# taz.de -- Neue Sonderbeauftragter für Migration: Neokoloniale Rosinenpickerei
       
       > Der Migrationsbeauftragte soll wohl für die „richtigen“
       > Einwander:innen sorgen. Dabei fehlen nicht nur Fachkräfte, sondern
       > schlicht Arbeitskräfte.
       
 (IMG) Bild: Joachim Stamp wird Sonderbevollmächtigter für Migration
       
       Die Bundesregierung bekommt im neuen Jahr [1][einen Sonderbevollmächtigten
       für Migration]. Joachim Stamp (FDP), einst Integrationsminister in
       Nordrhein-Westfalen, soll sich im Auftrag von SPD-Bundesinnenministerin
       Nancy Faeser darum kümmern, dass Einwanderung in unser schönes Deutschland
       auch schön geordnet passiert.
       
       Dass Fachkräfte aus fernen Ländern einreisen dürfen, um unseren Wohlstand
       zu sichern. Aber natürlich auch, dass Abkommen mit Herkunftsländern
       abgeschlossen werden – zwecks Rücknahme abgelehnter Asylbewerber. Das soll
       der Fortschritt einer gefühlt halblinken Regierung sein? Man möchte nur
       noch gepflegt in die Tischkante beißen.
       
       Deutschland braucht dringend mehr Menschen, um die demografische Schieflage
       auszugleichen. Das [2][ist unabweislich]. Aber die Rosinenpickerei nach
       handverlesenen Fachkräften ist nicht nur eine neokoloniale Ausbeutung. Sie
       ist auch noch falsch. Denn tatsächlich fehlen ja nicht nur Jungakademiker,
       sondern schlichtweg Menschen in allen Bereichen. [3][Erzieher,
       Lkw-Fahrerinnen, Kellnerinnen, Pflegekräfte und, und, und]. Und daher ist
       jeder Mensch, der abgeschoben statt ausgebildet wird, ein Verlust.
       
       Tatsächlich wäre es völlig egal, wer aus welchem Grund kommt, wenn man
       Integration endlich mal ernst nähme. Wenn diejenigen, die trotz der mit
       deutscher Gründlichkeit gepflegten Fremdenfeindlichkeit hier ihr Asyl,
       ihren Frieden, ihr Glück finden wollen, weil ihnen andernorts Krieg,
       Verfolgung oder einfach nur Armut drohen, mit einem herzlichen, „Hallo,
       schön, dass Sie da sind!“, begrüßt würden. Wenn man ihnen ab dem ersten Tag
       einen Sprachkurs und ab dem zweiten eine Aus- oder Weiterbildung anbieten
       würde. Dann gäbe es binnen kürzester Zeit Fachkräfte in allen möglichen
       Bereichen: Programmiererinnen, Pflegekräfte, Paketboten.
       
       Stattdessen gibt es nun einen Beauftragten, der Migration aus Angst vor
       Rassismus nicht nur als einmalige Chance preist, sondern auch gleich als
       Problem brandmarkt. Das ist nicht nur unmenschlich, sondern auch noch
       volkswirtschaftlicher Quatsch.
       
       20 Dec 2022
       
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 (DIR) Gereon Asmuth
       
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