# taz.de -- Konsequenzen der Amokfahrt in Trier: Schutz durch Technik
       
       > Stoppt die Raser! Nehmt ihnen die Waffen weg! Wie? Mit den Mitteln der
       > Autoindustrie: Smarte Technik wie automatischer Tempolimitierung etwa.
       
 (IMG) Bild: Der Land-Rover-SUV wird von einem Abschleppwagen vom Tatort entfernt
       
       Jeder Land Rover fühlt sich auf Anhieb in jeder Umgebung zu Hause – auf
       felsigen Strecken ebenso wie auf eleganten Boulevards. Es sind
       [1][Marketingsätze wie dieser], die einem nach der Amokfahrt in Trier im
       Hals steckenbleiben. Erst recht, wenn im dazugehörigen Werbespot
       übermotorisierte SUVs eine gigantische Bodenwelle in einer Innenstadt
       überwinden. „I’m unstoppable“, ruft ein kleiner Junge. „Ich bin nicht zu
       stoppen!“ Es ist der einzige Satz [2][in dem Video]. Er lässt einen
       schaudern.
       
       Mit einem Land-Rover-SUV ist am Dienstag ein Mann [3][durch die
       Fußgängerzone von Trier gerast]. Unstoppable. Fünf Tote. Dank ausgereifter
       Technik ist zum wiederholten Mal ein Auto zur Mordwaffe geworden. So was
       könne man niemals zu 100 Prozent verhindern, sagten der Oberbürgermeister
       von Trier und der Innenminister von Rheinland-Pfalz nahezu wortgleich. Aber
       sollte man nicht wenigstens versuchen, es zu 90 Prozent zu verhindern? So
       klingt es doch fatal nach: Da kann man nichts machen. Schlimmer noch: Wir
       wollen nichts machen.
       
       Der Kern des Problems wird zudem ausgeblendet. Zwar wurde nach dem
       verheerenden Anschlag mit einem Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt vor
       vier Jahren in Berlin gehandelt. Seither werden alle ähnlichen
       Veranstaltungen mit Betonsperren und anderen Schikanen geschützt. Doch
       wenn, wie in diesem Jahr, der christlich-kapitalistische Weihnachtsmarkt
       wegen Corona ausfällt? Dann kann ja auch kein Islamist angreifen. Also
       verzichtet man auf Poller, wie jetzt in Trier. Was für ein Irrtum.
       
       Denn die Gefahr ist doch nicht die Ideologie. Die Gefahr ist der Mann am
       Steuer – und ja, es ist immer ein Mann, der durchdreht. Ganz egal, ob er
       Islamist, Rechtsextremist, Tempofetischist oder unideologisch durchgeknallt
       ist. Das Problem bei den gewaltbereiten Automobilisten ist die Waffe. Das
       Steuer in ihren Händen. Das Gaspedal unter ihrem Fuß.
       
       Die Lösung: Stoppt die Raser! Nehmt ihnen die Waffen weg! Wie? Mit einem
       Werbeklassiker der Autoindustrie: Vorsprung durch Technik! Deutschland ist
       doch das Land der Konstrukteure. Also her mit autofreien Zonen, geschützt
       durch formschöne Sperren, die schwuppdiwupp versenkt werden können, wenn
       doch mal ein Krankenwagen durchmuss. Vor allem aber: Her mit der
       automatisch per GPS gesteuerten Tempolimitierung, wenn ein Auto in einer
       Stadt fährt. Dem Erfindungsgeist sollten keine Grenzen gesetzt werden. Mit
       ungebremstem Fortschrittsglauben zurück zur Langsamkeit. Undenkbar?
       
       Gestoppt wurde der Amokfahrer durch das Tackling eines Polizeifahrzeugs.
       Ausgerechnet [4][auf einem Pop-up-Radweg], der in Coronazeiten angelegt
       wurde. Natürlich können autofreien Zonen allein keinen Amoktäter stoppen.
       Aber dass es sie gibt, zeigt: [5][Eine Verkehrswende ist möglich]. Noch vor
       Monaten Undenkbares ist Realität. Das bleibt das kleine Hoffnungszeichen
       von Trier.
       
       2 Dec 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.landrover.de/vehicles/index.html?source=71700000069739248_58700006153722478_p55607185839&rm=search&gclsrc=aw.ds&gclid=Cj0KCQiAk53-BRD0ARIsAJuNhpui5JWdsxzMLaP0Ja81gR6tv2u65hdYPJB8D0170kYs0w_ofkNEw2gaAgMdEALw_wcB
 (DIR) [2] https://youtu.be/kWkFFQtPspM
 (DIR) [3] /Fuenf-Tote-und-viele-Verletzte-in-Trier/!5729069
 (DIR) [4] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/trier/umweltspur-trier-102.html
 (DIR) [5] /Fahrrad-Boom-in-Corona-Pandemie/!5694408
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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