# taz.de -- Buch über Judenhass in Deutschland: Kein normales Leben möglich
       
       > In einem Sachbuch werden jüdische Bürger:innen nach ihren Erfahrungen
       > mit Antisemitismus in Deutschland befragt. Der Befund ist erschreckend.
       
 (IMG) Bild: Antisemitismus grassiert nicht nur unter Muslimen und Rechtsextremen, sondern in der ganzen Gesellschaft
       
       Beim Lesen dieses Buches überschlagen sich die Ereignisse im Nahen Osten.
       Doch nicht nur dort, auch in Deutschland flogen am vergangenen Wochenende
       [1][Fäuste und Steine bei Protesten zum Nahostkonflikt.] Wiederholt kam es
       bei den Demonstrationen auch zu antisemitischen Straftaten. Innenminister
       Horst Seehofer verlautete schließlich: „Wer antisemitischen Hass
       verbreitet, wird die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen.“
       
       Solche Bekundungen hört man von Politiker*innen immer wieder, wenn der
       Hass gegen das Judentum in Deutschland einmal mehr – scheinbar unmittelbar
       – aus der Bevölkerung herausbricht. Meist folgt darauf eine große
       Entrüstung seitens der Gesellschaft – Judenhass, den haben doch die meisten
       Deutschen bis auf einige verwirrte Geister überwunden?
       
       Die Journalistin Eva Gruberová und der Journalist Helmut Zeller
       offenbaren in ihrem Buch „Diagnose: Judenhass. Die Wiederkehr einer
       deutschen Krankheit“ ein ganz anderes Bild von Deutschland. Für ihre
       Bestandsaufnahme sind sie durch die Republik gereist und haben jüdische
       Bürgerinnen und Bürger nach ihren Erfahrungen mit Antisemitismus gefragt.
       Die Diagnose ist erschreckend.
       
       Gruberová als Journalistin und Referentin der KZ-Gedenkstätte Dachau und
       Zeller als Leiter der Dachau-Redaktion der Süddeutschen Zeitung
       dokumentieren und analysieren umfassend und eindrücklich, dass der
       Antisemitismus in Deutschland nicht nur aus rechtsextremen Randgruppen in
       die Mitte der Gesellschaft schwappt, sondern auch in der Mitte der
       Gesellschaft verankert ist: „Einer Studie zufolge ist [2][jeder vierte
       Deutsche gegen Juden] eingestellt, von diesen mehr als 20 Millionen Frauen
       und Männern kann man schwerlich behaupten, dass sie eine unbedeutende
       Minderheit sind.“
       
       Und was tut die Politik? Außer Solidaritätsbekundungen zu oft nichts,
       erörtern die beiden Journalist:innen. Spätestens seit dem Überfall auf
       die Synagoge in Halle 2019 und der massiven Zunahme von antisemitischen
       Verschwörungstheorien in der Coronakrise wäre ein striktes Handeln nötig
       gewesen. „Das betrifft auch die Polizei und die Justiz“, so Gruberová und
       Zeller.
       
       Die jüngsten Bilder im Zusammenhang mit den [3][Ausschreitungen zum
       Nahostkonflikt] zeigen aber, dass es viel zu tun gibt. Aufklärung und
       Bildung könnten hier ein Schlüssel sein. Deshalb eine klare Leseempfehlung
       für dieses Buch.
       
       21 May 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Pro-Palaestina-Demos-weltweit/!5772473
 (DIR) [2] https://www.dw.com/de/jeder-vierte-deutsche-denkt-antisemitisch/a-50959954
 (DIR) [3] /Demonstrationen-gegen-Israel/!5767396
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helen Roth
       
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