# taz.de -- Forderungen von Lokführer-Gewerkschaft: Coronaprämie und Boni-Verzicht
       
       > Die Aussichten bei den Schlichtungsverhandlungen zwischen
       > Lokführer-Gewerkschaft und Bahn sind schlecht. Die Positionen liegen weit
       > auseinander.
       
 (IMG) Bild: GdL und Deutsche Bahn einigen sich vorerst nicht. Lokführerstreiks erst ab März 2021
       
       Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GdL) zieht mit einem dicken
       Forderungspaket in die Schlichtungsverhandlungen für einen
       Sanierungstarifvertrag bei der Deutschen Bahn. Sie fordert 4,8 Prozent mehr
       Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr.
       
       Außerdem soll das Zugpersonal eine einmalige Coronaprämie von 1.300 Euro
       für die besonderen Leistungen während der Pandemie erhalten. „Wir fordern
       einen Verzicht auf Boni für Führungskräfte für drei Jahre“, erweitert
       GdL-Chef Claus Weselsky noch den Katalog. „Diese Bedingungen werden den
       Schlichter nicht erfreuen“, ahnt er.
       
       Darüber hinaus enthält das Forderungspaket noch eine Reihe von
       Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen, insbesondere für
       Schichtarbeiter, sowie einen Zuschlag von 100 Euro für Azubis. In den
       nächsten drei Wochen verhandeln die Tarifparteien nun mit Schlichter
       Matthias Platzeck. Der frühere brandenburgische Ministerpräsident konnte
       schon zweimal Tarifkonflikte zwischen beiden Seiten erfolgreich
       entschärfen, zuletzt 2017. Nun hat er drei Wochen Zeit, eine Verständigung
       herbeizuführen. Klappt das nicht, kann die Frist um eine Woche verlängert
       werden.
       
       Die Aussichten für einen Kompromiss sind angesichts der weit
       auseinanderliegenden Positionen eher schlecht. Im September hatte die Bahn
       bereits mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
       [1][einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen]. Darin wurde eine nur
       magere Tariferhöhung von 1,5 Prozent ab 2022 vereinbart. Erst ein Jahr
       später soll es neue Verhandlungen geben. Mit einem so kargen Ergebnis will
       sich Weselsky keinesfalls zufrieden geben. Die vielen Versprechungen der
       letzten Jahre, es werde alles besser, seien leere Zusagen geblieben. „Das
       machen wir nicht mehr mit“, kündigt der GdL-Chef an.
       
       ## Streiks frühestens ab März 2021
       
       Lokführerstreiks müssen Kunden vorerst nicht fürchten. Bleibt die
       Schlichtung ergebnislos, läuft [2][der aktuelle Tarifvertrag bis Ende
       Februar 2021] weiter. Bis dahin gilt Friedenspflicht, danach wäre ein
       Arbeitskampf möglich. Da es Weselskys letzte Tarifverhandlungen sind, wird
       er sich wohl mit einem achtbaren Ergebnis in den Ruhestand verabschieden
       wollen.
       
       Die Bahn pocht dagegen auf einen Beitrag der Lokführer zur Überwindung der
       Coronakrise. „Es ist unbestreitbar, dass Corona auch bei der DB erhebliche
       Schäden verursacht hat, bei deren Bewältigung ein solidarischer Beitrag von
       allen gefragt ist“, betont Personalvorstand Martin Seiler.
       
       Die Arbeitgeber stehen unter Druck. Im Gegenzug für Bundeshilfen haben sie
       einen erheblichen Sparbeitrag bei den Personalkosten zugesagt. Rund 400
       Millionen Euro sollen die Beschäftigten im Jahr zur Sanierung beitragen.
       
       22 Oct 2020
       
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 (DIR) Wolfgang Mulke
       
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       woanders.