# taz.de -- Diskussion um Jahn-Denkmal: „Jahn war antifeministisch“
       
       > Das Jahn-Denkmal im Neuköllner Park Hasenheide soll abgerissen werden,
       > fordert Claudia Cremer vom Netzwerk Frauen in Neukölln.
       
 (IMG) Bild: Noch thront der antidemokratische Turnvater Jahn über der Hasenheide, doch wie lange noch?
       
       taz: Frau Cremer, das Netzwerk Frauen in Neukölln fordert, dass das Denkmal
       von „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn in der Hasenheide abgerissen wird.
       Warum soll das Denkmal weg? 
       
       Claudia Cremer: Jahn war antifeministisch, rassistisch und antijüdisch.
       Seine Turnklientel sollten ausdrücklich nur deutsche Jungs sein und keine
       jüdischen Jungs und keine Mädchen.
       
       Der vor mehr als 250 Jahren geborene Jahn war Gründer der deutschen
       Turnbewegung, die er als paramilitärische Ausbildung verbunden mit
       nationaler und patriotischer Erziehung konzipierte. In der Hasenheide hat
       er den ersten Turnplatz Deutschlands errichtet. Wie kommt es, dass sich das
       Netzwerk Frauen in Neukölln gegen die Ehrung Jahns einsetzt? 
       
       Als feministisches Netzwerk kümmern wir uns nicht nur um frauenspezifische
       Belange, sondern auch um antirassistische und so weiter. Dieses riesige
       Denkmal hat einige von uns massiv gestört. Da das Bezirksamt Neukölln die
       Absicht hat, den gesamten Park umzugestalten, haben wir gedacht, da könnte
       man doch gleich mal mit überlegen, wie man mit diesem Denkmal umgeht. Man
       kann es kommentieren, umgestalten oder eben gleich entfernen.
       
       Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) begrüßt die Debatte über das
       Jahn-Denkmal. Über eine [1][Umbenennung des Jahn-Sportparks in Prenzlauer
       Berg] wird schon seit Jahren diskutiert, der rot-rot-grüne Senat erteilte
       dem Vorhaben 2018 eine Absage. Für wie realistisch halten Sie es, dass es
       zum Abriss des Jahn-Denkmals kommt?
       
       Ich denke, das ist ein dickes Brett. Es ist ja nicht das einzige
       problematische Denkmal in Deutschland. In der Antwort auf unseren Antrag in
       der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln wurde uns erklärt, dass die
       Gelder für einen klimaneutralen Umbau des Parks bewilligt wurden, da passe
       so ein Abriss nicht rein. Der zuständige Baustadtrat hat nun angeregt, ein
       Gutachten zu erstellen.
       
       Klingt, als könnte es noch eine Weile dauern. 
       
       Das ist anzunehmen. Wir als Netzwerk Frauen in Neukölln, das sind rund 70
       Einrichtungen, wollen auf jeden Fall am Ball bleiben, damit das nicht
       wieder einschläft. Auch was die Jahnstraße und den Jahnsportplatz in der
       Nähe angeht.
       
       Was würden Sie denn lieber für ein Denkmal in der Hasenheide sehen, haben
       Sie da eine konkrete Idee? 
       
       Es gibt ganz, ganz viele Ideen. Man muss auch nicht unbedingt ein anderes
       Denkmal hinstellen, da sind wir völlig offen.
       
       7 Dec 2022
       
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