# taz.de -- Automesse IAA in München: Nicht mehr der richtige Gegner
       
       > An der Autoindustrie gibt es viel zu bemängeln. Aber die
       > Kritiker*innen sollten auch zur Kenntnis nehmen, wie viel sie mit
       > ihrem Protest schon erreicht haben.
       
 (IMG) Bild: Es geht nicht mehr nur ums Auto: Fahrradteststrecke auf der diesjährigen IAA in München
       
       [1][Die Kritiker*innen der IAA] können stolz sein: Mit den Protesten
       gegen die Automesse haben sie erfolgreich dafür gesorgt, dass die schlechte
       Klimabilanz des Verkehrs die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient: Der
       CO2-Ausstoß ist in diesem Sektor in den letzten zehn Jahren trotz
       technischer Fortschritte nicht gesunken, weil immer mehr und [2][immer
       größere Autos auf den Straßen] unterwegs sind. In den Städten muss jeder
       zusätzliche Meter Radweg oder Busspur mühsam gegen die Autolobby
       durchgekämpft werden. Und noch immer fließt der Großteil der öffentlichen
       Verkehrsinvestitionen in die Straße.
       
       Zugleich wird in diesem Jahr aber deutlich, [3][dass die IAA selbst nicht
       mehr unbedingt der richtige Gegner ist.] Denn tatsächlich hat sich mit dem
       Umzug nach München dort mehr verändert als der Austragungsort: Es geht auf
       der IAA nicht mehr nur um Autos: Fahrräder und neue Sharing-Modelle nehmen
       breiten Raum ein. Und die Autos, die präsentiert werden, sind zum
       überwiegenden Teil Elektroautos. Und zwar anders als in der Vergangenheit
       nicht nur Prototypen, die es nie auf die Straße schaffen, sondern Modelle,
       die es tatsächlich auch zu kaufen gibt.
       
       Natürlich ist die Messe nicht repräsentativ für die Realität, in der die
       Konzerne derzeit vor allem große, fossil angetriebene Fahrzeuge verkaufen.
       Aber die Richtung, in die sich die Branche bewegt, ist klar und richtig –
       und dass Autokonzerne sich völlig vom Automobilbau verabschieden, wie
       manche Kritiker*innen zu erwarten scheinen, ist eine wenig realistische
       Vorstellung.
       
       Der richtig Ansprechpartner für die Kritik sind darum inzwischen weniger
       der Hersteller als die Politik. Denn dort geht das Umdenken deutlich
       langsamer vonstatten. Während die meisten Konzerne längst verstanden haben,
       dass die Zukunft des Pkws rein elektrisch sein wird, redet man vor allem in
       Union und FDP weiter von „Technologieoffenheit“ und synthetischen
       Kraftstoffe, um am Verbrennungsmotor festzuhalten. Und während Tempolimit
       und weniger Autos in den Innenstädten in der Politik teils noch auf
       heftigen Widerstand stoßen, erklärt der VW-Chef in München, mit beidem kein
       Problem zu haben.
       
       Es gibt verkehrspolitisch also noch viel zu tun. Die IAA ist in diesem Jahr
       aber eher ein Beispiel dafür, was schon erreicht wurde.
       
       11 Sep 2021
       
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 (DIR) Malte Kreutzfeldt
       
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