# taz.de -- Die Kunst der Woche: Show it all!
       
       > Mit der Schau „Paint it all!“ zeigt die Berlinische Galerie Gemälde aus
       > ihrer Sammlung. Das Ergebnis ist farbtrunken, unprätentios und
       > überraschend.
       
 (IMG) Bild: In der Sammlung der Berlinischen Galerie: Tatjana Dolls „CAR_Crankcase“ (2008-2018)
       
       Wenn das nur ein Häppchen ist, wie die Ankündigung von „Paint it all!“ es
       mit dem Hinweis, nur ein Teaser sein zu wollen, so bescheiden formuliert,
       und wenn das so weiterginge, alle paar Monate mit den farbgetränkten
       Häppchen in der [1][Berlinischen Galerie], könnte mensch sich die nächsten
       Jahre ohne Probleme ausschließlich von Vorspeisen ernähren. Für die
       malereizentrierte Ausstellung präsentiert die Berlinische Galerie zehn
       Positionen aus ihrer Sammlung, viele der Werke werden zum ersten Mal im
       Haus gezeigt, so ganz nebenbei ist das Mitte Oktober gestartet, ohne viel
       Aufhebens und ohne Eröffnung.
       
       Mit [2][Christine Streulis] „Warpainting_008“ (2016/2017) ist der Impetus
       „Alles Malen!“ direkt im All-over-Prinzip umgesetzt. [3][Gerold Millers]
       „Anlage 129“, scheint mit ihrem Entstehungsdatum im Jahr 1996 das
       Versprechen des Untertitels „Aktuelle Malerei aus Berlin“ zu unterlaufen,
       es geht hier aber nicht um Dekaden, sondern um Latenz: Wie Miller seinen
       beigen Lack gemeinsam mit dem dunkel-silber gebürsteten Stahlrahmen
       antreten lässt, der keinen Bildraum umrandet, sondern selbst Bildträger
       ist, der Träger des genüsslich herabfließenden Lackes nämlich, das deutet
       nicht nur auf eine sich selbst genügende Präsenz der Malfarbe hin, sondern
       auch auf eine unprätentiöse Wahl der Malmittel, die in der Ausstellung
       immer wieder so angenehm auffällt.
       
       Im äußerst lebhaften zweiten Raum ist das zum Beispiel bei [4][Tamina
       Amadyar] der Fall. Sie trägt ihre semitransparenten Farbfelder, wie hier
       bei „blue world“ (2020), gern direkt auf die rohe Leinwand auf, die
       Überlappungen und sanften Komplementärkontraste (ja, so was gibt es!)
       kommen bei ihr wie immer daher, als handle es sich um die einfachste Geste
       der Welt. Vielleicht schafft sich die Berlinische Galerie ja demnächst dazu
       ihre neuesten [5][Malereien in Wasserfarbe] an, mit denen sie ins
       Figurative übergegangen ist und die dabei ebenso lässig in alle möglichen
       Richtungen auslaufen, denen die Farbsubstanz in dem Moment eben zu folgen
       gedenkt.
       
       Auch [6][Tatjana Doll], die 2021 in der BG mit dem Fred-Thieler-Preis für
       Malerei ausgezeichnet wurde, die unter anderem wieder ihr Gespür für
       Karosserien unter Beweis stellt, ist hier unerwartet materialnah
       anzutreffen: bis sich aus dem gigantischen „DUMMY_Dr Bruce Banner II“
       (2014) überhaupt ein Hulk-nahes Gesicht formt, ist mensch schon längst eine
       halbe Stunde lang in den zart applizierten rosa und blauen Schichten und
       den dickflüssig darüber gleitenden grünen Lackmassen versunken, die hier
       über die Leinwand schwappen.
       
       Außer Werken von Streuli, Miller, Amadyar und Doll sind außerdem Arbeiten
       von [7][Philip Grözinger], Eberhard Havekost, Olaf Holzapfel, [8][Zora
       Mann], Peter Stauss und Thomas Zipp zugegen. Was da wohl noch so alles an
       malerischen Überraschungen in der Sammlung der BG wohnt? Die Hoffnung liegt
       bereits jetzt in der Wiederholung der Aktion. Der Wunsch muss lauten: Alles
       zeigen! Show it all!
       
       30 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://berlinischegalerie.de/ausstellungen
 (DIR) [2] http://christinestreuli.ch/
 (DIR) [3] https://geroldmiller.de/
 (DIR) [4] https://www.guidowbaudach.com/artists/tamina-amadyar
 (DIR) [5] https://koroneougallery.com/artists/tamina-amadyar
 (DIR) [6] https://www.tatjanadoll.de/
 (DIR) [7] /!5330655/
 (DIR) [8] /Der-Spirit-von-Hundertschaften/!5563379/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Noemi Molitor
       
       ## TAGS
       
 (DIR) taz Plan
 (DIR) Kunst Berlin
 (DIR) Berlinische Galerie
 (DIR) Zeitgenössische Malerei
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) Kunstmarkt
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausstellungsempfehlung für Berlin: Am Knotenpunkt des Materials
       
       Das 13. Design Lab im Kunstgewerbemuseum geht den Geschichten diverser Bau-
       und Designmaterialien auf den Grund. Befragt werden Werke aus der Sammlung.
       
 (DIR) Die Kunst der Woche: Im Hot(s)pot
       
       Mit „Tasty Painting“ im Deutschen Künstlerbund hat die Künstlerin Zuzanna
       Skiba eine Malerei-Ausstellung kuratiert, die Lust auf Experimente macht.
       
 (DIR) Die Kunst der Woche: Gesten der Zärtlichkeit
       
       Die Kunstbibliothek zeigt unvollständige Kunstobjekte. Neben dem 16.
       IBB-Preis für Photographie werden zum Jubiläum auch die letzten 15 Jahre
       gezeigt.
       
 (DIR) Indie-Kunstmesse Paris Internationale: Das geprügelte Schwein glänzt rot
       
       Die Kunstmesse Art Basel findet gerade in Paris statt. Unterdessen zeigt
       die Paris Internationale, wie viel Punk und Politik im Kunstmarkt steckt.
       
 (DIR) Die Kunst der Woche in Berlin: Wo die Natur zum Kriegsgebiet wird
       
       Explodierende Palmen von Erik Schmidt, politische Zeugnisse der 90er mit
       dem Künstlerinnenkollektiv fierce pussy und textile Bildräume von Anna
       Virnich.
       
 (DIR) Die Kunst der Woche für Berlin: Im Rief'schen Durchlicht
       
       Die Künstlerin Marie Rief reizt die Grenzen von Kopiermaschinen aus. Ihre
       Bilder sind Druck und Foto, unendliche Verfielfältigung und Original
       zugleich.