# taz.de -- Aktivistin über den Ausbau der Oder: „Es wird weniger Wasser geben“
       
       > Die Künstlerin Katrin Dobbrick setzt sich für den Stopp der
       > Oder-Ausbaupläne ein. Sie befürchtet massive Schäden für die
       > Auenlandschaft.
       
 (IMG) Bild: Nationalpark Unteres Odertal bei Stuetzkow
       
       taz: Frau Dobbrick, Sie haben [1][eine Petition gegen die Ausbaupläne für
       die Oder gestartet]. Wie kamen Sie dazu? 
       
       Katrin Dobbrick: Eigentlich aus einem ganz persönlichen Bedürfnis heraus.
       Ich lebe an der Oder, sie ist für mich als Grenzfluss mit ganz vielen
       Emotionen verbunden. Ich liebe die Region, mich zieht es auch immer wieder
       nach Polen. Und als ich von [2][den Plänen hörte, die Oder auszubauen],
       dachte ich, dass man etwas dagegen tun muss. Dabei war ich überrascht, wie
       wenig die Menschen hier davon wissen.
       
       Was haben Sie konkret für Befürchtungen? 
       
       Es besteht die Gefahr, dass mit dem Ausbau der Oder Lebensräume unzähliger
       Pflanzen und Tiere zerstört werden, wenn die Ufer austrocknen. Und dass
       natürlich auch die Schönheit des naturnahen Flusses zerstört wird. Eine
       Sorge ist außerdem, dass der Grundwasserspiegel hier insgesamt sinken
       könnte. Und dass im Oderbruch eher die Gefahr für Hochwasser wächst, wenn
       der Fluss verengt wird und keinen Versickerungsraum mehr hat.
       
       Sie sprechen in der Petition auch von einem Deal, der hinter dem
       deutsch-polnischen Wasserstraßen-Abkommen steht … 
       
       Ja, es gibt Dokumente, die belegen, dass die polnische Seite den
       Hochwasserschutz nur als Vorwand für den Ausbau der Oder nimmt und damit
       wirtschaftliche Interessen verfolgt. Bisher hatten die Eisbrecher nie
       Probleme. Es gäbe auch Eisbrecher, die nicht so tief sind, sodass man den
       Fluss nicht vertiefen müsste. Andererseits verfolgt auch die deutsche Seite
       wirtschaftliche Interessen. Es gibt ja in Schwedt die Papierfabrik Leipa,
       die international aufgestellt ist. Sie und die Schifffahrtslobby wünschen
       sich einen besseren Zugang zur Ostsee. Dafür müsste die Klützer Querfahrt
       ausgebaut werden, die sich auf polnischem Gebiet befindet. Und dafür
       braucht man die Zustimmung von Polen. Das hat bei dem Staatsvertrag auch
       eine Rolle gespielt. Im Übrigen ist die Bundesregierung natürlich an guten
       nachbarschaftlichen Beziehungen interessiert.
       
       Ist es überhaupt realistisch, dass auf der Oder Schiffsverkehr stattfindet? 
       
       Den gibt es ja schon. Es fragt sich nur, ob er wirtschaftlich rentabel ist
       und ob er in einem vernünftigen Verhältnis zur Zerstörung des natürlichen
       Lebensraums steht. Denn es wird immer weniger Wasser geben. In Deutschland
       hat die Oder ja nur den Status eines Nebenflusses mit vorwiegend
       touristischem Interesse. Laut Bundesverkehrswegeplan haben solche Flüsse
       die Aufgabe, Natur und Umwelt zu schützen und aufzuwerten.
       
       Konnten Sie die Menschen in der Region inzwischen mobilisieren? 
       
       Noch zu wenig, wie ich finde. Es finden schon Gespräche und Diskussionen
       statt. Es gibt ja auch immer zwei Seiten. Aber man muss erst mal
       Aufklärungsarbeit leisten. Immerhin wurde inzwischen auch auf polnischer
       Seite eine Petition zur Rettung der Flüsse gestartet. Unser Ziel ist es im
       Übrigen, dass sich die EU einmischt, die bisher noch gar nicht ausreichend
       informiert zu sein scheint. Jedenfalls hoffe ich, dass sich der Aufwand
       lohnt.
       
       15 Dec 2020
       
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