# taz.de -- Kulturbegriff im Grünen-Wahlprogramm: Besseres Klima für Kultur
       
       > Die Grünen machen in ihrem Programm für die Bundestagswahl Kultur zur
       > Chefinnensache. Aber wie definiert die Partei diesen Begriff?
       
 (IMG) Bild: Die Grünen wollen sich für die Kultur einsetzen: Das freut auch das Kino in Burg (Sachsen-Anhalt)
       
       Klimaneutralität bleibt für die Grünen das oberste Ziel, Maßnahmen, um die
       Erderwärmung zurückzudrängen seien die „Existenzfrage unserer Zeit“. Aber
       Kultur will die Partei darüber keineswegs neutralisieren. Schon im Vorwort
       ihres „Programmentwurfs“ zur Bundestagswahl wird sie an vorderster Stelle
       erwähnt. Genau wie Bildung und Wissenschaft soll auch Kultur von einem
       Aufschwung profitieren, „der das ganze Land in seiner Vielfalt erfasst“.
       
       So blumig, wie sich diese Worte zunächst lesen, sind sie gar nicht. Denn im
       September geht eine Ära zu Ende, die zwar für die Mehrheit Wohlstand
       gebracht hat, aber nicht für alle. Der Zusammenhalt der Gesellschaft, an
       der durch die Coronapandemie noch stärkere Fliehkräfte ziehen und deren
       weiteres Auseinanderdriften nicht hinnehmbar scheint.
       
       Vielfalt wird von Rassismus bedroht. Auch wenn seine Bekämpfung endlich
       Staatsräson ist, es kommt dabei besonders auf die Mühen der Ebene an.
       Anders als in der CDU, gibt es keine Grünen-Ortsverbände, die auf
       kommunaler Ebene auch mal mit der AfD stimmen, wenn es um die Abschaffung
       der Förderung von Initiativen gegen Nazis geht.
       
       Zudem ging der öffentlichen Verkündung von [1][Annalena Baerbocks
       Kandidatur] am Montag eine interne Debattenkultur voraus, die sich angenehm
       von dem Imponiergehabe der Alphamännchen in der Union abgehoben hat. Auch
       wegen des besseren Betriebsklimas ist die Berlinerin Canan Bayram von der
       SPD zu den Grünen gewechselt.
       
       ## „Am meisten unterschätzte Branche“
       
       Wie ihr Parteifreund [2][Robert Habeck] am Montag erklärte, dass seine
       Konkurrentin Baerbock zur ersten Grünen-Kandidatin überhaupt für das Amt
       der Bundeskanzlerin gekürt ist, hatte Stil, wie er im Twitter-Zeitalter
       schon nicht mehr möglich schien. Dass Baerbock als 40-jährige Politikerin
       sich zutraut, an der Spitze eines Landes Verantwortung zu übernehmen, ringt
       Respekt ab. Performance-technisch traut man es ihr auch zu.
       
       „Kultur schafft Wohlstand“ ist im Parteiprogramm ein Kapitel überschrieben,
       in dem es explizit um ihre Wertschöpfung geht. Den Grünen gilt Kultur als
       „die am meisten unterschätzte Branche in Deutschland“. Um wiederaufzubauen,
       was durch Corona zerstört wurde, seien hohe Investitionen nötig. Der
       Existenzbedrohung der vielen Selbstständigen will man mit einer monatlichen
       Hilfe von 1200 Euro begegnen. Wie in Baden-Württemberg soll bundesweit ein
       „fiktiver Unternehmerlohn“ geltend gemacht werden, der nicht nur Betriebs-,
       sondern auch Lebenshaltungskosten kompensiert.
       
       Robert Habeck will Kultur sogar im „Ministeriumszuschnitt mit eigenem
       Portfolio und Budget“ aufwerten. Auch das trägt sicher zur Verbesserung des
       Klimas bei.
       
       25 Apr 2021
       
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