# taz.de -- Wassermangel in Brandenburg: Die Ausflugsseen verschwinden
       
       > 2020 war viel zu trocken in Brandenburg. Bäume wie Seen und Flüsse leiden
       > unter der zunehmenden Trockenheit. Und sogar das Welterbe ist in Gefahr.
       
 (IMG) Bild: Der niedrige Wasserstand lässt sich erkennen: der Große Seddiner See (Potsdam-Mittelmark)
       
       Potsdam taz | Preußenkönig Friedrich II. wird der Ausspruch zugeschrieben,
       mit der Trockenlegung des Oderbruchs habe er im Frieden eine Provinz
       erobert. Nun vergrößert sich die Landfläche Brandenburgs Stück für Stück
       erneut – allerdings unerwünscht. Die Trockenheit der vergangenen Jahre
       sorgt dafür, dass in vielen Seen der Wasserspiegel sinkt. Wenn das so
       weitergeht, könnte die Suche nach einem Badesee für Berliner Ausflügler
       schwerer werden.
       
       Schon an der Stadtgrenze kann man das Problem mit bloßem Auge sehen. Der
       Groß Glienicker See, zwischen dem gleichnamigen Potsdamer Ortsteil und dem
       Berliner Stadtteil Kladow gelegen, hat seit 1980 rund 1,60 Meter seines
       Wasserstandes verloren. Das geht aus einer Antwort des Berliner Senats auf
       eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz hervor. „In Folge der
       gesunkenen Wasserstände hat sich insbesondere in den Flachwasserbereichen
       am Ostufer die Uferlinie verschoben und es sind Verlandungsbereiche
       entstanden“, heißt es darin. Wegen kaum vorhandener Zuflüsse werde der
       Wasserstand fast ausschließlich über das Grundwasser beeinflusst.
       
       Ein paar Kilometer südlich von Potsdam verliert der Seddiner See immer mehr
       Wasser. Dort sinkt der Wasserstand schon seit Jahren. Boote liegen auf dem
       Trockenen, Stege ragen weit entfernt vom Wasser in die Luft. Auch dort
       fehlen Zuflüsse. Der eiszeitliche See speist sich aus dem Grundwasser und
       Niederschlägen. Nun wird überlegt, geklärtes Abwasser statt in das in der
       Nähe fließende Flüsschen Nieplitz wieder zurück in den See zu leiten.
       Allerdings sind dafür zusätzliche Filter und eine neue Leitung nötig.
       
       Die trockenen Zahlen hinter dem Wassermangel kann man beim Potsdamer
       Institut für Klimafolgenforschung nachlesen. In Potsdam etwa fielen im Jahr
       2020 (Stand 16. 12.) genau 479 Millimeter Niederschlag. Der langjährige
       Durchschnitt liegt bei 600 Millimetern im ganzen Jahr. Auch die Jahre 2018
       und 2019 waren außergewöhnlich trocken. Das Problem sieht man an der
       Oberfläche, wenn Staub über ausgedörrte Äcker weht. Das Wasser fehlt aber
       auch im Untergrund. Die Wasserknappheit sorgt auch dafür, dass sich die
       Flutung von alten Braunkohletagebauen länger als gedacht hinziehen könnte.
       So wurde bereits im März die Wassereinleitung in den künftigen Ostsee bei
       Cottbus unterbrochen.
       
       ## Nicht genug Wasser da
       
       Der Ostsee soll einmal eine Wasserfläche von knapp 19 Quadratkilometern
       haben. Im Jahr 2025 soll das Wasser die notwendige Mindesthöhe von 2,70
       Meter in der Mitte des Sees erreichen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz
       Deutschland (BUND) Brandenburg fordert, eine Verkleinerung des Sees zu
       prüfen, weil einfach nicht genug Wasser da ist.
       
       Auch die Flüsse haben häufiger Niedrigwasser oder trocknen zeitweise ganz
       aus. Monatelang war die Situation in den Flüssen Spree und Schwarze Elster
       im Süden Brandenburgs wegen der anhaltenden Trockenheit angespannt. Das
       Land verbot, Wasser aus Oberflächengewässern zu entnehmen. Erst nach
       Regenfällen im Oktober wurde das Verbot aufgehoben.
       
       Die Trockenheit macht auch den Wäldern zu schaffen. In den vergangenen
       Jahren kam es immer wieder zu großflächigen Waldbränden. Mehrmals waren sie
       so groß, dass der Rauch bis nach Berlin zog. Der Mitte Dezember
       vorgestellte Waldzustandsbericht benennt die Probleme.
       
       ## Abgestorbene Bäume
       
       Der Wald habe unverändert mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen
       und stehe vor allem durch Trockenheit und Schadinsekten unter Dauerstress,
       so Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne). 2020 sei das dritte
       Trockenjahr in Folge gewesen, hieß es. 2019 und 2020 seien im märkischen
       Wald die höchsten Absterberaten seit den 90er Jahren verzeichnet worden.
       Im Schnitt seien 13 von 1.000 Bäumen abgestorben.
       
       Sorgen bereitet der Wassermangel auch der Stiftung Preußische Schlösser und
       Gärten, die über die einst für Friedrich II. angelegten Schlossparks als
       Unesco-Welterbe wacht. Aufgrund der Dürren der letzten Jahre seien auf dem
       Ruinenberg im Potsdamer Park Sanssouci zahlreiche Baumkronen eingetrocknet
       und Altbäume, vor allem Eichen und Buchen, abgestorben, schlug sie kürzlich
       Alarm.
       
       Auch bei der Stiftung ist man sich sicher, dass das Problem dauerhaft sein
       wird – und versucht zu reagieren. „Um die Regeneration des Baumbestandes zu
       fördern, haben wir sechs Gehölzflächen temporär eingezäunt, um darin
       unterschiedliche Herangehensweisen für die Stabilisierung des
       Gehölzbestandes zu erproben.“ Dazu gehöre beispielsweise, abgestorbenes
       Holz nicht zu entfernen, sondern zur Humusanreicherung liegen zu lassen.
       Mehr Natur sozusagen.
       
       6 Jan 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marco Zschieck
       
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