# taz.de -- Solaranlagen in Süddeutschland: Bayern lässt sich Zeit
       
       > Von den Gebäuden, die der Freistaat besitzt, besitzen nur vier Prozent
       > eine Solaranlage. Ministerpräsident Söder muss nachrüsten, fordern
       > Petitionen.
       
 (IMG) Bild: Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses
       
       Berlin taz | Die Klimakrise macht Druck, und weil die Bundesländer bisher
       zu wenig Flächen für Windenergie vorsehen, will die Bundesregierung nun
       konkrete Vorgaben machen. Bisher nutzt zum Beispiel der Freistaat Bayern
       0,7 Prozent seiner Fläche für Windenergie – nicht so viel. Ein Papier des
       Bundeswirtschaftsministeriums sieht vor, dass es in den kommenden zehn
       Jahren 1,8 Prozent werden sollen.
       
       Obwohl es laut bayerischer Regierung keine erneuerbaren Energien zweiter
       Klasse gibt, betont [1][Ministerpräsident Markus Söder] (CSU) oft die
       Vorteile der Solarenergie und posiert vor Photovoltaikanlagen. „Bayern ist
       Sonnenland“, schreibt er dazu auf [2][Facebook]. Tatsächlich ist Bayern
       Spitzenreiter in Deutschland, wenn es um Sonnenenergie geht, aber auch da
       ist noch mehr möglich.
       
       Wie eine Anfrage der Grünen im bayerischen Landtag ergeben hat, haben von
       den 10.866 Gebäuden in Staatsbesitz nur 403 eine Photovoltaikanlage auf dem
       Dach. Etwa 100 weitere Anlagen seien in Planung, heißt es aus dem
       bayerischen Bauministerium.
       
       Das ist zu wenig, findet Evi Hierlmeier aus dem bayerischen Landshut. Der
       Staat habe eine Vorbildfunktion und müsse bei der Energiewende vorangehen,
       „damit man als Bürger auch sieht, dass es der Politik wichtig ist. Das wäre
       auch eine Motivation für andere“. Zusammen mit Annette Theißen hat sie eine
       Onlinepetition initiiert, die mehr Solarenergie auf den freistaatlichen
       Dächern fordert. Beide engagieren sich in ihrer Heimatstadt für den
       Klimaschutz und haben sich bei der Initiative „Landshut muss handeln“
       kennengelernt.
       
       ## Parkplätze mit Photovoltaiküberdachung
       
       In ihrer Petition fordern sie, dass der Freistaat, immer wenn er ein
       Gebäude errichtet, um- oder ausbaut, direkt Photovoltaikanlagen hinzufügt.
       Für die wäre nicht nur Platz auf den Dächern, sondern ebenso an geeigneten
       Fassaden.
       
       Bei Parkplätzen soll die Regierung Photovoltaiküberdachungen errichten. Der
       Boden ist dort bereits versiegelt, die Autos stehen dann im Schatten und
       Elektrofahrzeuge können die Energie direkt nutzen. Die Initiatorinnen
       stecken ein ambitioniertes Ziel: „Pro Jahr sollen mindestens 1.000 Gebäude
       nachgerüstet werden“, fordern sie.
       
       Sollte das klappen, wäre die Regierung allerdings schnell mit allen
       Gebäuden durch, die sie für geeignet hält. Zwar hat sie nach eigenen
       Angaben erst 7.800 der 10.866 Gebäude geprüft, aber von denen seien
       lediglich 1.300 für Solaranlagen geeignet.
       
       „Auf jedem Toilettenhäuschen wird es nicht gehen“, sagte der bayerische
       Bauminister Christian Bernreiter (CSU) im April. Laut einem
       Ministeriumssprecher prüfen die Bauämter die Gebäude beispielsweise darauf,
       ob Schatten, Statik oder Denkmalschutz einer Photovoltaikanlage
       entgegenstehen. Es gibt aber keinen festen Kriterienkatalog im Sinne einer
       vorgeschriebenen Liste mit abzuarbeitenden Punkten.
       
       Hierlmeier überzeugt das nicht: „Dass nur 1.300 Gebäude infrage kommen,
       nehme ich ihnen nicht ab.“ Im Landshuter Stadtrat habe sie auch schon
       gehört: „Denkmalschutz vor Klimaschutz“, aber dafür sei die[3][Klimakrise]
       zu dringlich. Für die Petition möchten sie und Theißen zunächst
       Unterschriften sammeln, erst dann wolle sie die Petition beim Landtag
       einreichen.
       
       Anders als beim Bundestag gibt es dort keine Öffentlichen Petitionen und
       keine Mindestzahl an Unterschriften. Aktuell liegen zwei Petitionen vor,
       die mehr Photovoltaikanlagen fordern. Sie wurden im April eingereicht, für
       den 21. Juni stehen sie auf der Tagesordnung des Bauausschusses im
       Bayerischen Landtag.
       
       12 Jun 2022
       
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