# taz.de -- Machtkampf bei den US-Republikanern: Wählen bis zum Abwinken
       
       > Auch in drei weiteren Wahlgängen findet der Republikaner McCarthy keine
       > Mehrheit. Das US-Repräsentantenhaus bleibt ohne Sprecher.
       
 (IMG) Bild: Findet keine Mehrheit, will aber auch nicht aufgeben: Republikaner Kevin McCarthy (mitte)
       
       Washington taz | Das [1][Drama bei der Wahl zum neuen Sprecher des
       US-Repräsentantenhauses] geht in die nächste Runde. Auch am zweiten Tag in
       Folge konnten sich die Mitglieder der republikanischen Partei nicht auf die
       Wahl eines neuen Sprechers einigen. Der Fraktionsvorsitzende Kevin McCarthy
       aus Kalifornien musste sich am Mittwoch in drei weiteren Wahlgängen
       geschlagen geben.
       
       „Und täglich grüßt das Murmeltier“, scherzte die Abgeordnete Kat Cammack
       aus Florida. Doch nur den wenigsten im republikanischen Lager war nach
       einem weiteren langen Tag ohne Ergebnis zum Lachen zumute. Und auch der
       Druck aus der US-amerikanischen Öffentlichkeit wächst.
       
       „An alle Amerikaner, die uns jetzt gerade zusehen: Wir hören euch und wir
       werden eine Lösung finden – ganz egal wie chaotisch es auch sein mag“,
       sagte Cammack. Die Abgeordnete gehört zur großen Mehrheit innerhalb der
       republikanischen Partei, die weiterhin McCarthy für das Sprecheramt
       unterstützt.
       
       Dieser büßte gegenüber dem Vortag sogar eine Stimme ein, da ein
       republikanisches Parteimitglied, welches am Dienstag noch für ihn stimmte,
       am Mittwoch lediglich mit „Present“ (Anwesend) votierte. In den drei
       Wahlgängen am Mittwochnachmittag Ortszeit kam McCarthy jeweils auf 201
       Stimmen. In keinem der sechs bisher abgehaltenen Wahlgänge kam er auch nur
       ansatzweise an die erforderliche Marke von 218 Stimmen heran.
       
       ## Auch Trumps Intervention bringt keinen Umschwung
       
       Ob McCarthy diesen Rückstand in den kommenden Tagen aufholen kann, wird
       immer fraglicher, denn die [2][20 Republikaner aus dem rechten
       Parteiflügel], die aktuell die Nominierung von McCarthy blockieren, geben
       keinerlei Anzeichen dafür, dass sie von ihrem Standpunkt abrücken könnten.
       
       „Unsere Aufgabe ist es nicht, den besten Spendensammler zu krönen oder den
       Status Quo abzusegnen oder einfach so weiterzumachen, um miteinander
       auszukommen. Unsere Aufgabe ist es, unsere Stimmen dafür zu nutzen, einen
       Sprecher zu wählen, der dieses Land wieder auf Kurs bringt“, sagte die
       Republikanerin [3][Lauren Boebert] aus Colorado. Sie zählt zu den 20
       Rebellen im republikanischen Lager, die das US-Repräsentantenhaus seit zwei
       Tagen lahmlegen.
       
       Mit dieser Aussage wies Boebert nicht nur McCarthy klar zurück, sondern
       auch Donald Trump. Dieser hatte am Mittwochvormittag öffentlich die
       Nominierung von McCarthy als nächsten Sprecher des Repräsentantenhauses
       unterstützt.
       
       „Stimmt für Kevin, bringt das ganze zum Abschluss und lasst euch den Sieg
       nicht nehmen. Verwandelt diesen großartigen Triumph nicht in eine riesige
       und peinliche Niederlage“, schrieb Trump auf seiner hauseigenen
       Social-Media-Plattform Truth Social.
       
       ## Wenig spricht dafür, dass McCarthy es noch schaffen kann
       
       Doch Boebert, die zu den größten Anhängern des Ex-Präsidenten zählt, wollte
       davon nichts wissen. „Der Präsident sollte lieber zu Kevin McCarthy sagen:
       ‚Sir, Sie haben die erforderlichen Stimmen nicht und Sie sollten Ihre
       Nominierung zurückziehen‘.“
       
       Diese Aussage, die von einem Raunen im Saal begleitet wurde, verdeutlichte
       den schwindenden Einfluss von Trump auf die Partei. Als Antwort auf
       McCarthy nominierten die abtrünnigen Republikaner am Mittwoch den
       Abgeordneten [4][Byron Donalds] aus Florida. Dieser kam in jedem der drei
       Wahldurchgänge auf jeweils 20 Stimmen.
       
       „Es ist ein wahrhaft erfrischender Tag für Amerika“, so beschrieb der 44
       Jahre alte Donalds die Geschehnisse in der US-Hauptstadt.
       
       Für die einen ist es erfrischend, für die anderen peinlich, denn ohne einen
       neuen Sprecher kann der 118. US-Kongress seine Arbeit nicht aufnehmen. „Ich
       denke, es ist peinlich, wie lange es dauert“, sagte US-Präsident Biden über
       die Vorgänge im Repräsentantenhaus.
       
       Innerhalb der republikanischen Partei gehen derweil die Gespräche weiter.
       Eine Lösung muss her, doch im Moment spricht nur wenig dafür, dass Kevin
       McCarthy am Ende tatsächlich das Amt des Sprechers übernehmen wird. Und
       auch wenn er das Rennen machen sollte: Seine Stellung innerhalb der Partei
       ist jetzt schon stark geschwächt.
       
       Während der Kongresswahlen im November haben die Republikaner die
       [5][Mehrheit im Repräsentantenhaus] zurückerobert. Mit einer hauchdünnen
       Mehrheit von lediglich fünf Sitzen braucht es jedoch eine geschlossene
       Fraktion, um überhaupt etwas politisch durchsetzen zu können. Die ersten
       zwei Tage haben gezeigt, dass die Republikaner auf diesem Gebiet in den
       kommenden zwei Jahren eine Menge Arbeit vor sich haben.
       
       Am Donnerstag um 12 Uhr Ortszeit geht es weiter mit einer möglichen siebten
       Wahlrunde. Wann das Spektakel ein Ende haben wird, ist noch nicht
       abzusehen.
       
       5 Jan 2023
       
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 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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