# taz.de -- Rassistischer Angriff in Berlin: Eingreifen, schon vor der Tat
       
       > Bei einem rassistischen Angriff in einem Berliner Bus griffen Zeugen
       > beherzt ein. Zivilcourage ist wichtig, findet unser Autor. Doch es
       > braucht mehr.
       
 (IMG) Bild: In einem Berliner Bus griff ein 20-Jähriger eine Frau an und beleidigte sie rassistisch
       
       Am Montag wurde eine Frau in einem Berliner Bus rassistisch beleidigt und
       geschlagen. Der Angreifer versuchte laut Polizei, der Frau das Kopftuch
       herunterzureißen, schlug sie, und trat ihr mit dem Knie in den Bauch. Erst
       als andere Passagiere eingriffen, habe der Täter von ihr abgelassen.
       Schließlich hielt der Busfahrer an einer Haltestelle und verschloss die
       Türen, damit der Tatverdächtige nicht flüchten konnte. Er wurde von der
       Polizei in einer psychiatrischen Abteilung untergebracht.
       
       Das beherzte Eingreifen der Zeug*innen in diesem Bus ist nicht
       selbstverständlich. [1][Erst im Februar 2022] war eine türkischstämmige
       17-Jährige rassistisch angepöbelt und verprügelt worden. Obwohl mehrere
       Menschen den Vorfall bezeugen konnten, schritt niemand ein. Die Betroffene,
       [2][Dilan S.], sagte im rbb-Interview: „Ich bin schockiert, dass mir
       niemand geholfen hat.“
       
       Bei dem Angriff im Bus am Montag ist es anders, besser gelaufen. Passagiere
       schritten ein, der Fahrer stoppte den Bus und so konnte die Polizei den
       Tatverdächtigen auch sofort festnehmen.
       
       Doch es gibt noch einen Grund, weshalb dieser Fall möglicherweise anders
       liegt und somit auf eine weitere gesellschaftliche Verantwortung hinweist:
       Der Mann wurde in die Psychiatrie überstellt. Es ist eine altbekannte
       Frage: Kann ein psychisch Kranker überhaupt rassistisch sein?
       
       ## Anzeichen für Gefahr früh erkennen
       
       „Ja“, sagt die Kriminologin Britta Banneberg. Sie vermutet in einem
       [3][Zeit-Interview], dass Rassismus und insbesondere wahnhafte Störungen
       sich ungünstig beeinflussen. Die Tat werde jedoch ursächlich durch die
       Erkrankung bedingt. Gerade aus der Kombination ergebe sich eine besondere
       Feindseligkeit, so Banneberg.
       
       Es wäre falsch, [4][Menschen mit psychischen Erkrankungen] vorzuverurteilen
       oder sie grundsätzlich für unzurechnungsfähig zu halten. Betroffene können
       und müssen Verantwortung für ihr Tun übernehmen; niemand muss Straftaten
       begehen.
       
       Doch es braucht auch eine sensible und offene Gesellschaft: Nicht nur in
       Extremsituationen, sondern auch, um Anzeichen von Gefahr rechtzeitig zu
       erkennen und sich Hass und Häme präventiv entgegenzustellen.
       
       Eingreifen ist gut. [5][Zivilcourage kann vor Schlimmerem] bewahren. Und
       sie gibt dem Opfer das wichtige Gefühl, nicht unsichtbar zu sein. Das kann
       der Ohnmacht entgegenwirken. Noch besser ist es aber, schon vorher
       aufmerksam zu sein und auf diese Weise Taten zu verhindern, bevor sie
       geschehen.
       
       4 Aug 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/02/berlin-rassismus-polizei-jugendliche.html
 (DIR) [2] https://dtj-online.de/dilan-s-deutsch-tuerkin-angriff-rassismus-berlin-instagram-tiktok/
 (DIR) [3] https://www.zeit.de/wissen/2020-02/hanau-anschlaege-paranoide-schizophrenie-rechtsextrem-psychisch-krank-tobias-r-taeter
 (DIR) [4] /Psychiatrische-Versorgung-in-Bremen/!5861223
 (DIR) [5] /Antimuslimischer-Rassismus-in-Berlin/!5840479
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sean-Elias Ansa
       
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