# taz.de -- Münchner „Tatort“ im Klassik-Milieu: Luzides Träumen von Mord
       
       > Die „Tatort“-Kommissare Leitmayer und Batic wissen nicht, wie sie mit
       > einer Anzeige umgehen sollen. Dann starten sie Ermittlungen in der Welt
       > von Musikern.
       
 (IMG) Bild: Was nun, fragen sich Leitmayer und Batic – „Für Elise“ geht ja nicht mehr
       
       Ein Traum ist dieser neue, der inzwischen 87. Fall des bewährten
       [1][Münchner Ermittlerteams Franz Leitmayer (Udo Wachtveitl)] und Ivo Batic
       (Miroslav Nemec) in der Tat nicht; eventuell ist es auch nicht mal ein
       richtiger Kriminalfall.
       
       Die junge Geigerin Marina Eeden (Jara Bihler) kommt völlig außer sich auf
       die Polizeiwache und berichtet, dass sie eventuell ihre beste Freundin, die
       ebenfalls aufstrebende Violinistin Lucy Castaneda (Dorothee Neff)
       umgebracht habe; ganz sicher sei sie sich da aber nicht, eventuell habe sie
       das auch nur geträumt, da sie eine [2][luzide Träumerin] sei.
       
       Ebenfalls nicht ganz sicher, was sie nun damit anfangen sollen,
       entschließen sich die Kommissare am Ende doch dazu, den Hinweisen von
       Marina nachzugehen, und beginnen mit ihren Ermittlungen in der
       unbarmherzigen Welt der Berufsmusiker*innen in klassischen
       Orchestern. In diesem Fall dient das Münchner Rundfunkorchester mit seinem
       Dirigenten Ivan Repušić als Kronzeuge vor der Kamera.
       
       Freunde hat man hier keine, Leistung ist alles, was zählt. Klar also, dass
       der aufstiegswillige Nachwuchs im Kampf um die besten Jobs ohne Skrupel
       gegeneinander intrigiert und vor unlauteren Methoden zur
       Leistungssteigerung nicht zurückschreckt. Das Zwischenmenschliche bleibt
       dabei selbstredend auf der Strecke.
       
       ## Technik der Traumsteuerung
       
       Schlaf ist das Hauptthema dieses Tatorts. Während Batic sichtlich übermüdet
       ist und von der Arbeit aufgefressen wird, übt der Orchester- und
       Turnnachwuchs in einem Schlafinstitut das luzide Träumen, um die eigene
       Performance durch diese Technik der Traumsteuerung noch weiter in die Höhe
       zu treiben.
       
       Doch wirklich glücklich ist in diesem Zeltlager für Hochbegabte niemand,
       besonders nicht Lucy. Sie kommt aus einer ruhmreichen Geigerfamilie, die
       depressive, begabte Mutter nahm sich früh das Leben, ihr Vater kümmerte
       sich lieber um Karriere statt ums Kind; seine Welttourneen hatten und haben
       stets Vorrang. Lucys Welt besteht aus [3][Druck, Druck und nochmals Druck].
       Wir sehen jungen Menschen dabei zu, wie sie über dem Wissen, bedingungslos
       Leistung bringen zu müssen, zunehmend verzweifeln. Zudem stellt sich die
       Frage, ob ein Platz in solch einer Schlangengrube überhaupt erstrebenswert
       ist.
       
       Der Weg zum luzide-befreienden Ende dieses Films ist stellenweise zäh, aber
       immer sehr hörenswert orchestriert. Nicht zuletzt bleibt die Erkenntnis:
       Datteln und Joghurt helfen, wenn einem das Schlafen schwerfällt.
       
       7 Nov 2021
       
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 (DIR) Almuth Müller
       
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