# taz.de -- Personal der Berliner Grünen: Promis in die Parlamente!
       
       > Die Parteichefs Werner Graf und Nina Stahr streben ins Abgeordnetenhaus
       > und in den Bundestag. Auch Bürgermeisterin Monika Herrmann hat neue
       > Pläne.
       
 (IMG) Bild: Neue Wahl, neues Glück: Nina Stahr und Werner Graf, noch Grünen-Landeschefs (Archivbild)
       
       Berlin taz | Die Berliner Grünen müssen sich 2021 höchstwahrscheinlich eine
       neue Doppelspitze suchen. Nach der schon länger bekannten Kandidatur von
       Parteichefin Nina Stahr für den Bundestag bestätigte nun auch ihr
       Co-Vorsitzender Werner Graf, dass er ins Parlament strebt. „Ja, ich würde
       gerne für das Abgeordnetenhaus kandidieren“, sagte Graf der taz.
       
       Gemäß der Satzung des Landesverbands ist der Parteivorsitz jedoch nicht mit
       einem Regierungsamt oder Parlamentsmandat vereinbar: Graf und Stahr müssten
       bei einer erfolgreichen Kandidatur zurücktreten. Ins Abgeordnetenhaus
       strebt auch die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika
       Herrmann. Sie hatte der taz schon Ende 2019 angekündigt, als
       Bürgermeisterin aufzuhören, ihre politische Zukunft aber offengelassen.
       
       Graf und Stahr führen die Berliner Grünen seit Ende 2016 und damit fast
       deckungsgleich mit der grünen Regierungsbeteiligung in der Koalition mit
       SPD und Linkspartei. Seither hat sich die Zahl der Parteimitglieder von
       5.000 auf 10.000 verdoppelt. Noch Ende Oktober, wenige Tage vor dem Start
       des Shutdown light, bestätigten die Grünen die beiden [1][bei einem
       Parteitag] im Hotel Estrel für weitere zwei Jahre im Amt.
       
       Diese Zeit wird sich, einen Erfolg bei Bundestags- und Abgeordnetenhauswahl
       am 26. September vorausgesetzt, halbieren. Denn Paragraf 18, Absatz 5 der
       Satzung der Berliner Grünen gibt, anders als in anderen Landesverbänden,
       vor: „Eine Mitgliedschaft im Landesvorstand ist ausgeschlossen für
       Parlamentarier*innen, Bezirksamtsmitglieder, Regierungsmitglieder...“
       
       Dass sowohl Stahr als auch Graf ins Parlament kommen, kann als
       wahrscheinlich bis sicher gelten. In ihrem Bundestagswahlkreis in
       Steglitz-Zehlendorf hat Stahr zwar nur Außenseiterchancen gegen den
       örtlichen Abgeordneten, den früheren Justizsenator Thomas Heilmann von der
       CDU.
       
       Doch auf der noch bis spätestens Juni zu beschließenden Landesliste – mit
       der jede Partei Mandate besetzt, die ihr zustehen und die sie nicht direkt
       über Wahlkreise gewinnt – ist Stahr dem Vernehmen nach für den
       aussichtsreichen Platz 5 vorgesehen. Das würde nach den jetzigen
       Umfragewerten für die Grünen für den Einzug in den Bundestag reichen.
       
       ## Der Wechsel scheint sicher
       
       Noch sicherer dürfte der Wechsel bei Graf sein: Bei 20 beziehungsweise 26
       Prozent in den jüngsten beiden Umfragen könnten die Grünen ab Herbst im
       Abgeordnetenhaus über 40 Sitze besetzen. Die Kandidatenliste für die Wahl
       zum Berliner Landesparlament will die Partei im April bestimmen, wenn
       möglich bei einer Mitgliederversammlung, für die auch schon Räume
       reserviert sein sollen, ansonsten bei einer Landesdelegiertenkonferenz.
       
       „Es ist gut, nach fünf Jahren einen Wechsel an der Parteispitze zu haben“,
       sagte Graf der taz, „das tut der Partei gut.“ Dabei hatte sich diese Partei
       jüngst nicht unzufrieden mit ihm und Co-Chefin Stahr gezeigt: Bei ihrer
       Wiederwahl erhielten die beiden Ergebnisse von 85,1 Prozent (Stahr) und
       89,0 Prozent. Graf mochte nicht bestätigen, dass er im Falle einer Wahl wie
       in der Partei auch in der Abgeordnetenhausfraktion ein Führungsamt
       anstrebt: „Wer was macht, werden wir nach der Wahl aufteilen und klären“,
       sagte er, „ich mag da keine Spekulationen anstellen.“
       
       Generell ist es unüblich, dass eine langjährige Führungskraft bei einem
       Wechsel ein Dasein auf den hinteren Parlamentsbänken führt. Als der frühere
       Landesvorsitzende Stefan Gelbhaar 2011 ins Abgeordnetenhaus kam, wurde er
       Vize-Fraktionschef. Sein Nachfolger an der Parteispitze, Daniel Wesener,
       wurde 2016 nach seinem Wechsel parlamentarischer Geschäftsführer und
       übernahm damit quasi die Betriebsleitung der Grünen-Fraktion.
       
       Nicht von der Parteispitze, sondern aus der Exekutive heraus möchte
       Noch-Bürgermeisterin Monika Herrmann ins Landesparlament wechseln. Sie will
       nach 15 Jahren als Stadträtin und Bezirksbürgermeisterin nach eigenen
       Worten definitiv keine neue Führungsaufgabe übernehmen. „Ich möchte weder
       Staatssekretärin noch Senatorin noch Fraktionschefin werden“, sagte sie der
       taz, „ich möchte jetzt einfach mal eine lange Zeit keine
       Leitungsverantwortung haben.“
       
       Sie wolle sich als Abgeordnete auf das Fachgebiet der Verkehrspolitik
       konzentrieren: „Es geht mir nicht um Karriere, es geht um Veränderung.“
       [2][Im taz-Interview Ende 2019] hatte Monika Herrmann die aktuelle grüne
       Verkehrssenatorin Regine Günther wegen der Radwegproblematik auf der
       Oberbaumbrücke kritisiert.
       
       18 Dec 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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