# taz.de -- Impf-VordränglerInnen ausbremsen: Es braucht ein klares Stopp-Signal
> Wer beim Impfen vordrängelt, schadet anderen. Und wer dabei die Rechte
> von Schutzbefohlenen verletzt, sollte nicht mit einem Bußgeld
> davonkommen.
(IMG) Bild: Der Reihe nach: fürs Vordrängeln beim Impfen gibt es keine Entschuldigung
Es kursieren derzeit zwei Erklärungen fürs Vordrängeln beim Impfen: Man
habe übrige Impfdosen vor dem Verfall bewahren wollen, heißt die eine. Die
zweite: Man sei in engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen, deshalb sei es zu
deren Schutz, wenn man selbst geimpft werde. Dabei geht es dann nicht etwa
um Pflegekräfte, sondern um VerwaltungmitarbeiterInnen der oberen Ebene wie
[1][jüngst in Hamburg].
Die erste Erklärung ist etwas weniger jämmerlich als die zweite: Es
geschieht tatsächlich, dass Impfdosen nicht wie geplant eingesetzt werden
können. Aber für genau diese Fälle lässt sich vorsorgen – durch eine gut
gepflegte Warteliste von ImpfkandidatInnen, durch genaue Regelungen, wie
mit Restdosen alternativ Rettungskräfte oder Impfpersonal geimpft werden.
Die zweite Erklärung ist schlicht ein Armutszeugnis. Und der Hamburger Fall
ist um so erbärmlicher, als die Betreffenden unmittelbar vor Augen haben,
wem sie die Impfdosen wegnehmen: den AltenheimbewohnerInnen, die ihrer
Sorge anvertraut sind und den Pflegekräften, die täglich in unmittelbarem
Kontakt mit ihnen stehen.
Man muss nicht einmal den altertümlich wirkenden Begriff von
Vorbildfunktion bemühen: Es geht schlicht um Ehrlichkeit und Verantwortung.
Derzeit trägt man die schon in jedem banalen Supermarkt an der
Kassenwarteschlange. Nach einem Jahr Pandemie liegen bei vielen die Nerven
blank und was zu Beginn an Solidarität zu spüren war, bröckelt. Um so
klarer muss da das Stopp-Signal sein, wo die grundlegenden Regeln verletzt
werden.
Wer jetzt seine Position nutzt, um auf Kosten von Schwächeren geimpft zu
werden, der sollte nicht mit einem Bußgeld davonkommen, das
Gesundheitsminister Spahn ohnehin noch auf den Weg bringen muss. Das ist so
inakzeptabel, dass die Verantwortlichen auf ihren Posten nicht zu halten
sind. Und wenn das Arbeitsrecht das nicht hergibt, dann sollte das der
gesellschaftliche Druck tun.
15 Feb 2021
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(DIR) Friederike Gräff
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