# taz.de -- Flüchtlinge aus der Ukraine: Analoge Schlafplatzbörse
       
       > Auf Pappschildern bieten Freiwillige am Hauptbahnhof Berlin private
       > Unterkünfte für Flüchtlinge an. Das Land ist auf diese Hilfe dringend
       > angewiesen.
       
 (IMG) Bild: Erstmal angekommen: zwei Kinder aus der Ukraine am Donnerstag am Berliner Hauptbahnhof
       
       BERLIN taz | Bei der Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine braucht
       das Land Berlin dringend auch private Unterkünfte. „Wir sind auf alle
       angewiesen. Das ist eine Aufgabe für ganz Berlin“, sagte Stefan Strauß,
       Sprecher der Senatsverwaltung für Integration, am Donnerstag der taz. „Was
       wir gerade sehen, ist nur die Spitze einer Fluchtbewegung.“
       
       Strauß zeigte sich gleichzeitig begeistert von der großen Solidarität der
       Berliner*innen, die innerhalb weniger Tage [1][eine Ankommensstruktur an
       den Bahnhöfen] aufgebaut haben und zu Tausenden privat Schlafplätze
       anbieten – etwa über die Plattform [2][unterkunft-ukraine.de]. Allein für
       Berlin gebe es dort derzeit 10.000 bis 13.000 Angebote, sagt Jörg Richert
       vom sozialen Träger Karuna. Er koordiniert die Plattform für Berlin.
       
       Dabei zeigt auch die Art und Weise, wie Anbieter*innen und
       Hilfesuchende derzeit zueinanderfinden, [3][die Dramatik der Lage]. Denn
       die Vermittlung funktioniert noch nicht digital. Stattdessen fordert eine
       Mail vom Mittwoch Unterstützer*innen dazu auf, direkt zum Bahnhof zu
       kommen. „Am besten bringen Sie ein großes Schild mit, auf das Sie gut
       sichtbar schreiben, für wie viele Personen Sie eine Schlafmöglichkeit für
       welchen Zeitraum anbieten können“, heißt es darin.
       
       Laut Richert klappt das bisher „erstaunlich gut“: „Wir schicken alle paar
       Stunden eine Mail an rund 3.000 auf der Plattform registrierte Personen und
       bitten sie, zum Bahnhof zu kommen“, sagte er. Dort würden Sprachmittler
       beim „Matching“ helfen. „Wir brauchen jetzt das zivilgesellschaftliche
       Engangement“, so Richert. Wer helfen wolle, soll sein Angebot auf die
       Plattform stellen.
       
       ## Ankünfte nicht vorhersehbar
       
       Als der Senat sich [4][am Dienstag darauf verständigt hatte, in Berlin
       zunächst 20.000 Flüchtlinge aufzunehmen], sei die jetzige Entwicklung und
       die Dynamik der vergangenen Tage noch nicht absehbar gewesen, sagt Strauß.
       „Inzwischen gehen wir davon aus, dass die Zahlen weitersteigen.“ Das Land
       müsse ständig ad hoc reagieren. „Wir können nicht voraussehen, wie viele
       Menschen wann ankommen und wie viele einen Schlafplatz brauchen“, sagte er.
       Es [5][gebe jeweils nur Hinweise, wie viele Menschen in etwa in den Zügen
       sitzen]. Wie viele davon Flüchtlinge seien und wie viele vom Land
       untergebracht werden müssten, würde sich erst zeigen, wenn sie ankommen.
       „Teils werden Menschen am Bahnhof von Freund*innen oder Verwandten
       abgeholt. Viele reisen auch von Berlin aus weiter.“
       
       Am Mittwoch hatte das Land rund 1.700 Menschen in offizielle Unterkünfte
       vermittelt, 700 konnten in Berlin untergebracht werden, 1.000 in
       Brandenburg und weiteren Bundesländern. Am Dienstag waren es 1.400 gewesen,
       am Montag noch 350. Wie viele privat bei Bekannten oder bei hilfsbereiten
       Privatpersonen unterkommen, ist nicht erfasst.
       
       Auch Christian Lüder vom Netzwerk Berlin hilft bestätigt, dass derzeit alle
       Freiwilligenorganisationen Angebote für Schlafplätze von
       Unterstützer*innen bekämen. Außerdem entstünden ständig neue
       Vermittlungsplattformen oder entsprechende Gruppen mit Angeboten in den
       sozialen Netzwerken. Wie Hilfesuchende und Anbieter*innen
       zueinanderfänden, sei in vielen Fällen weitgehend unklar. „Es gibt auch
       problematische Angebote. Wenn ein Mann etwa explizit nach einer allein
       reisenden Frau sucht, werden wir etwas hellhörig“, sagt Lüder.
       
       Er fordert außerdem eine eigene Ankunftsstruktur für die Flüchtlinge aus
       der Ukraine. „Das Ankunftszentrum ist auf Asylsuchende ausgelegt. Für
       Ukraine-Flüchtlinge wird es ja voraussichtlich ein eigenes Verfahren
       geben.“ Die EU einigte sich am Donnerstag darauf, Ukraine-Flüchtlinge
       „schnell und unkompliziert“ aufzunehmen.
       
       3 Mar 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Fluechtlinge-aus-der-Ukraine/!5835569
 (DIR) [2] https://unterkunft-ukraine.de/
 (DIR) [3] /Protokoll-einer-Flucht-aus-der-Ukraine/!5838893
 (DIR) [4] /Ukrainische-Fluechtlinge-in-Berlin/!5835387
 (DIR) [5] /Ankunft-von-Ukraine-Fluechtlingen/!5838931
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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