# taz.de -- HSV gewinnt Zweitliga-Derby in Bremen: Oldies vermasseln es bei Werder
       
       > In einem hitzigen Kampfspiel mit zwei Platzverweisen gewinnt der HSV das
       > erste Derby bei Werder Bremen in der 2. Liga verdient mit 2:0.
       
 (IMG) Bild: Torschütze nach 80 Sekunden: Bakery Jatta und David Kinsombi freuen sich mit Robert Glatzel
       
       Bremen taz | Wenn es noch eines Beweises für die Prinzipientreue aktiver
       Fußballfans bedurft hätte – das 137. Nordderby zwischen dem HSV und Werder
       Bremen lieferte ihn. Die Ultras beider Seiten, die [1][erst wieder aktiv
       werden wollen], wenn Stadionbesuche wieder ohne coronabedingte
       Beschränkungen möglich sind, hielten auch am Samstag an der selbst
       auferlegten Enthaltsamkeit fest und organisierten weder vor noch während
       oder nach dem Spiel einen Support.
       
       Dabei war der mediale Hype im Vorfeld so groß gewesen wie selten zuvor.
       Immerhin war es nicht nur das erste Nordderby zwischen den beiden
       Traditionsclubs seit dreieinhalb Jahren, sondern das erste überhaupt in der
       2. Liga.
       
       Dass man auch in unorganisierter Form eine hitzige Stadionatmosphäre
       erzeugen kann, bewiesen die 21.000 Zuschauer:innen, darunter gut 1.000
       Gästefans, von Beginn an. Auf dem Platz war allerdings nur ein Team schon
       beim Anstoß auf Betriebstemperatur. Die Hamburger waren offenbar immer noch
       so beflügelt vom Sieg in letzter Sekunde gegen den SV Sandhausen, dass sie
       sofort unwiderstehlich nach vorn spielten. Torjäger Robert Glatzel schloss
       schon nach 79 Sekunden eine schöne Kombination mit einem Kopfball-Treffer
       ab. Als Torwart Michael Zetterer den Ball aus dem Netz holte, war das die
       erste Ballberührung der Bremer überhaupt.
       
       „Man hat gemerkt, dass es für die jungen Kerle schwierig war, direkt im
       Spiel drin zu sein“, sagte Trainer Markus Anfang später über seine
       Mannschaft. Allein am Alter kann es jedoch nicht gelegen haben, denn nur
       der HSV hat in der 2. Liga ein noch jüngeres Team – und das behielt die
       Lage bis weit in die erste Halbzeit im Griff. Auf Bremer Seite machten dann
       gerade die erfahrenen Spieler die Fehler, mit denen die Mannschaft sich
       letztlich selbst schlug.
       
       ## Regelkunde mangelhaft
       
       In der 29. Minute versuchte Werders 32-jähriger Kapitän Christian Groß mit
       einer Grätsche, HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes so übermotiviert den
       Ball abzujagen, dass Schiedsrichter Sascha Stegemann keine andere Wahl
       hatte, als ihn vom Platz zu schicken. Als dann der neue Torjäger Marvin
       Ducksch mit einem platzierten Freistoß in Unterzahl den Ausgleich erzielt
       zu haben schien, war es Rechtsverteidiger Mitchell Weiser (27), der gegen
       eine seit 2019 bestehende Regel verstoßen hatte: Er hatte sich
       verbotenerweise in die Mauer gestellt.
       
       Schließlich versagten dem eingewechselten Niclas Füllkrug (28) in der 2.
       Halbzeit bei zwei Großchancen die Nerven. Zu dem Zeitpunkt war auch der HSV
       nach dem Platzverweis von Sebastian Schonlau schon dezimiert und nicht nur
       Ducksch war überzeugt: „Ein Tor, dann kocht hier alles.“
       
       Die Stimmung gegen Schiedsrichter Stegemann war bereits zur Halbzeit kurz
       vor dem Überkochen, nachdem er zuerst ein Foulspiel im Strafraum an Ducksch
       durchgehen lassen und dann dessen Freistoß zurückgepfiffen hatte.
       Stadionsprecher Arnd Zeigler klärte in der Pause die Zuschauer:innen
       über die Regelverletzung auf und beruhigte die Lage damit etwas.
       
       Ein Tor gelang den Bremern nicht mehr, weil sie entweder zu überhastet
       abschlossen oder HSV-Keeper Heuer Fernandez glänzend parierte. Spielmacher
       Niklas Schmidt, der Bremer Senkrechtstarter der Saison, bemühte sich zwar,
       Struktur in die Angriffsbemühungen zu bringen, aber die guten spielerischen
       Ansätze blieben zu oft unvollendet.
       
       Nicht ohne Grund hat Trainer Markus Anfang der neu zusammengestellten
       Mannschaft Wiederaufbau statt Wiederaufstieg verordnet. „Niemand sollte von
       diesem neuen Team den direkten Wiederaufstieg verlangen! Aber wir alle
       sollten sie darin unterstützen, darum mit aller Leidenschaft zu kämpfen“,
       sagt auch der scheidende Aufsichtsratschef Marco Bode.
       
       Der HSV war über 90 Minuten die reifere und eingespieltere von zwei
       Mannschaften, die Werbung für kampfstarken und offensiven Zweitliga-Fußball
       machten.
       
       19 Sep 2021
       
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