# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Frankreich: „Macron ist mit euch“
       
       > Frankreichs Noch-Präsident Emmanuel Macron zeigt sich in Straßburg als
       > Kämpfer für Europa. Vor der Stichwahl muss er jetzt endlich Wahlkampf
       > machen.
       
 (IMG) Bild: Macron versucht vor allem Wähler des rechten Rands in einer Charmeoffensive zu überzeugen
       
       Straßburg taz | Bevor Emmanuel Macron mit über einer Stunde Verspätung auf
       der Bühne vor dem Straßburger Münster erscheint, wird das Publikum
       platziert. Ausgestattet mit schnell übergeworfenen T-Shirts, auf denen
       „Emmanuel Macron avec vous“ („Emmanuel Macron ist mit euch“) steht, und mit
       europäischen wie französischen Fahnen, dürfen vor allem Jugendliche ganz
       nach vorne – sogar vor die Metallgitter, die Macron von den meisten anderen
       Besuchern trennen. Sie skandieren im Chor: „Der erste [Wahldurchgang], der
       zweite, und dann nochmal fünf Jahre.“
       
       Aus der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl am vergangenen
       Sonntag war der Amtsinhaber als Erstplatzierter hervorgegangen, er muss nun
       am übernächsten Sonntag in die Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine
       Le Pen. Bisher bestand Macrons Wahlkampf aus wenigen Auftritten, [1][der
       größte in einem Stadion im Pariser Vorort Nanterre]. „Macron war
       beschäftigt mit dem Krieg in der Ukraine“, begründet ein Teilnehmer den
       späten Wahlkampfeinstieg des noch amtierenden Präsidenten. Dass er nun
       gegen Le Pen antreten muss, dürfte seinen Wahlkampf-Eifer verstärken.
       
       Weshalb diese nicht gewählt werden dürfe, macht der Präsident gleich zu
       Beginn klar. Die etwa 2.000 Menschen auf dem Platz der Kathedrale begrüßt
       Macron mit: „Straßburg, elsässische Stadt, französische Stadt, europäische
       Stadt“. Le Pen wolle die EU verlassen, sagt er. Dabei sei die EU ein
       Verbund für Frieden und Stabilität: „Europa ist das, was uns vor Krisen und
       Krieg schützt“, betont Macron. Er bedankt sich bei den Zusehenden, die
       neben den europäischen und französischen auch ukrainische Fahnen fliegen
       lassen.
       
       Le Pen hatte zwar am Dienstag [2][beim französischen Rundfunksender
       FranceInter] betont, dass sie den Austritt aus der EU oder der Euro-Zone
       nicht mehr wünsche. Doch das seien Lügen, meint ein Macron-Anhänger,
       während er auf die Rede seines Wunschpräsidenten wartet.
       
       ## Macron muss nun auch linke und rechte Wählende erreichen
       
       Immer wieder rufen Gegner, aber auch Anhänger dazwischen, immer wieder geht
       Macron mit lauter Stimme und großen Gesten auf sie ein. Zu den Rechten und
       ihrem Anti-Europa-Denken zeigt er eine klare Kante, warnt: „Nationalismus
       bedeutet Krieg“. Doch auch gegenüber den Linken macht er Unterschiede
       deutlich.
       
       [3][Videos in den sozialen Medien zeigen], wie junge Menschen – einige von
       ihnen in T-Shirts, auf denen „Besteuert die Reichen“ steht – ihrem Unmut
       kundtun und dafür von Sicherheitskräften in Zivil vom Platz gezerrt werden.
       Ein Grund des Protests ist die Vermögenssteuer (ISF), die Macron vor fünf
       Jahren abschaffte. Auf einen Zwischenruf der Demonstrierenden dazu
       [4][winkt Macron prompt ab]: Das habe er nicht alleine in der Hand.
       Stattdessen dreht er seine Antwort auf Sozialpolitik im Allgemeinen: „Es
       kann ohne eine Politik der Produktivität keine soziale Politik geben.“
       
       Dabei braucht Macron sowohl die Stimmen der „gemäßigten Rechten“ als auch
       der Linken, um im zweiten Durchgang zu gewinnen. Knapp über 30 Prozent der
       Franzosen und Französinnen haben im ersten Durchgang rechts gewählt. Und
       auch der linkspopulistische Konkurrent Jean-Luc Mélenchon hat eine starke
       Basis, die keineswegs Macron zujubelt. Mélenchon gewann in Straßburg den
       ersten Durchgang: Mit über 35 Prozent Stimmenanteil erhielt er in der
       studentischen und europäisch geprägten Stadt gut fünf Prozentpunkte mehr
       als Macron.
       
       Vor der Straßburger Kathedrale ist es dunkel geworden. Erst singen Macron
       und seine Unterstützer zu geschwenkten Fahnen die französische
       Nationalhymne, dann die EU-Hymne Ode an die Freude – bei der die
       Textsicherheit rapide abnimmt. „Vive l’Europe, vive la France“,
       verabschiedet Macron sich.
       
       13 Apr 2022
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.franceinter.fr/emissions/un-candidat-face-au-7-9/un-candidat-face-au-7-9-du-mardi-12-avril-2022
 (DIR) [3] https://twitter.com/tremblay_p/status/1513946704109789187?s=20&t=SilPdMmdBf642m3vDJ3APA
 (DIR) [4] https://www.bfmtv.com/politique/la-republique-en-marche/emmanuel-macron-l-isf-n-est-pas-dans-ma-poche_VN-202204120633.html
       
       ## AUTOREN
       
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 (DIR) Lisa Schneider
       
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