# taz.de -- Nachrichten zur Regierungsbildung: Laschet will Wüst als Nachfolger
       
       > Kurze Statements nach Sondierungen von Grünen und Union.
       > Noch-Ministerpräsident Armin Laschet will Hendrik Wüst als seinen
       > Nachfolger in NRW vorschlagen.
       
 (IMG) Bild: Gilt als Favorit für Laschets Nachfolge in Düsseldorf: CDU-Mann Hendrik Wüst
       
       ## Verhaltene Statements von Union und Grüne
       
       Nach dem ersten Vorgespräch von CDU/CSU und den Grünen über die Bildung
       einer Jamaika-Koalition treten die vier Parteichefs am Berliner
       Euref-Campus vor die Presse: CDU-Chef Armin Laschet berichtet über einen
       „guten Austausch“ mit den Grünen. „Wir glauben, dass ein solches Bündnis
       eine Breite in der Gesellschaft hat“, sagt Laschet nach Sondierungen mit
       den Grünen. Die Union sei bereit für ein solches Bündnis.
       
       Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock sagt, die Gespräche seien „konstruktiv
       und sachlich“ gewesen und geprägt von „Ernsthaftigkeit“. Es seien
       Differenzen deutlich geworden, genauso wie gemeinsame Anliegen wie die
       Modernisierung des Landes.
       
       CSU-Chef Markus Söder signalisiert Interesse an weiteren Gesprächen mit den
       Grünen. Man habe viele Gemeinsamkeiten gefunden, vor allem beim
       Klima-Thema, sagt der CSU-Chef. Es gebe auch Differenzen, etwa bei der
       Migration. Bei gutem Willen gebe es große Chancen, „solch ein Gespräch
       fortzusetzen“, fügt er hinzu.
       
       Grünen-Co-Chef Robert Habeck sagt, seine Partei und die FDP würden nun die
       Gespräche in den Gremien jeweils bewerten und dann über das weitere
       Vorgehen entscheiden. Die Gespräche mit der Union nennt er „intensiv und
       konzentriert“. Es seien „mögliche Schnittmengen ausgelotet“ worden, aber
       auch Trennendes.
       
       ## Laschet will Wüst als Nachfolger in NRW vorschlagen
       
       Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet will den
       amtierenden Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (beide CDU) als seinen
       Nachfolger vorschlagen. Laschet will den 46-Jährigen dem CDU-Vorstand am
       Dienstag sowohl für das Amt des Ministerpräsidenten als auch für den
       Landesvorsitz seiner Partei empfehlen, wie die Nachrichtenagentur AFP aus
       Kreisen der die Landesregierung tragenden Fraktionen erfuhr. Wüst wurde
       seit Wochen als Favorit für die Nachfolge gehandelt.
       
       Am späten Nachmittag soll der Vorstand per Videokonferenz zu einer
       Sondersitzung zusammenkommen. Über Laschets Personalvorschlag soll die
       CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag im Anschluss in einer Sitzung
       informiert werden.
       
       Laschet, der bei der Bundestagswahl nicht für ein Direktmandat kandidierte,
       wird über die Landesliste seiner Partei in den neuen Bundestag einziehen.
       Sein Amt als NRW-Ministerpräsident muss er dann niederlegen, weil die
       Mitgliedschaft in einer Landesregierung und im Bundestag nicht miteinander
       vereinbar sind.
       
       Die Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen sieht vor, dass der
       Ministerpräsident oder die Ministerpräsident über ein Mandat im
       Düsseldorfer Landtag verfügen muss.
       
       Der 46 Jahre alte Wüst ist Landtagsabgeordneter. Ein Landtagsmandat ist
       Voraussetzung für die Wahl zum Ministerpräsidenten. Die ebenfalls als
       Anwärterin für die Laschet-Nachfolge geltende Bauministerin Ina
       Scharrenbach hat dagegen kein Landtagsmandat. (afp/dpa)
       
       ## Grüne wollen rasch über Koalition entscheiden
       
       Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner stellt eine rasche
       Entscheidung über Sondierungsgespräche über eine Ampel- oder eine
       Jamaika-Koalition in Aussicht. „Ich bin optimistisch, dass wir einen großen
       Schritt vorankommen diese Woche“, sagt er RTL/ntv. Er sei auch
       zuversichtlich, dass sich Grüne und FDP auf eine gemeinsame Lösung
       verständigen würden. Die Grünen seien für zügige Sondierungen und
       anschließend gründliche Koalitionsverhandlungen.
       
