# taz.de -- Präsidentenwahl in Kirgistan: Populist Japarow räumt ab
       
       > Bei dem zeitgleich stattfinden Referendum stimmt eine Mehrheit für eine
       > stärkere Rolle des Staatschefs. Die Wahlbeteiligung liegt bei 40 Prozent.
       
 (IMG) Bild: Sadyr Japarow (m.) ist laut Teilergebnissen klarer Sieger der Präsidentenwahl in Kirgistan
       
       Bischkek afp/taz | Der [1][Populist Sadyr Japarow] ist laut Teilergebnissen
       als klarer Sieger aus der Präsidentenwahl in Kirgistan hervorgegangen. Auf
       Schaparow entfielen nach den am Sonntag vorliegenden Zahlen der
       Wahlkommission fast 80 Prozent der Stimmen. In einem zugleich abgehaltenen
       Referendum über Verfassungsänderungen stimmten die Kirgisen demnach mit
       mehr als 80 Prozent für eine stärkere Rolle des Präsidenten.
       
       Der Zweitplatzierte bei der Präsidentenwahl, Adachan Madumarow, kam den
       Angaben zufolge nur auf weniger als sieben Prozent. Er erklärte, das
       Ergebnis nicht anerkennen zu wollen. Insgesamt waren 17 Kandidat*innen
       angetreten.
       
       Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission nur bei 39 Prozent.
       Beobachter*innen erklärten die niedrige Beteiligung auf mit einer Änderung
       des Wahlgesetzes. So durften Wähler*innen, anders als bei früheren Wahlen,
       nicht an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort abstimmen, sondern nur dort, wo
       sie registriert sind.
       
       Das Wahlkampfteam der Kandidatin Klara Soorunkulowa teilte mit, mehrere
       Berichte über den Kauf von Wähler*innenstimmen aus der südkirgischen Stadt
       Osch erhalten zu haben. So seien einige Leute in einem Auto dabei
       beobachtet worden, gegen Stimmen Bargeld ausgehändigt zu haben. Auch sollen
       einige Wähler*innen unter Druck gesetzt worden sein, für wen sie abstimmen
       sollten. „Als wir jedoch bei den Wahllokalen ankamen, haben die Menschen
       die Flucht ergriffen“, sagte das Mitglied des Wahlstabes Gulgaaky
       Mamasaliewa dem Sender Radio free Europe.
       
       ## Viele Versprechungen
       
       Bei einem Auftritt in seiner Wahlkampfzentrale versprach Japarow am
       Sonntagabend ein Ende der Korruption und Parlamentswahlen sowie ein
       weiteres Referendum über die geänderte Verfassung bis Juni. „Wir werden
       nicht die Fehler vorheriger Regierungen wiederholen“, sagte der 52-Jährige.
       
       Japarow war durch Unruhen nach der Parlamentswahl am 4. Oktober an die
       Macht gekommen, nachdem Anhänger ihn aus dem Gefängnis befreit hatten. Im
       Zusammenhang mit den Protesten in Bischkek waren mindestens ein Mensch
       getötet und mehr als 1.200 weitere verletzt worden.
       
       Das überwiegend muslimische Kirgistan mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern
       gilt als vergleichsweise demokratisches Land in Zentralasien, zugleich aber
       auch als politisch besonders instabil. Bereits in den Jahren 2005 und 2010
       hatten Unruhen zum Sturz zweier Präsidenten geführt. [2][Die Kritiker
       Japarows] befürchten, dass in Kirgistan demnächst ähnlich autoritäre
       Strukturen aufgebaut werden könnten, wie sie bereits in Kasachstan,
       Usbekistan und Tadschikistan herrschen.
       
       Japarow habe versprochen, dass er die Renten erhöhen werde, sagte die
       69-jährige Vera Pawlowa. Über die anderen Kandidaten wisse sie wenig. „Ich
       habe ihre Plakate nirgends gesehen, nur die von Schaparow.“
       
       Bevor Japarow aus dem Gefängnis befreit worden war, hatte er dort nach
       einem Schuldspruch wegen Geiselnahme eingesessen. Der Schuldspruch wurde
       inzwischen von einem anderen Gericht kassiert. Japarow stellt sich
       inzwischen als Feind des organisierten Verbrechens und der Korruption dar.
       Bei einem Auftritt am Freitag in der Hauptstadt Bischkek vor mehreren
       tausend Menschen forderte er die Bürger*innen zu „Verständnis“ und
       gegenseitigem „Respekt“ auf.
       
       11 Jan 2021
       
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