# taz.de -- Konzerttipps für Berlin: Das große Lauschen
       
       > Beim Active Listening Festival geht es um genaues Zuhören, bei der
       > Outernational-Reihe im Radialsystem um musikalische Hybride.
       
 (IMG) Bild: Outernational: Avantgarde-Musikerin Kamilya Jubran trifft auf den Trompeter Werner Hasler
       
       Das vergangene Jahr gehörte der Kopfhörermusik. Ob eine Band auf der Bühne
       nun etwas reißen kann oder nicht – geschenkt. Darf man ja sowieso nicht
       erleben. Hauptsache, es gibt in Musik immer neue Details zu entdecken,
       während dieser endlosen Spaziergänge. So gesehen ist man vorbereitet aufs
       sorgfältige Lauschen.
       
       Denn unter anderem geht es beim Active Listening Festival um Fragen wie: Wo
       hört Interpretation auf und fängt die Improvisation an? Am Freitag machen
       zwei Streicher den Auftakt (8. 1., 20 Uhr,
       [1][www.activelisteningberlin.de]). Die in Berlin ansässige Sarah Saviet,
       die mit ihrer Geige unter anderem beim zeitgenössischen Londoner Riot
       Ensemble Furore macht, trifft auf Liam Byrne.
       
       Der interessiert sich nicht nur für Modernes, sondern auch für alte
       Klangwelten – schließlich stammt die Viola da gamba, die er spielt, aus dem
       15. Jahrhundert. 300 Jahre später war sie dann am Verschwinden, überlebt
       aber in Nischen. Insgesamt fünf Begegnungen finden im Acker Stadt Palast
       bis Sonntag Abend statt – auch abseits klassischer Instrumentierungen:
       etwa, wenn der Komponist Kaj Duncan David unter dem Stichwort „Lights“ die
       Hongkongerin Viola Yip trifft, die ihre eigenen Instrumente baut.
       
       Bei der „Outernational“-Reihe im Radialsytem, die kurz vor dem Lockdown im
       Oktober ihren Auftakt hatte, soll es um musikalische Hybride und Globales
       gehen, das frei von exotistischen Projektionen funktioniert. Statt einer
       Liveperformance gibt es am Freitag (15. 1., 19 Uhr
       [2][www.radialsystem.de/#radar]) nun einen Konzertfilm, unter anderem mit
       der palästinensischen Avantgarde-Musikerin Kamilya Jubran. Die trifft auf
       den Schweizer Trompeter und Elektronikkünstler Werner Hasler – und auf
       Cevdet Erek, der der Zylindertrommel Davul technoide wie auch archaische
       Beats entlockt.
       
       Ein Konzert, das jetzt leider gar nicht stattfindet, nicht einmal als
       Stream oder Video (ein solches folgt dann Anfang Februar), ist das
       eigentlich für den 14. 1. anvisierte Zusammentreffen des SPLITTER
       ORCHESTERS. Dieses All-Star-Ensemble der hiesigen Echtzeitmusikszene feiert
       nämlich gerade [3][10-jähriges Jubiläum].
       
       Dafür kann die geneigte Öffentlichkeit nun einem Experiment beiwohnen:
       nämlich, wie ein eigentlich basisdemokratisch arbeitendes Orchester
       zusammenfindet, wenn es sich nicht treffen darf. Jeder der Musiker hat
       zuhause eine Spur aufgenommen; nicht in solistischer Intention, sondern –
       zumindest in Gedanken – mit den anderen. Das Ergebnis wird am 15.1.
       veröffentlicht (unter [4][soundcloud.com/splitterorchester]).
       
       Fünf Jahre ist es schon wieder her, dass David Bowie gestorben ist, den die
       Berliner gerne als Sohn der Stadt feiern – etwa bei einer alljährlichen
       Geburtstagsparty im Schöneberger Neuen Ufer. Da sein Geburtstag nur zwei
       Tage vor dem Todestag war, feiert man natürlich lieber den. Nun hat Mike
       Garson, der wirklich tolle Pianist, der Bowie über Jahrzehnte begleitete,
       allerhand Wegbegleiter und Musikerfans und -freunde von Trent Reznor über
       Billy Corgan bis zu Macy Gray für eine virtuelle Tribute-Sause
       zusammengetrommelt.
       
       Die geht zwar in Europa zu nachtschlafender Zeit auf Sendung, nämlich in
       den frühen Morgenstunden des Samstags (9. 1.), ist dann aber 24 Stunden
       abrufbar [5][(Tickets 20 Euro)]. Dabei sein wird auch der Schauspieler und
       Musiker Michael C. Hall, der die Hauptfigur in dem ambitionierten, wenn
       auch etwas diffusen Musical „Lazarus“ spielt, an dem Bowie bis kurz vor
       seinen Tod mitarbeitete.
       
       Die Show hatte ihre Londoner Europapremiere Ende 2017, was man nun
       anlässlich des Jahrestags in einem anderen Stream nacherleben darf: am
       Freitag (8.1.) und Samstag (9.1) um 20 Uhr und am Sonntag (10.1.) um 16
       Uhr, nur in Echtzeit [6][(Tickets 18 Euro)].
       
       8 Jan 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.activelisteningberlin.de/
 (DIR) [2] https://www.radialsystem.de/programme/64543/232002/
 (DIR) [3] https://www.splitter.berlin/index.php?article_id=20
 (DIR) [4] https://soundcloud.com/splitterorchester
 (DIR) [5] http://rollinglivestudios.com/products/a-bowie-celebration-general-admission-01-08-2021
 (DIR) [6] http://dice.fm/artist/david-bowie-y8xr?_branch_match_id=799344205052959005
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephanie Grimm
       
       ## TAGS
       
 (DIR) taz Plan
 (DIR) Musikstreaming
 (DIR) Sound der Stadt
 (DIR) Konzert
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
 (DIR) taz Plan
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Musiktipps der Woche: Wider die Verödung
       
       Es wird über Clubkultur debattiert, eine Klanginstallation eingeweiht, dem
       Komponisten Iannis Xenakis gedacht und ein Lockdown-Hobby vorgestellt.
       
 (DIR) Elektronisches Musikfestival aus Berlin: Jenseits der temperierten Stimmung
       
       Das CTM-Festival steht dieses Jahr unter dem Motto „Transformation“.
       Vorgestellt wird auch eine Software, die über die üblichen Tonleitern
       hinausgeht.
       
 (DIR) Musikfestivals im Stream und Äther: Heimvorteil elegant genutzt
       
       Das Ultraschall Festival für Neue Musik wird im Radio übertragen, das CTM
       Festival kreiert für seine experimentelle Musik eine virtuelle Umgebung.
       
 (DIR) Konzerte zum Jahresende: Heilung durch Musik
       
       Chilly Gonzales mimt den Therapeuten, Taylor Mac feiert Weihnachten als
       Katastrophe und das Monster Ronson’s lädt zum digitalen Karaoke-Quiz.
       
 (DIR) Konzerttips der Woche: Das große Verschwinden
       
       Klangproduktionen neu verortet: „Verschwinden der Musik“-Festival, das
       Projekt „Conference Of Trees“ und das Soundwatch Berlin Music Film
       Festival.
       
 (DIR) Musiktipps für Berlin: Notbremse bei laufendem Betrieb
       
       Weil Live-Konzerte ausfallen, gibt es gerade nur noch Online-Auftritte.
       Beim Jazzfest Berlin wird dabei quer über den Atlantik gejammt.