# taz.de -- Derby HSV gegen Werder Bremen: Die Liga des alten weißen Mannes
       
       > Der HSV siegt in der zweiten Liga der Herren gegen Werder. Die
       > Millennials feiern indessen Bayern gegen Bochum ab.
       
 (IMG) Bild: Auch ein feiernder alter Mann, aber beruflich dort: HSV-Trainer Tim Walter
       
       Wird jetzt alles wieder gut? Sind die Traumata von 2009, Stichwort
       Papierkugel, die drei bitteren Halbfinalspiele damals gegen den SV Werder,
       alle innerhalb von wenigen Wochen, alle unter dem Strich verloren, diese
       drei Spiele, die letztlich [1][auch den langen Abstieg für die Hamburger
       eingeleitet haben], jetzt endlich getilgt? Führt der Weg für den armen HSV
       also endlich wieder nach oben? Nein, so weit würde ich nicht gehen.
       
       Das erste Weser-Elbe-Derby in der Geschichte, das in Liga 2 stattfinden
       musste, ist an den HSV gegangen, einerseits verdient mit 2:0, andererseits
       hätte es mit anderen Schiri-Entscheidungen auch ganz anders ausgehen
       können. Das Spiel vom Samstag war eines, das Spitz auf Knopf stand und wo
       die etwas abgebrühtere Mannschaft erstaunlicherweise gewonnen hat. Und das
       sogar auswärts. Ein vielleicht Signale aussendendes, aber noch kein
       entscheidendes Spiel.
       
       Die Saison ist nämlich noch jung, beim FC Schalke hat der HSV auch gewonnen
       und lag in der Tabelle trotzdem auf einem Mittelfeldrang vor diesem
       Samstag. Auch der SV Werder, zuletzt erfolgreicher unterwegs, wird sich
       schütteln und weitermachen können, entschieden ist noch lange nichts. Auch
       hat der HSV bekanntlich seine ersten Zweitliga-Derbys gegen den FC St.
       Pauli gewonnen und hinkt gegen den Rivalen aus der eigenen Stadt nun schon
       länger hinterher.
       
       Insgesamt wird die alles entscheidende Frage sein, welcher der ehemaligen
       Großklubs – zählt man Schalke und vielleicht Nürnberg und Dresden noch dazu
       – es am Ende schaffen kann, ins Oberhaus zurückzukehren, und wer nicht. Und
       warum beziehungsweise warum nicht. Zählt der Zukauf, der zum Beispiel in
       Person von Mitchell Weiser erst sehr gut ist, dann bei der Regelerklärung
       von Freistößen geschlafen hat, also eine Söldnertruppe mit „Erfahrenen“,
       oder zählt die Kompaktheit, die mannschaftliche Geschlossenheit, die
       Mannschaften wie Fürth sogar ganz nach oben gebracht haben, auf Wiedersehen
       im nächsten Jahr?
       
       ## Die Milennials bejubeln Bayern gegen Bochum
       
       All diese Entscheidungen fallen über alle Spiele hinweg – und eben nicht
       nur in den vermeintlichen Klassikern. Während Werder und Schalke zurzeit
       zum Beispiel den Eindruck machen, als wären sie noch in der Findungsphase,
       die auch einmal mehrere Spielzeiten dauern kann, ist der HSV zumindest
       aktuell dabei, ein gutes Zweitligateam zu bauen, also endlich in der
       Realität angekommen zu sein und Geduld zu zeigen. Ob das am Ende aber
       tatsächlich reicht?
       
       Das Topspiel des Fußball-Wochenendes [2][war also ein Spiel aus der 2.
       Liga]. Es fand am späten Samstagabend (20.30 Uhr, wo bleibt die
       Faninitiative gegen diese Uhrzeit?) vor prächtiger Kulisse statt und hatte
       alles zu bieten, was ein Topspiel bieten können muss: knifflige
       Schiedsrichterentscheidungen, einen Haufen ungenutzter Großchancen, ein
       umkämpftes Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe, ansehnliche
       Taktikmanöver, wunderschön herausgespielte Tore. Mag sein, dass Liga 2 die
       Liga des alten, weißen Mannes ist, während die neoliberal abgebrühten
       Millennials sich über Bayerns 7:0 gegen den VfL Bochum (die waren ein Tor
       besser als Schalke letztes Jahr) freuen können, als ob es in den frühen
       Achtzigern (ja, Opa erzählt vom Krieg) nicht schon ähnliche Ergebnisse
       gegeben hat, als die Unterschiede zwischen oben und unten nämlich auch
       schon mal so riesig waren.
       
       Bayern gegen Bochum, who cares. Was waren noch mal die anderen Partien?
       Wie gingen sie, gähn, aus? Die Liga des alten, weißen Mannes hat leider
       [3][die besseren Klubs und bietet die höhere Spannung] als das monetär
       schwindlig gepamperte Oberhaus. Auch wenn, oder vielleicht sogar gerade
       weil!, Jahn Regensburg dort an der Spitze steht. Ein Underdog führt die
       Tabelle an! Wann gab es das zuletzt in Liga 1? Nächste Woche steht gleich
       das nächste Spitzenspiel an. Da empfängt der HSV als Vierter den Zweiten
       aus Nürnberg.
       
       19 Sep 2021
       
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