# taz.de -- Liegestütze der Polizei am Mahnmal: Weder Fotospot noch Trainingsplatz
       
       > Wenn sich Touris am Holocaust-Mahnmal unverschämt verhalten, greift meist
       > die Polizei ein. Bei eigenen Kolleg:innen ist sie weniger kritisch.
       
 (IMG) Bild: Was für die einen ein Ort des Trauerns ist, ist für die anderen ein Ort des Rumturnens
       
       BERLIN taz | Berliner Polizisten haben Sport auf dem Denkmal für die
       ermordeten Jüdinnen und Juden Europas getrieben – während sie im Dienst
       waren. Auf Videoaufnahmen, die der taz vorliegen und über die [1][die B.Z.
       berichtet] hat, sind vier männliche, uniformierte Polizisten zu sehen, die
       an den dortigen Stelen Liegestütze machen.
       
       Das Holocaust-Mahnmal zieht – wohl auch wegen seiner Lage in der Nähe des
       Brandenburger Tors – viele Besucher:innen an. In Zeiten von Social
       Media wurde der Ort zunehmend zu einem beliebten Selfiespot. Da es sich
       hier aber um ein Mahnmal handelt, das an den Massenmord des zweiten
       Weltkrieges erinnert, werden Besucher:innen bei ignorantem Verhalten
       meist direkt von der Polizei zurechtgewiesen – dasselbe gilt scheinbar aber
       nicht für die Polizei selbst.
       
       Der Vorfall liegt schon etwas länger zurück, er soll sich am
       Pfingstwochenende ereignet haben. Die Beamten werden dabei vermutlich von
       ihren eigenen Kollegen gefilmt, im Video lachen und witzeln sie, außerdem
       zählen sie geschaffte Liegestütze. Ferner sind Sätze zu hören wie: „Das
       waren aber keine zehn“ und „doch, das waren zehn“. Ein anderer Kommentar
       aus dem Off weist darauf hin, dass ein Kollege fast 20 Liegestütze
       geschafft hat, dieser streitet das ab mit dem Satz: „Ich glaub', das waren
       nur 15. Weiß nicht, hab nicht gezählt.“
       
       Die Problematik ihres Tuns ist den Beamten wohl selbst bewusst, denn in
       einem der Videos ist zu hören, wie jemand „Sofort online gestellt“ sagt,
       gefolgt von einem Lachen. Eher eine scherzhafte Äußerung ohne jegliche
       Absicht, die Aufnahmen jemals an die Öffentlichkeit zu bringen. Nun sind
       sie aber genau da gelandet.
       
       ## Bedauert wird erst, wenn der Vorfall publik wird
       
       Ein Sprecher der Polizei bestätigte, dass es sich in den Videos um
       Dienstkräfte der Polizei Berlin handelt, möchte aber keine näheren Angaben
       dazu machen. Laut Informationen, die der taz vorliegen, soll es sich um
       Polizisten des Abschnitts 26 handeln, die an diesem Tag im
       Regierungsviertel eingesetzt waren.
       
       Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik entschuldigte sich und
       verurteilte die Aktion: „Das Verhalten der Kollegen ist eine Missachtung
       dessen, wofür gerade dieses Mahnmal steht.“ Die Polizeigewerkschaft
       attestierte „Nachholbedarf im Bereich politische Bildung“. Der Vorfall im
       Frühling soll weder gemeldet noch aufgearbeitet worden sein – obwohl der
       Alarmhundertschaftsführer sowie der Leiter Führungsdienst davon wussten.
       
       Offensichtlich besteht bei der Polizei Berlin nicht nur Bedarf in
       politischer Bildung. Auch das [2][Hinterfragen von Verhaltensweisen] der
       eigenen Kolleg:innen sollten Polizist:innen trainieren.
       
       1 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/berliner-polizisten-machen-liegestuetze-am-holocaust-mahnmal
 (DIR) [2] /Korpsgeist-in-Sicherheitsbehoerden/!5716251
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Shoko Bethke
       
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