# taz.de -- Regierungskrise in Nordirland: Kontrolle verloren
       
       > Nordirlands pro-britische Regierungsministerin Foster tritt zurück. Sie
       > verspielte das Vertrauen ihrer Partei, weil sie zu viele Fehler gemacht
       > hat.
       
 (IMG) Bild: Nordirland: Regierungschefin Arlene Foster hat ihren Rücktritt angekündigt
       
       Die Democratic Unionist Party (DUP) hätte viele Gründe gehabt, um ihre
       Parteichefin Arlene Foster schon längst in die Wüste zu schicken. Da wäre
       zum Beispiel „Cash for Ash“, jenes Programm, das die nordirische
       Premierministerin 2012 ausgeheckt hatte, als sie noch
       Unternehmensministerin war: Unternehmen und Bauern erhielten für jedes
       Pfund, das sie für erneuerbare Energie ausgaben, [1][einen Zuschuss in Höhe
       von 1,60 Pfund]. Je mehr man heizte, desto mehr Geld floss – und die Leute
       heizten auf Teufel komm raus.
       
       Man hätte sie auch wegen ihrer Haltung während der Krawalle der
       pro-britischen Banden feuern können. Die liefern sich seit Wochen
       Scharmützel mit der Polizei, und Foster schürte die Gewalt, indem sie die
       Legitimität der Polizei in Frage stellte. Damit versuchte sie, den Boden
       gutzumachen, den sie verloren hatte, weil sie das Nordirlandprotokoll im
       Brexit-Vertrag nicht verhindert hatte, so dass zwischen Nordirland und
       Großbritannien nun eine Zollgrenze besteht.
       
       Aber das konnte sie gar nicht verhindern, weil sich in London niemand für
       Nordirland interessiert. Aber man benötigte einen Sündenbock, denn die DUP
       steht mit dem Rücken zur Wand. Die sozialen Veränderungen wie das Recht auf
       Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe, die nun in Nordirland nach
       sanftem Druck aus Brüssel und London gelten, machen der Partei Angst. Sie
       hat die Kontrolle über das Land verloren. Noch ist sie die größte Partei,
       aber bei den nächsten Wahlen in einem Jahr wird sich das wohl ändern.
       [2][Nun hat Arlene Foster wegen wachsenden Widerstands gegen sie in ihrer
       eigenen Partei ihren Rücktritt angekündigt.]
       
       ## Unvorstellbares Szenario
       
       Nächsten Montag ist der 100. Jahrestag der Teilung Irlands. Damals hat man
       die Grenze so gezogen, dass die pro-britischen Protestanten eine bequeme
       Zweidrittel-Mehrheit hatten und die pro-irischen Katholiken in Schach
       halten konnten. Diese Mehrheit ist nun dahin, und im nächsten Jahr könnte
       [3][Sinn Féin], der ehemalige politische Flügel der Irisch-Republikanischen
       Armee (IRA), stärkste Kraft werden.
       
       Für die Unionisten ist das ein unvorstellbares Szenario, und sie reagieren,
       wie sie es immer tun: die Politiker mit Megafonrhetorik, die Hardliner an
       der Basis mit Gewalt. Unter Fosters Nachfolger wird sich daran nichts
       ändern.
       
       29 Apr 2021
       
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       Unser Autor lebt seit über 40 Jahren in Irland. Er hat die Wandlung der
       Partei Sinn Féin aus der Nähe erlebt – auch durch seinen Schwiegervater.