       Vor dem Gespräch von Union und Grünen betont Kellner, es gebe große
       Unterschiede in der Gesellschaftspolitik, in sozialen Fragen und bei
       Migration. Genauso sei es beim Klimaschutz. Ab 11 Uhr wollen Union und
       Grüne in Berlin ausloten, ob es doch für eine Koalition reichen könnte.
       (rtr)
       
       ## FDP kritisiert Indiskretion der Union
       
       FDP-Parteivize Johannes Vogel hat der Union nach den Gesprächen über eine
       Regierungsbildung einen Bruch der vereinbarten Vertraulichkeit vorgeworfen.
       „Es gab vergangenes Wochenende drei Sondierungsgespräche, an denen ich für
       die FDP auch teilgenommen habe. Aus zweien liest und hört man nix. Aus
       einem werden angebliche Gesprächsinhalte an die Medien durchgestochen“,
       schrieb Vogel am Montag auf Twitter. „Das fällt auf, liebe Union – und es
       nervt!“
       
       Die Bundestagsabgeordnete Sandra Weeser, Beisitzerin im FDP-Bundesvorstand,
       wurde plastischer und versah Punkte in den jeweiligen Parteifarben fast
       allesamt mit dem Wort „Stille“. Nur zur Sondierung von Gelb und Schwarz am
       Sonntag schrieb sie: „Bild-Zeitung. Wie soll so Vertrauen für eine
       Zusammenarbeit entstehen? CDU.“ Die FDP hatte wiederholt bekräftigt, Fehler
       wie bei den gescheiterten Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition im Jahr
       2017 sollten diesmal verhindert werden. (dpa)
       
       ## Sondierungsgespräch zwischen Union und Grüne
       
       Union und Grüne loten am Dienstag in einem Sondierungsgespräch
       Möglichkeiten für eine Regierungszusammenarbeit aus. Das Treffen bildet den
       Abschluss der ersten bilateralen Gesprächsrunden zwischen den Parteien, die
       für eine Regierungsbildung in Frage kommen. Die Grünen nehmen mit ihrem
       zehnköpfigen Verhandlungsteam daran teil, die CDU ist ebenfalls mit zehn
       und die CSU mit fünf Unterhändlern vertreten.
       
       Zuvor hatte es bereits in verschiedenen anderen Konstellationen
       Zweiergespräche zwischen Union, SPD, Grünen und FDP gegeben.
       SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil will nach den getrennten Sondierungen
       baldige Dreiergespräche mit Grünen und FDP führen; auch [1][die Grünen
       präferieren eine Ampel-Koalition]. Das Wahlergebnis lässt zudem ein
       unionsgeführtes Jamaika-Bündnis zu, rechnerisch auch eine SPD-geführte
       große Koalition. (afp)
       
       ## Trittin sieht „große inhaltliche Unterschiede“ zur Union
       
       Vor den Sondierungsgesprächen mit [2][der Union] verweist der
       Grünen-Politiker Jürgen Trittin auf „große inhaltliche Unterschiede“
       zwischen den Parteien. Im Mittelpunkt jeder Frage einer
       Regierungsbeteiligung stehe für die Grünen, beim Klimaschutz Deutschland
       „zügig auf den 1,5-Grad-Pfad“ zu bringen, sagt er im Deutschlandfunk. Dazu
       gehöre unter anderem ein früherer Ausstieg aus der Kohle.
       
       Deutliche Unterschiede bestünden aber auch in der Flüchtlingspolitik, der
       Frage der Atomwaffen in Deutschland, der sozialen Sicherheit. „Der
       entscheidende Punkt am heutigen Tag wird sein, ob eigentlich die CDU
       willens und fähig ist, überhaupt solche Verhandlungen und entsprechende
       Vereinbarungen zu treffen. Da höre ich aus der Union (…) doch sehr, sehr
       Unterschiedliches.“ Einen monatelangen Klärungsprozess könne sich
       Deutschland nicht leisten.
       
       5 Oct 2021
       
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