# taz.de -- Döpfner gegen Adidas: Springer-Chef in eigener Sache
       
       > Adidas wollte im Lockdown keine Miete mehr zahlen und kassierte negative
       > „Bild“-Berichte. Nun wurde bekannt, dass Mathias Döpfner Vermieter war.
       
 (IMG) Bild: Mathias Döpfner ist ein engagierter Vermieter
       
       Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, soll aus eigenem
       Interesse eine Kampagne gegen den Sportartikelhersteller Adidas angeregt
       haben. Darüber hat die [1][Financial Times am Donnerstag berichtet]. Die
       Bild-Zeitung veröffentlichte zwischen März und April 2020 mehr als zwanzig
       Artikel, in denen das Vorhaben des Sportartikelherstellers kritisiert
       wurde, [2][für die Dauer des ersten Lockdowns keine Miete mehr zu zahlen].
       Nun hat die britische Zeitung bekannt gemacht, dass Döpfner selbst in
       Berlin Vermieter von Adidas war.
       
       Das Unternehmen Adidas, das in der Pandemie finanzielle Verluste hinnehmen
       musste, wurde für dieses Vorhaben weit öfter kritisiert als andere
       Einzelhändler, die ähnliche Pläne geäußert hatten. Die Folge war eine
       erhebliche PR-Krise des Unternehmens, dem Kunden und Politiker mit Boykott
       drohten. Im Anschluss an die Berichterstattung sah sich Adidas gezwungen,
       sich auf Anzeigenseiten deutscher Zeitungen für das Vorhaben zu
       entschuldigen.
       
       [3][Döpfner,] so konnte die Financial Times jetzt ermitteln, war
       Miteigentümer eines Neubaus in der Münzstraße in Berlin, in dem sich auch
       eine Adidas-Filiale auf zwei Stockwerken eingemietet hat, und wäre als
       Vermieter durch Geldeinbußen direkt von dem Vorhaben betroffen gewesen.
       Dank der Weitergabe dieser Information durch Döpfner konnte die
       Bild-Zeitung vom Vorhaben der Sportartikelmarke berichten und sorgte so,
       eignen Angaben zufolge, für einen Scoop, den zahlreiche internationale
       Journalisten aufgegriffen hätten.
       
       ## Döpfners Betroffenheit wurde verschwiegen
       
       Die Bild-Zeitung verzichtete bei ihrer Berichterstattung darauf, Döpfner
       als ihre Quelle zu benennen sowie dessen direkte Betroffenheit anzugeben.
       Laut der Financial Times verteidigte Springer in einer Stellungnahme diese
       Entscheidung und bestritt, dass es einen potenziellen Interessenkonflikt
       gegeben habe. Es habe sich um eine Angelegenheit von übergeordnetem
       öffentlichen Interesse gehandelt, die nicht nur eine Filiale in Berlin,
       sondern Adidas-Filialen weltweit betreffen würde.
       
       Die Axel Springer SE hat erst im vergangenen Jahr ihren Verhaltenskodex
       aktualisiert, in dem es heißt, dass „redaktionelle Veröffentlichungen nicht
       durch private oder geschäftliche Interessen Dritter, durch außerhalb des
       journalistischen Geschäfts liegende werbliche Interessen des Unternehmens
       selbst oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Redakteure
       beeinflusst werden“.
       
       Auch heißt es, Journalisten „nutzen ihre Berichterstattung nicht, um sich
       oder anderen Vorteile zu verschaffen“. Döpfner habe, so die Stellungnahme
       von Springer weiter, „völlig im Einklang mit unseren Richtlinien“
       gehandelt.
       
       16 Sep 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ft.com/content/4d65b018-e62d-477d-b5e2-8a02748a4330
 (DIR) [2] /Ladenketten-kuendigen-Mietzahlungsstopp-an/!5673305
 (DIR) [3] /Springer-Chef-Doepfner-und-Trump/!5880862
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Schütz
       
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