# taz.de -- Waffenaffäre um Landesinnenminister: Lorenz Caffier tritt zurück
       
       > Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister kaufte eine Waffe von einem
       > Prepper. Im Kampf gegen rechts agierte er mindestens stümperhaft.
       
 (IMG) Bild: Ist zurückgetreten: Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier
       
       Berlin taz | Lorenz Caffier (CDU), der Innenminister von
       Mecklenburg-Vorpommern, tritt von seinem Amt zurück. Das teilte er am
       Dienstagnachmittag in Schwerin mit. „Ich muss erkennen, dass ich in dieser
       Situation nicht mehr die nötige Autorität besitze, um das Amt des
       Innenministers mit ganzer Kraft bis zum September 2021 ausüben zu können“,
       schrieb er in einer ausführlichen [1][“persönlichen Erklärung“].
       
       Caffier zieht damit Konsequenzen aus der Affäre, die sich an der Frage
       entsponnen hat, ob er privat eine Waffe bei einem früheren Mitglied der
       Preppergruppe Nordkreuz gekauft hat. Diese Frage hatten die taz und andere
       Medien an ihn gestellt, das Innenministerium hatte jedoch nur ausweichend
       oder gar nicht darauf geantwortet, monatelang. Als die taz Caffier diese
       Frage am Donnerstag auf einer Pressekonferenz stellte, antwortete er: Es
       handele sich um eine Privatangelegenheit.
       
       Diese Äußerung hatte im Nordosten und bundesweit für Empörung gesorgt.
       Caffier erklärte daraufhin am Freitag in einem Interview zunächst, die
       Waffe tatsächlich gekauft zu haben. Seine Antworten haben aber neue Fragen
       aufgeworfen, unter anderem, warum seine Behörden nicht nachdrücklicher
       eigene Informationen zur Person T. gewannen.
       
       Caffier nannte die vergangenen Tage in seiner schriftlichen
       Rücktrittserklärung “eine unerträgliche Belastung“, er wolle “Schaden von
       der Regierung, von der Koalition und letztlich damit auch vom Land
       abwenden“. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte ihn am Samstag
       zur Klärung des Sachverhalts aufgefordert. Großflächige Kritik aus
       Koalitionskreisen in Schwerin war bislang ausgeblieben.
       
       ## Kommt ein Untersuchungsausschuss?
       
       Der SPD-Landtagsabgeordnete Dirk Friedriszik sieht mit Caffiers Rücktritt
       die Aufklärung nicht für beendet. Er fordert die Einsetzung eines
       Untersuchungsausschusses. “Die Problematik hat sich ja nicht geändert, nur
       weil jetzt der Minister abdankt“, sagte er der taz. Es gebe noch viele
       Fragen zu klären, insbesondere was die Rolle des Verfassungsschutzes im
       Land angehe.
       
       Zuletzt hatte eine Expertenkommission geurteilt, das Landesamt habe
       offensichtlich “über wenig eigene Erkenntnisse“ verfügt. Eine andere von
       Caffier eingesetzte Kommission sollte ein Lagebild zu Preppern erstellen –
       bis heute ohne Ergebnis.
       
       Peter Ritter, der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion sagt: “Die
       Nordkreuz-Affäre ist mehr als der Waffenkauf von Lorenz Caffier. Die Fragen
       sind nicht beantwortet und auch durch den Rücktritt von Caffier nicht
       gelöst.“ Erst die Entscheidung, wer das Amt künftig übernimmt, werde
       zeigen, ob die regierenden Parteien SPD und CDU den Rücktritt für einen
       Neuanfang nutzten.
       
       Mehrere Mitglieder der Nordkreuz-Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern sind als
       rechtsextrem eingestuft. Gegen zwei von ihnen ermittelt die
       Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts. Der Admin der Gruppe, der
       Ex-SEK-Polizist Marko G., wurde Ende 2019 unter anderem wegen Verstoßes
       gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
       Kürzlich hatte er der New York Times gesagt: Das Netzwerk sei noch immer
       aktiv. Auch gegen Frank T. wird ermittelt, wie zuerst der NDR berichtete.
       
       Die Aufarbeitung des Nordkreuz-Komplexes hat eine bundesweite Dimension.
       Seit knapp zwei Jahren beschäftigt sich das Parlamentarische
       Kontrollgremium des Bundestags damit. Es geht auch um den Zusammenhang zu
       Prepper-Gruppen in anderen Regionen, dem sogenannten
       [2][Hannibal-Netzwerk]. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz und der
       Militärische Abschirmdienst befassten sich mehrfach mit der Gruppe und
       ihren Mitgliedern.
       
       17 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/108531/4766187?utm_source=twitter&amp&utm_medium=social
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Hannibals-Schattennetzwerk/!t5549502
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Erb
 (DIR) Christina Schmidt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Hannibals Schattennetzwerk
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Lorenz Caffier
 (DIR) Prepper
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Nordkreuz
 (DIR) Schwerpunkt Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
 (DIR) Kay Nerstheimer
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
 (DIR) Schwerpunkt Hannibals Schattennetzwerk
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Terroranschlag auf den Breitscheidplatz: Der Staatssekretär war´s
       
       Wieso versickerten Infos zum Fall Amri im Verfassungsschutz von
       Mecklenburg-Vorpommern? Im Bundestag musste sich jetzt Ex-Minister Caffier
       erklären.
       
 (DIR) Behörden in Mecklenburg-Vorpommern: Verfassungsschutzchef entlassen
       
       Reinhard Müller verliert seinen Job. Er hatte einräumen müssen, dass seine
       Behörde Informationen zum Terroristen Anis Amri nicht weitergereicht hatte.
       
 (DIR) Kay Nerstheimer besitzt offenbar Waffen: NPD-Mitglied auf Schnäppchenjagd
       
       Das NPD-Mitglied Kay Nerstheimer kam für die AfD ins Abgeordnetenhaus und
       besitzt offenbar Waffen. Das geht aus seinen Shopping-Rezensionen hervor.
       
 (DIR) Landtagswahl im kommenden September: MeckPomm hat die Wahl
       
       Die SPD ist dank Manuela Schwesig im Aufwind. Nach der Landtagswahl könnte
       sie in der Lage sein zu wählen: Weiter mit der CDU oder lieber
       Rot-Rot-Grün?
       
 (DIR) Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern: In schlechter Verfassung
       
       Nach dem Rücktritt von Innenminister Caffier schaffen die
       Sicherheitsbehörden in Mecklenburg-Vorpommern kaum Aufklärung.
       
 (DIR) Nach Caffiers Rücktritt: Noch einiges aufzuklären
       
       Auf Lorenz Caffier soll Torsten Renz folgen. Nach dem Rücktritt des
       Innenministers Mecklenburg-Vorpommerns wartet auf dessen Nachfolger viel
       Arbeit.
       
 (DIR) Lorenz Caffiers Nordkreuz-Verstrickungen: Sinnbild für Kontrollverlust
       
       Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister ist politisch untragbar. Die
       demokratische Kontrolle über den Sicherheitsapparat ist ihm entglitten.
       
 (DIR) Waffenaffäre in Mecklenburg-Vorpommern: Die Methode Caffier
       
       Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier sagt, er habe „arglos“ eine
       Waffe bei einem Nordkreuz-Mann gekauft. Das weckt Zweifel.
       
 (DIR) Schwesig reagiert auf Caffiers Waffenaffäre: Keine Privatsache
       
       Ministerpräsidentin Schwesig äußert sich erstmals, nachdem Innenminister
       Caffier seine Waffe eine Privatsache nannte. Er solle alle Fragen klären.