# taz.de -- Olaf Scholz reist nach Peking: Glattes Parkett China
       
       > Schon im Vorfeld seiner Reise nach Peking sieht sich der Kanzler heftiger
       > Kritik ausgesetzt. Wieder hat er verpasst, sich zeitnah zu erklären.
       
 (IMG) Bild: Olaf Scholz im Bundestag
       
       Noch vor wenigen Jahren wäre die Antrittsreise von Olaf Scholz nach Peking
       wohl als voller Erfolg gefeiert worden: Chinas Staatschef Xi Jinping lädt
       den deutschen Kanzler ein, als erster westlicher Regierungsvertreter nach
       zweieinhalb Jahren Pandemie-bedingter Isolation China zu besuchen. Was für
       eine Ehre!
       
       Anno 2022 jedoch steht die Reise bereits im Vorfeld unter keinem guten
       Stern: Noch hallt die [1][„Zeitenwende“-Rede] in den Köpfen der deutschen
       Öffentlichkeit nach, da kommt Scholz kurz nach Xis autoritärer [2][Krönung
       beim Pekinger Parteikongress] zum Gratulieren vorbei. Dass der Hanseat
       zudem eine große Wirtschaftsdelegation im Tross hat, hinterlässt ebenfalls
       einen fahlen Beigeschmack.
       
       Die Reise selbst wird ohne Zweifel für noch mehr Kopfschütteln sorgen: Ein
       Tagestrip innerhalb einer vollständig abgeschirmten [3][Corona-Bubble], bei
       der weder die Korrespondenten vor Ort nennenswerten Zugang haben werden
       noch vertrauliche Gespräche zu kritischen Vertretern innerhalb der
       Zivilgesellschaft möglich sein werden, wirft eine ganze Menge Fragen auf.
       Allen voran: Warum muss es ausgerechnet jetzt sein?
       
       Grundsätzlich gibt es natürlich gute Gründe, nach China zu reisen. Die
       Beziehungen der Volksrepublik zum Westen sind in den letzten zwei Jahren
       auf ein gefährliches Niveau gesunken. Gespräche sind zu dem jetzigen
       Zeitpunkt notwendiger denn je. Doch Olaf Scholz hat es erneut versäumt,
       sich der deutschen Öffentlichkeit im Vorfeld ausreichend zu erklären und
       seine Beweggründe offenzulegen.
       
       Es steht außer Frage, dass die chinesischen Staatsmedien den Besuch von
       Scholz als riesigen Propagandagewinn ausschlachten werden: Der deutsche
       Kanzler muss als Beweis für die erfolgreiche Öffnung des Reichs der Mitte
       herhalten. Bislang jedoch machte Scholz wenig Anstalten, sich gegen eine
       solche Vereinahmung zu wehren. Damit sorgte er in einigen europäischen
       Botschaften vor Ort schon für deutliche Irritation.
       
       2 Nov 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zeitenwende-von-Kanzler-Scholz/!5845311
 (DIR) [2] /KP-China-beendet-Parteikongress/!5889947
 (DIR) [3] /Coronamassnahmen-in-China/!5886592
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) China
 (DIR) Olaf Scholz
 (DIR) Xi Jinping
 (DIR) Menschenrechte
 (DIR) GNS
 (DIR) Reiseland China
 (DIR) China
 (DIR) China
 (DIR) Hamburger Hafen
 (DIR) Hamburger Hafen
 (DIR) Robert Habeck
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Chinareise des Bundeskanzlers: Olaf Scholz erklärt sich
       
       Kanzler Olaf Scholz verteidigt in einem Zeitungsbeitrag seine umstrittene
       Reise nach China. Vor allem die Grünen sind sauer.
       
 (DIR) Deutsch-chinesische Beziehungen: Peking will ein „Weiter so“
       
       Chinesische Kommentatoren schätzen Kanzler Scholz als relativ pragmatischen
       Politiker. In den sozialen Medien wird er aber vor allem mit Häme bedacht.
       
 (DIR) Kanzler Olaf Scholz reist nach Peking: Im Kriechgang nach China
       
       Bundeskanzler Olaf Scholz bricht am Donnerstag zu seinem Antrittsbesuch
       nach China auf. Große Forderungen kann er nicht stellen.
       
 (DIR) Konzern aus China im Hamburger Hafen: Einfallstor für China?
       
       Olaf Scholz hat die Beteiligung der Staatsreederei Cosco an einem
       Containerterminal ermöglicht. Gegen Bedenken aus seinem Kabinett.
       
 (DIR) Streit um Hafenbeteiligung: Ja zu Chinas Einstieg in Hamburg
       
       Die Bundesregierung erlaubt der Staatsreederei Cosco mit Einschränkung die
       Beteiligung an einem Hafenterminal. Das kritisiert sogar Steinmeier.
       
 (DIR) Abhängigkeit von Rohstoffen: Der Ausweg aus der China-Falle
       
       Die Energiewende hängt maßgeblich von Rohstoffen ab. Wirtschaftsminister
       Habeck setzt auf Kooperationen und Kreislaufwirtschaft.