# taz.de -- Auswanderermuseum eröffnet neu: Einwanderer museumsreif
       
       > Migrationsgeschichte insgesamt: Das Auswandererhaus Bremerhaven eröffnet
       > neu.
       
 (IMG) Bild: Bildhaft: An der neuen Museumsfassade hängen Portraits von Ein- und Auswanderern
       
       Berlin taz | Diese kleine Großstadt zwischen Weser, Nordsee und
       angrenzenden Mooren ist ja nicht gerade der Hotspot des zeitgenössischen
       Geschehens gleich welcher Art: Bremerhaven? Eine No-go-Area für alle, die
       noch was im Leben wollen, hieß es.
       
       Das hat sich inzwischen geändert. Okay, einst blühten Schiffs- und
       Fischindustrie, prägten diese marine Ansiedlung, brachten so etwas wie
       Wohlstand. Außerdem war diese Stadt der erste deutsche Flecken, den die
       Rock-’n’-Roll-Legende Elvis Presley am 1. Oktober 1958 sah, als er seinen
       Militärdienst antrat.
       
       Lange ist das her, sehr lange – aber Bremerhaven hat offenkundig viel
       getan, um sich wieder ins Gespräch zu bringen, und dazu gehört unbedingt
       das Deutsche Auswandererhaus direkt an der Weser, hübsch gelegen im
       Hafenviertel mit seinem auch bei Kindern beliebten Klimahaus, auch nah am
       wegen eines [1][schwulen Pinguinelternpaares] mal über die Stadt hinaus
       bekannt gewordenen Zoos: Dieses Auswanderer- ist auch ein Einwandererhaus –
       und es wird am Samstag wiedereröffnet, „feierlich“, wie es heißt.
       
       Und zwar [2][mit einem neuen, hellen Gebäude], das auf 3.340 Quadratmetern
       eine neue Dauerausstellung zeigt. Alles ist neu geordnet, angerichtet – wer
       am Sonntag, wenn alles auch für das Publikum geöffnet ist, hingeht, wird
       die letzten Spuren der handwerkerischen Leistungen fast noch riechen
       können.
       
       ## Antirassitischer Blick
       
       Alles in letzter Minute: Das deutet auf intensive Arbeit hin. Um
       Migrationsgeschichte insgesamt geht es, der der Deutschen in die USA, nach
       Lateinamerika und sonst wohin, aber eben auch und besonders stark
       antirassistisch orientiert, im Hinblick auf alle Menschen, für die
       Deutschland zur neuen Heimat wurde.
       
       Man kann viele von ihnen auch hören: Menschen, die den Kurator*innen
       des neuen Deutschen Auswandererhauses ein Oral-History-Gespräch wert waren
       – und deren Geschichten sind wie so oft spannend und berührend. Viele neue
       Objekte wurden gesammelt und zur Ausstellung gebracht, etwa eine Kollektion
       von Kinderwagen.
       
       In einem Raum, der „Critical Thinking Station“ heißt, werden die Debatten
       der vergangenen Jahrzehnte um Migration nachgezeichnet, auch die
       buchstäblich unselige Aktion der CDU gegen die migrationsfreundliche
       Politik der rot-grünen Bundesregierung 1998.
       
       Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sagt nun zum neuen
       Auswandererhaus mit Stolz: „Wir waren die Ersten, wir bleiben die Besten.“
       Heißt: Es gibt ja noch andere Museen und Orte, die in Deutschland sich
       museal mit Migration beschäftigen, aber dieser Ort hat nun für den Neubau
       wie für die Kuration der neuen Ausstellungsteile Jahre gebraucht, zuletzt
       war er coronabedingt ohnehin geschlossen: Man spornt sich weiter an. Gut
       so. Sehr sehenswert, das alles!
       
       26 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Die-homosexuellen-Pinguine/!644211/
 (DIR) [2] https://dah-bremerhaven.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
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