steht dabei für Frauen,
       Lesbians, inter*, nichtbinäre, trans* und agender Personen. Ziel der Demo
       ist es, sich gemeinsam den öffentlichen Raum zu nehmen, der oft genug Ort
       für transfeindliche, homophobe, rassistische, sexistische und sexualisierte
       Angriffe ist. (Mittwoch, 8. März, 12 Uhr, Mariannenplatz).
       
       ## Mit dem Fahrrad gegen das Patriarchat
       
       Die Fahrraddemo führt zur revolutionären internationalistischen
       Frauentagsdemo [4][„Our Revolution is coming“]. Die Demo legt den Fokus
       darauf, dass Frauen* weltweit in vielen Freiheitskämpfen in der ersten
       Reihe stehen. Auch diese Demo ist ausschließlich für FLINTA (Mittwoch, 8.
       März, 14 Uhr, Frankfurter Tor).
       
       Ein gutes Beispiel dafür, dass der Kampf für Frauenrechte auch ein Kampf
       für die Befreiung der gesamten Gesellschaft ist, zeigt die [5][Revolution
       im Iran.] Mit ihrem Kampf um Selbstbestimmung rütteln Frauen* an den
       Grundfesten eines diktatorischen Regimes. In Solidarität mit den Frauen* im
       Iran und in Afghanistan veranstalten die Aktivist:innen von Feminista
       Berlin ebenfalls eine Demo (Mittwoch, 8. März, 11 Uhr,
       Rosa-Luxemburg-Platz).
       
       Weiter geht es mit einer [6][Demo der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und
       der Bildungsgewerkschaft GEW]. Im Aufruf kritisieren die Organisator:innen,
       dass Frauen* die Hauptlast der Krisen in den letzten Jahren tragen mussten.
       „Während der Corona-Pandemie haben wir einen großen Teil der mehrfachen
       Belastung getragen: familiäre Aufgaben, Arbeiten im Home Office oder vor
       Ort in systemrelevanten Berufen.“
       
       Auch seien Frauen* als erste von den neoliberalen Sparmaßnahmen betroffen,
       in deren Folge öffentliche Infrastruktur unterfinanziert und
       zusammengekürzt wurde. Wo es an Kitaplätzen und Pflegekapazitäten fehlt,
       müssen häufig Frauen* einspringen. (Mittwoch, 8. März, 13 Uhr,
       Invalidenpark).
       
       Damit der Kampftag auch seinem Namen gerecht wird, rufen autonome
       Feminist:innen zu einer Abenddemo [7][„Fight by night“] auf. „Wir
       denken aber, dass es auch eine Möglichkeit geben sollte, an diesem Tag
       kollektiv dem patriarchalen Systemen all den Schmerz und die Wut zu zeigen,
       die wir in uns tragen“, heißt es in dem Aufruf. Die Demo wird nicht
       FLINTA-exklusiv sein, dafür wird es einen FLINTA-Frontblock geben
       (Mittwoch, 8. März, 18 Uhr, Spreewaldplatz).
       
       Die Entschlossenheit, die an diesem Tag zusammenkommt, weckt die Hoffnung,
       dass vielleicht schon in wenigen Jahren das Alien nach seinem Besuch auf
       der Erde etwas weniger verwundert zurückkehrt.
       
       7 Mar 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Urteil-zu-Equal-Pay/!5916726
 (DIR) [2] /Care-Arbeit-im-Kapitalismus/!5666757
 (DIR) [3] https://stressfaktor.squat.net/node/275020
 (DIR) [4] https://stressfaktor.squat.net/node/274942
 (DIR) [5] /Autorinnen-ueber-Protest-in-Iran/!5910501
 (DIR) [6] https://bb.verdi.de/service/veranstaltungen/++co++d4d42366-b294-11ed-bd79-001a4a160116
 (DIR) [7] https://stressfaktor.squat.net/node/275067
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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