# taz.de -- Forschungsfabrik für Autobatterien: Ohne Konzept und Kunden
       
       > Die Industrie ist mit der Forschungsfabrik für Autobatterien von
       > Ministerin Karliczek unzufrieden. Sie kritisiert: Die Anlage kommt viel
       > zu spät.
       
 (IMG) Bild: Darum gehts: Schnittmodell einer Lithium-Ion-Batterie bei einer Autoausstellung 2020 in Brüssel
       
       Berlin taz | Der Streit um die [1][Forschungsfabrik für
       Batteriezellenfertigung (FFB) in Münster] nimmt kein Ende. Es ist eines der
       größten Anwendungsprojekte, das Bundesforschungsministerin Anja Karliczek
       (CDU) in ihrer Amtszeit angeschoben hat: Mit 700 Millionen Euro soll die
       Antriebsproduktion für Elektroautos wissenschaftlich vorbereitet werden.
       Anfangs sorgte die geografische Nähe des Vorhabens zu Karliczeks Wahlkreis
       für politischen Stress.
       
       Jetzt sind die Industrievertreter mit den Forschern überkreuz, und die
       Fraunhofer-Gesellschaft errichtet die Fabrik allein. Zudem hat sich mit dem
       [2][eingesetzten Boom der Elektromobilität] das Umfeld radikal gewandelt:
       Für die deutschen Autobauer im harten Konkurrenzkampf kommt der staatliche
       Forschungsvorlauf viel zu spät.
       
       Der Frust auf Industrieseite über den schleppenden FFB-Beginn wurde Anfang
       Dezember bei einem internen Workshop des Projekts offen ausgesprochen. Die
       Forschungsfabrik sei zu weit weg vom Marktgeschehen, und es drohe die
       Gefahr, „Forschung als Selbstzweck“ zu betreiben, heißt es in einem
       Protokoll der Sitzung, das dem Tagesspiegel zugespielt wurde. Die Anlage
       komme zwei Jahre zu spät. Zudem habe Fraunhofer das Projekt „gekapert“ und
       mache nun damit, was es wolle, an den potenziellen Anwendern vorbei, ohne
       Konzept und ohne Kunden. „Dem Ding gehört der Stecker gezogen“, war eine
       prägnante Kritik aus der Branche.
       
       Die Folge war, dass das BMBF noch im Dezember den mit Industrievertretern
       besetzte „Betreuungskreis“ der Forschungsfabrik auflöste und durch einen
       Beirat ersetzte, der aus Experten der Fraunhofer-Gesellschaft gebildet
       wurde – ebenjener Forschungsorganisation, die auch mit dem Aufbau der
       Fabrik beteiligt war.
       
       Wenige Wochen später, Mitte Januar, musste der Geschäftsführende Leiter der
       FFB, der Fraunhofer-Mann Fritz Klocke, bekennen, dass die Industriekritik
       nicht aus der Luft gegriffen war. Um „mindestens drei Jahre“ werde sich der
       Betriebsbeginn der Fabrik verschieben, teilte Klocke in einem Schreiben an
       die Forschungsministerien in Berlin und Düsseldorf mit, aus dem der
       [3][Blog des Wissenschaftsjournalisten Jan-Martin Wiarda] jetzt zitierte.
       Die industrienahe Forschungsfertigung, heißt es dort, werde „kaum vor dem
       Jahr 2027 möglich“ sein.
       
       Bis dahin wird sich die Welt der Batterietechnik komplett gedreht haben.
       Die Autobranche investiert derzeit Riesensummen, Allein der VW-Konzern will
       in Europa bis 2030 sechs Zellfabriken mit einer Gesamtkapazität von 240
       Gigawattstunden (GWh) errichten. Kosten pro Fabrik: rund 3 Milliarden Euro.
       
       Auch andere Autobauer wie Tesla und Daimler planen eine eigene Fertigung
       von Batteriezellen, ebenso Akteure aus der Energiebranche. So baut die
       chinesische Firma SVolt eine 24-GWh-Fabrik in Saarbrücken. Wer wird die
       Ergebnisse der Münsteraner Batteriefabrik dann noch haben wollen, wenn sie
       dereinst vorliegen? Langsame Forschung für eine schnelle Technik, das passt
       nicht.
       
       20 Mar 2021
       
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