# taz.de -- Kritik an Förderung für Museum: Zu viele rechte Verstrickungen
       
       > Das Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg hat Verbindungen zu extrem
       > rechten Kreisen. Trotzdem bekommt es acht Millionen Euro für einen
       > Neubau.
       
 (IMG) Bild: Ein Teil der Ausstellung zum Thema Flucht im Ostpreußischen Landesmuseum im Jahr 2018
       
       Der Architekturentwurf für den Neubau am Ostpreußischen Landesmuseum in
       Lüneburg liegt vor. Am 22. April 2024 soll das Museum damit „zum zentralen
       Erinnerungsort für Kant in Deutschland werden“, sagt Joachim Mähnert, der
       Direktor des Landesmuseums. 2016 hatte das Museum eine bedeutende Sammlung
       über den Philosophen Immanuel Kant – selbst ein Ostpreuße – übernommen.
       Acht Millionen Euro stellen der Bund und das Land zur Verfügung. Eine große
       Sache für Lüneburg – doch Verbindungen zu revisionistischen Vereinen trüben
       die Freude über die geplante Ausstellung.
       
       Das Museum gibt es schon seit 1958. Nach 1945 wurden in der Region viele
       Ostpreußen:innen ansässig. Von „Klein-Ostpreußen“ wurde gesprochen,
       heißt es auf der [1][Website des Landesmuseums]. Die Vertriebenen sollten
       ihre „kulturelle Identität“ nicht auch noch verlieren. Daher widmet sich
       das Museum der Region, die heute zu Polen und mit der Oblast Kaliningrad zu
       Russland gehört und erzählt von Wild und Wald, Bernstein und eben Kant.
       
       Das ist vermeintlich unpolitisch. Einer der Gründer, Hans-Ludwig Loeffke,
       war aber auch führender Funktionär der „Landsmannschaft Ostpreußen“. Bis in
       die 1990er-Jahre fanden revanchistische Veranstaltungen im Zusammenhang mit
       dem Museum statt, [2][Gegendemonstrationen] inklusive. Der
       Vertriebenenverband strich erst 2005 aus seiner Satzung, dass er die
       „Wiedervereinigung Ostpreußens mit ganz Deutschland“ anstrebte.
       
       Ab 2004 bemühte sich der damalige Museumsdirektor Ronny Kabus, den Einfluss
       der Vertriebenen in der Museums-Ausrichtung zurückzudrängen. Das klappte
       nur bedingt: 2005 schmiss Wilhelm von Gottberg als Vorsitzender des
       Museumsstiftungsrates Kabus raus – wegen [3][„erheblicher
       Loyalitätsprobleme“]. In den vergangenen Jahren emanzipierte sich das
       Museum jedoch und [4][überarbeitete die Ausstellung]. „Wir haben auch die
       Geschichte des Museums kritisch aufgegriffen“, sagt Direktor Mähnert.
       
       ## Die Freunde vom Jagdmuseum
       
       Trotzdem ist Gottberg bis heute mit dem Museum verbunden. Auf der
       Museumswebsite wird als „Partner“ der „Fördererkreis Ostpreußisches
       Jagdmuseum – Hans-Ludwig Loeffke Gedächtnisvereinigung e. V.“ aufgeführt.
       Gottberg ist dort stellvertretender Vorsitzender. Bis 2021 saß er zudem für
       die AfD im Bundestag.
       
       Ein Beispiel für seine Positionen: „Wir warten schon lange auf eine
       offizielle Bitte um Vergebung durch Polen, Tschechien und Russland für die
       völkermordartigen Vertreibungsverbrechen.“ Der Holocaust diene der
       „Kriminalisierung der Deutschen“. Gottberg versprach 2017 zudem, den „Kult
       der Schuld“ zu beenden.
       
       Als Partner nennt das Museum auch die Freunde des Ostpreußischen Landes-
       und Jagdmuseums. Deren Ex-Vorsitzender kam aus der völkischen „Deutschen
       Gildenschaft“. Im Vorstand sitzt ein wissenschaftlicher Kurator des
       Museums.
       
       „Diese Vereine haben bei der Ausrichtung unserer Arbeit keine Relevanz“,
       versichert Mähnert. Nur um kleine Summen würde er da mal anfragen.
       
       Torben Peters, Vorsitzender der Lüneburger Linken, sagt: „Wenn der
       rechtsradikale AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg noch immer
       organisatorisch an das Museum angebunden ist, dann ist das ein handfester
       Skandal.“ Bund und Land müssten die Förderung aussetzen, „bis das geklärt
       ist“.
       
       21 Apr 2022
       
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