# taz.de -- Corona-Entwicklung in Deutschland: Versagen in entscheidender Phase
       
       > Der Bund-Länder-Gipfel über das weitere Vorgehen in Sachen Pandemie
       > bleibt in Ansätzen stecken. Zu mehr Vertrauen in die Maßnahmen führt das
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Sah schon mal glücklicher aus: Angela Merkel nach dem Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt
       
       Das, was [1][am Mittwoch im Berliner Kanzleramt zu besichtigen war], kennt
       man eigentlich nur von dramatischen EU-Gipfeltreffen in Brüssel: Unzählige
       Stunden saßen die politisch Verantwortlichen zusammen, stritten, verhakten
       sich, um letztlich mit arg bescheidenem Ertrag nach Hause zu gehen.
       Faktisch bedeutet das, dass man sich demnächst erneut zusammensetzen muss.
       Waren das wirklich die 16 Länderchefs, mit denen die Bundeskanzlerin das
       weitere Vorgehen in der Pandemie besprach?
       
       Ja. Und man möchte fast ein bedauerliches leider hinterherschieben. Denn
       noch nie in dieser Pandemie hatten sich Angela Merkel, Manuela Schwesig und
       Co. derart verkeilt, dass man besorgt sein muss. Auch wenn derlei Gespräche
       nie nur harmonisch abliefen, man erinnere sich nur an den
       Überbietungswettbewerb, als es im Frühsommer um Lockerungen ging: Bislang
       hatten sich Bund und Länder immer irgendwie zusammengerauft. Bis jetzt.
       
       Zwar einigte man sich auf [2][neue – und sicher richtige – Maßnahmen zur
       Pandemieeindämmung], wie etwa weitreichende Kontaktbeschränkungen und eine
       generelle Sperrstunde für inländische Corona-Hotspots. Nur: Das besonders
       umstrittene Beherbergungsverbot wurde nicht angetastet. Zu uneins war man
       sich hier.
       
       Dabei ist der epidemiologische Nutzen dieser Maßnahme gering, und das
       dadurch entstandene Regelungschaos hat viele nicht nur verwirrt, sondern
       beim ein oder anderen auch Zweifel in die Coronaregeln insgesamt geweckt.
       Gerade jetzt, da die [3][Zahl der Neuinfektionen weiter rasant zunimmt] und
       die zweite Welle längst da ist, [4][kommt es auf jede*n Einzelne*n an].
       
       Umso wichtiger wäre hier deshalb ein klares Zeichen von der Kanzlerin und
       den 16 Ministerpräsident*innen gewesen, mehr Einheitlichkeit und
       Übersichtlichkeit. Diese Chance wurde vertan. Mehr noch: Zum ersten Mal in
       solch einer brenzligen Phase der Pandemie wie jetzt zeigt sich, dass Bund
       und Länder nicht mehr unweigerlich an einem Strang ziehen. Das lässt für
       die bevorstehenden Wochen und Monate dieses Corona-Herbstes wenig Gutes
       erahnen.
       
       15 Oct 2020
       
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