# taz.de -- Coscos Einstieg in den Hamburger Hafen: Auf in die nächste Abhängigkeit
       
       > Die Beteiligung Chinas am Hamburger Hafen birgt zahlreiche Risiken. Der
       > Kanzler agiert in der Cosco-Causa schröderesk.
       
 (IMG) Bild: Mufti Scholz hat entschieden: China darf Anteile am Hamburger Hafen haben
       
       Ein Mufti ist ein islamischer Rechtsgelehrter. Wie hoch seine Autorität und
       wie schwer verständlich seine Urteile für Außenstehende sind, zeigt sich
       daran, dass es die Redewendung „par ordre du mufti“ ganz ähnlich im
       Französischen, im Deutschen und auch im Italienischen gibt. Wenn Olaf
       Scholz gleich zweimal binnen kürzester Zeit muftimäßig auf den
       Koalitionstisch haut, zeigt das nach westlicher Lesart von Autorität nur,
       dass nach nicht mal einem Jahr im Amt die Macht des Kanzlers bereits arg
       angekratzt ist.
       
       Schon beim [1][AKW-Zoff] regierte er nicht kraft seiner Argumente, sondern
       um des Friedens mit der FDP willen per Richtlinienbefehl und entschied über
       den Reservebetrieb des Meilers in Lingen bis April. Dabei braucht den Strom
       vermutlich niemand mehr. Ähnlich schröderesk agiert der Kanzler in der
       Cosco-Causa.
       
       Nicht nur FDP und Grüne kritisieren seine Sturheit in Sachen
       [2][Chinabeteiligung am Hamburger Hafen], sogar der Bundespräsident äußert
       Unmut: Frank-Walter Steinmeier, der in seiner Zeit als SPD-Kanzleramts- und
       Außenminister als Putin-Versteher galt, warnt vor „zu großer Abhängigkeit
       von China“. Eine diplomatisch verbrämte Kritik – und deutlicher Rüffel für
       den Kanzler vom höchsten Mann im Staat.
       
       Scholz weiß es dennoch einfach besser. Dabei verfangen seine Argumente
       nicht. Einerseits behauptet die Bundesregierung nun: Da der Anteil von
       Cosco am Containerterminal Tollerort von 35 auf 24,9 Prozent gesenkt werde,
       handele es sich nicht mehr um eine „strategische“, sondern nur noch um eine
       „finanzielle“ Beteiligung.
       
       ## Hapag-Lloyd in Schanghai
       
       Doch für die Staatsreederei Cosco ist Geld völlig schnuppe. Sie hat bereits
       Einfluss auf zehn Häfen in Europa – und will mehr flow control. Das heißt:
       Reedereien nutzen eigene Terminals, um Lieferketten zu verbilligen. Und um
       eigene Waren zu bevorzugen. Was tun, wenn Cosco eines Tages darauf drängt,
       künftig in Hamburg keine Waren aus Taiwan mehr zu löschen?
       
       Zweiter Trugschluss: Die Cosco-Fans suggerieren, der Zugriff Chinas in
       Hamburg sei ein Branchentrend, deutsche Reedereien handelten ähnlich. Genau
       deshalb hätte er vermieden werden müssen: Nach den Erfahrungen mit Russland
       müssen Deutschland und Europa tunlichst den Einfluss autoritärer
       Regierungen verringern, nicht vergrößern.
       
       Und war da, drittes Argument, nicht auch die „werteorientierte“
       Außenpolitik der Ampel? Darauf wird der Muftikanzler kommende Woche in
       Peking sicher hinweisen. Basta mit Überwachungsstaat und
       Minderheitendiskriminierung in China! Und: [3][Hapag-Lloyd] will auch einen
       Anteil am Hafen von Schanghai – sofort! Oder?
       
       26 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Kai Schöneberg
       
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