# taz.de -- Verleihung des Deutschen Filmpreises: Wieder ein richtiges Fest
       
       > Bei der Gala zum 71. Deutschen Filmpreis räumen „Ich bin dein Mensch“ und
       > „Tides“ ab. Doris Dörrie schießt ein Pfeilchen gegen #allesaufdentisch.
       
 (IMG) Bild: „Beste Weibliche Hauptrolle“: Maren Eggert bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2021
       
       Aus den Tiefen verdrängter Erinnerungen schwappt bei einigen Menschen in
       schwachen Momenten zuweilen der Song „Geil“ von Bruce & Bongo an die
       Oberfläche: „Everybody’s geil, g-g-g-g-geil, Boris is geil, g-g-g-g-geil“.
       
       So ein schwacher Moment deutete sich am Freitagabend an, als bei der
       Verleihung des Deutschen Filmpreises im Berliner Palais am Funkturm eine
       Tänzergruppe in 90er-Jahre-Musical-Outfits um den Moderator Daniel Donskoy
       herumtanzte und mit ihm „Kino ist geil, Kino ist König“ sang. Dabei haben
       sie durchaus recht: Kino ist geil, g-g-g-g-geil. Nur kriegt man solchen
       Unterhaltungseinlagen, so satirisch sie auch gemeint sind, einfach den
       „Musik ist Trumpf“-Geruch nie ganz ausgetrieben.
       
       Aber abgesehen von den ein bisschen zwischen Grips Theater und dessen
       Parodie schwankenden Showacts lief alles smooth beim 71. Kinofest, das dank
       3G tatsächlich wieder ein richtiges Fest war, mit richtigen Leuten,
       richtigen Getränken, richtigem Applaus und Appellen in die richtige
       Richtung: Über Diversity rappte und sang Donskoy gemeinsam mit Eunique,
       später tauschten Donskoy und Sabin Tambrea Filmküsse. Ob es auch die
       richtigen Filme waren, die von den Akademiemitgliedern ausgezeichnet
       wurden, darüber herrschte wie üblich kein wirklicher Konsens.
       
       Mit vier Preisen (Bester Film, Regie, Drehbuch, weibliche Hauptrolle) für
       die von Maria Schrader inszenierte und von Jan Schomburg geschriebene kluge
       [1][Komödie „Ich bin dein Mensch“], in der eine Wissenschaftlerin mit einem
       tangotanzenden Androiden zusammenleben muss, obwohl ihr seine Perfektion
       mächtig auf den Zeiger geht, und mit der Lola in Silber und für Kamera und
       Schnitt für Dominic Grafs radikale [2][Kästner-Adaption „Fabian“] traf es
       jedenfalls schöne Filme, die gemeinsam mehr Bandbreite boten, als es die
       nominierten Werke normalerweise tun.
       
       ## Alle reinjagen ins Dunkel
       
       Und das ist gerade am wichtigsten, siehe „Kino ist geil“: alle irgendwie
       reinjagen ins Dunkel der Spielstätte, egal welche Vorlieben vorherrschen.
       Er habe als Kind in den 70ern einen Hundert-D-Mark-Schein aus der
       Gaststätte seiner Eltern stibitzt, erzählte später der Gewinner der Lola
       für den besten Schauspieler, Oliver Masucci (für „Enfant Terrible“), in
       seiner Dankesrede, und habe die Moneten für Kino auf den Kopf gehauen, eine
       Vorstellung eins-fünfzig. Der Diebstahl war gut angelegt. Kein Mundraub,
       sondern Hirnraub.
       
       Mit vier Lolas (Musik, Szenenbild, Maske, visuelle Effekte) wurde auch
       [3][„Tides“, Tim Fehlbaums dystopischer Genrefilm,] ausgezeichnet – alle
       berechtigt. Dass der Film trotz großer Bilder und Lorenz Dangels
       vielschichtigem Score dennoch nicht zündet, liegt an der einerseits zu
       dünnen, andererseits überfrachteten Story: Eine aus der Weltraumkolonie
       Kepler stammende Frau landet auf der Erde, die vor Jahrzehnten verlassen
       wurde, und findet dort wilde, Esperanto sprechende „Muds“ und eine sich als
       höherentwickelt bezeichnende Gruppe vor.
       
       Zu „Planet der Affen“-, „Waterworld“-, „Mad Max“- und „Apocalypse
       2024“-Motiven gesellt sich mit der Idee der Unfruchtbarkeit der
       Kepler-Frauen auch noch „Children of Men“-Thematik.
       
       Laudatorin Doris Dörrie schoss ein Pfeilchen gegen [4][#allesaufdentisch],
       und „Herr Bachmann“ erzählte beim Preis für den Besten Dokumentarfilm, dass
       es in seiner Ex-Schule jetzt eine Herr-Bachmann-AG gebe. Man vermisste den
       Mann mit der Strickmütze später bei der Party auf der Tanzfläche. Aber
       vermutlich wurde ihm einfach zu wenig ACDC aufgelegt.
       
       3 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.ichbindeinmensch.de/
 (DIR) [2] https://www.ndr.de/kultur/film/videos/Trailer-Fabian-oder-Der-Gang-vor-die-Hunde-von-Dominik-Graf,fabianfilm102.html
 (DIR) [3] https://vegafilm.com/titel/tides-2021/
 (DIR) [4] /Prominente-gegen-Coronapolitik/!5802821
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Zylka
       
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