# taz.de -- TV-Show „Glow up“: Schminke ist Selbstverteidigung
       
       > In der neuen Show des ZDF „Glow up“ sucht Deutschland den Make-Up-Star.
       > Die Sendung schafft einen neuen Blick auf die politische Seite der
       > Schminke.
       
 (IMG) Bild: Glow up: Make-up-Look zum Thema „Musikvideo“
       
       Foundation, Contouring und Fake Lashes – für viele ist Make-up noch immer
       reine „Frauensache“. Dass das längst nicht mehr zeitgemäß ist, zeigt eine
       neue Fernsehshow: [1][„Glow up – Deutschlands nächster Make-up-Star!“]
       läuft seit Ende September bei ZDF Neo.
       
       Bei dem aus Großbritannien importierten Format kämpfen zehn Make-up-Artists
       um 20.000 Euro und einen Vertrag mit einer renommierten Agentur. Unter
       ihnen ist zum Beispiel Albert, der in Ghana geboren ist und dort aufgrund
       seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wurde. Oder Elli, eine
       Transfrau, die als Jugendliche am liebsten Theater gespielt hat, weil sie
       dabei Make-up tragen durfte. Alle Kandidat:innen vereint, dass sie
       sich über Make-up ausdrücken wollen: künstlerisch und politisch.
       
       Jede Woche gibt es zwei neue Challenges, bei denen sie ihr Können unter
       Beweis stellen müssen: Seien es optische Täuschungen oder Graphic Eyeliner
       – perfekt beherrschen müssen sie am besten alles. Moderiert wird die Show
       von LGBTQ-Aktivist Riccardo Simonetti, dem es mit bohrender Warmherzigkeit
       gelingt, die eine oder andere Emotion aus den Kandidat:innen
       herauszukitzeln. Für ein nie dagewesenes Wohlfühlformat fehlen eigentlich
       nur noch Duftkerzen.
       
       Wäre da nicht die Jury. Die Schikanen von Fotograf Armin Morbach und
       Star-Make-up-Artist Loni Baur sind nämlich nichts für schwache Nerven.
       Während der Challenges schleichen sie mit Lupe und verstohlenem Geflüster
       um die arbeitenden Kandidat:innen herum. Dabei flüstern sie einander ab
       und an miese Kommentare zu, die aber deutlich hörbar sind. Wenn sie dann am
       Schluss die Kritikpunkte laut vortragen, kann man als Zushauer:in fast
       hören, wie die Herzen der Künstler:innen brechen.
       
       Zugegebenermaßen würde der Show vielleicht an Spannung fehlen ohne
       Brutalo-Jury. Und vielleicht ist es das wert, wenn das Publikum auf diese
       Weise eine neue Sicht auf Make-up kennenlernt.
       
       Die Show ist Teil einer größeren Bewegung. Auch auf Social Media wird
       Make-up längst nicht mehr als Hilfsmittel von Frauen gesehen, die Männer
       gewinnen wollen. Für viele ging es darum sowieso nie. [2][Heute bieten
       Männer Contouring-Tutorials für Männer an.] Andere User:innen setzen
       mithilfe von Schminke politische Statements. Die Teilnehmer:innen von
       „Glow up“ vertreten Menschen, für die Make-up mehr ist als Schminke: Kunst,
       Selbstverwirklichung oder eine Form der Verteidigung. Make-up ist
       politisch.
       
       16 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zdf.de/show/glow-up
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=_T59jCp4SMU
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexandra Hilpert
       
       ## TAGS
       
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