# taz.de -- EU-Gesetz zur Klimaneutralität: Der Ehrgeiz hält sich in Grenzen
       
       > Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert ein neues
       > Naturschutzgesetz der Europäischen Union. Deren Politik reiche bei Weitem
       > nicht aus.
       
 (IMG) Bild: Die EU engagiert sich laut Greenpeace nicht ausreichend für den Schutz der Wälder
       
       Brüssel taz | Die Europäische Union tut immer noch nicht genug für den
       Schutz der Wälder vor kommerzieller Abholzung – und Besserung ist nicht in
       Sicht. Dies geht aus Vorarbeiten für ein neues EU-Gesetz vor, die der taz
       vorliegen. Das Gesetz, das im Dezember vorgelegt werden soll, ist Teil des
       „[1][European Green Deal]“ zur Klimaneutralität. Es soll verhindern, dass
       importierte Agrarprodukte etwa aus dem Amazonasgebiet in Brasilien zu
       [2][Waldzerstörung] beitragen.
       
       Das öffentliche Interesse an dem Thema ist riesig: An einer Onlinebefragung
       zu dem Gesetzesvorhaben wurden fast 1,2 Millionen Beiträge eingereicht, wie
       es in dem geleakten Dokument heißt. Die überwältigende Mehrheit der
       Teilnehmer habe die Meinung vertreten, dass die EU mehr für den Schutz der
       Wälder tun könnte – nicht nur in Europa, sondern weltweit. Genau das soll
       das geplante EU-Gesetz „zur Minimierung der Entwaldungsrisiken“ leisten.
       
       Die nun bekannt gewordenen Dokumente lassen jedoch wenig Ehrgeiz erkennen.
       So werden Ökosysteme wie Savannen oder Moore in dem Entwurf erst gar nicht
       erfasst. Zudem soll das geplante Gesetz offenbar nicht für viel begehrte
       Agrarprodukte wie Leder, Kautschuk, Mais, Schweine- und Hühnerfleisch
       greifen. Dabei werden auch für diese in die EU importierten Waren in
       anderen Teilen der Welt Wälder vernichtet – genau wie für Rindfleisch und
       Kakao.
       
       Der Entwurf bleibe weit hinter den Erwartungen zurück und müsse dringend
       nachgebessert werden, heißt es bei den EU-Watchern von Greenpeace. „Die EU
       könnte sich jetzt durchringen, weltweiter Naturzerstörung konsequent
       entgegenzutreten“, sagte Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace, der
       taz. „Doch sie nutzt diese Gelegenheit nicht. Der Konsum Europas wird so
       weiterhin wichtige Naturräume auf der ganzen Welt zerstören.“
       
       Aus Sicht der Umweltschützerinnen und Umweltschützer ist es bereits die
       zweite verpasste Chance innerhalb weniger Monate. Auch die
       EU-Waldstrategie, die im Juli in Brüssel vorgelegt wurde, ist aus Sicht der
       Aktivisten zu lasch. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)
       habe es versäumt, sich für ein echtes Waldschutzgesetz auf EU-Ebene
       einzusetzen, kritisiert Greenpeace-Expertin Jürgens. Nun müsse die nächste
       Bundesregierung für eine bessere Regulierung kämpfen. Nach einer Studie der
       größten internationalen Naturschutzorganisation WWF ist die EU weltweit der
       zweitgrößte Importeur von Agrarprodukten, die zu Entwaldung führen – nach
       China.
       
       14 Sep 2021
       
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