# taz.de -- Die Kunst der Woche: Das Bild geht unter
       
       > Noemi Molitor zu Anna K. E.s Tröpfchenproduktion bei Barbara Thumm und
       > zeichnerischen Tagen für Kinder und Jugendliche in der Berlinischen
       > Galerie.
       
 (IMG) Bild: Anna K.E., „Dolorem Ipsum“, 2020, Installationsansicht mit Video „Peripheral Monday1“ (52:06 min)
       
       Mit dem vertikalen LED-Turm konfrontiert zu sein, den [1][Anna K. E.] in
       ihrer Ausstellung “Dolorem Ipsum“ in der [2][Galerie Barbara Thumm]
       aufgerichtet hat und der dort hoch über den Köpfen thront, heißt, sich
       einem Spiel aus Schauen und Bildwerden auszusetzen. Denn während die
       Künstlerin zunächst schlicht mit einer farbbeklecksten Daunenweste ins Bild
       ragt und in die Kamera schaut, fängt das Gesehene mit der Zeit leicht an zu
       verschwimmen, löst sich hinter ihrem Gesicht ein Schatten heraus, fängt
       Anna K. E. an, in die Kamera zu spucken.
       
       Ihre Speicheltropfen sind es also, die das Bild zum wackeln bringen, aber
       müssten diese dann nicht auf eine Wasseroberfläche fallen, deren Spannung
       ins Wanken gerät und die bei Aufprall Wellen schlägt? Es dauert einen
       Moment, doch dann geht alles ganz schnell. Die Zuschauer_in befindet sich
       nicht mehr in der Galerie vor einem digitalen Bildschirm, auch nicht hinter
       der Kamera, sondern selbst unter Wasser. Und Anna K. E. spuckt von oben
       hinab. Wie lange wir es im Wasserbecken unter der Oberfläche aushalten bis
       uns die Luft weg bleibt, wir wissen es nicht. Doch dann vergrößern sich die
       spitfalls bis die Tropfen komplett die Sicht nehmen und den ganzen Screen,
       in Wasserbläschen getaucht, einfach wegschwemmen.
       
       Das Bild geht unter. Und ist doch geframed. Von Ballettstangen, in deren
       Holz Textfragmente gefräst sind, “Hands suspended“ heißt es da, die Hände
       schweben, vielleicht sind sie auch mitten in einer Bewegung erstarrt oder
       sie mimen die frei aufliegenden Balken an der Wand, die von
       Körperbeherrschung und Zurichtung sprechen, von Schweiß, von weiteren
       Tropfen. Dass die Künstlerin hier von “lyrischen Eruption“ spricht, das
       passt zu der Welt aus Mund und Spucke, die wir mit ihr betreten.
       
       Auf K.E.s mixed-media Bildern auf Leinwand, die ebenfalls in der
       Ausstellung zu sehen sind, bewegt sich das wässrige Motiv in Innenräume, in
       Bäder, die mal öffentlich und mal privat wirken und in denen sie
       schließlich auf gelben Kacheln ein kleines Feuerchen entzündet hat. Im Fall
       der Spucke hat es sicher keine Chance.
       
       ## Die Zeichen auf Zeichnen
       
       Unweit der Galerie steht der Kiez dieses Wochenende im Zeichen des
       Zeichnens. Im Rahmen der Ausstellung „Gezeichnete Stadt. Arbeiten auf
       Papier 1945 bis heute“ lädt die Berlinische Galerie in Kooperation mit
       Jugend im Museum zum zweitägigen [3][“Festival zur zeichnerischen Eroberung
       der Stadt“] (teils Anmeldung erforderlich). In der BG, auf dem Vorplatz und
       in der Nachbarschaft finden Zeichenaktionen zum Mitmachen, Workshops und
       Spaziergänge statt, u. a. veranstaltet von [4][Jugendgremium
       Schattenmuseum], [5][Kotti-Shop]/[6][SuperFuture], [7][Kunstwerkstatt
       Kreuzberg der Lebenshilfe] und [8][Mpower e.V.].
       
       In jedem Fall zu empfehlen: Die “Comic-Challenge“ in der
       [9][Jugendkunstschule FRI-XBERG] am Tempelhofer Ufer. Am Samstag und
       Sonntag zeichnen hier Kinder ab 6 Jahren mit dem Zeichner und Trickfilmer
       Stepan Ueding Stadtcomics, die anschließend in der BG präsentiert werden
       können (11–16 Uhr, offenes Angebot). Der Einstieg ist jeweils den ganzen
       Tag über möglich, ein Spaziergang-Special zum Ideen-Sammeln auf dem Weg
       dorthin startet außerdem an beiden Tagen um 13 Uhr von der BG aus.
       
       An der FRI-XBERG Kunstschule geben übrigens viele Berliner Künstler_innen
       ihr Wissen an junge Erwachsene aus Kreuzberg und ganz Berlin weiter, von
       Kunstkino über Keramik bis hin zu Mappenklassen. So geht demokratische
       Kunstvermittlung.
       
       2 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://bthumm.de/artists/anna-k-e/
 (DIR) [2] https://bthumm.de/viewing-room/current-gallery-show/annake-dolorem-ipsum/
 (DIR) [3] http://www.berlinischegalerie.de/einzeichnen
 (DIR) [4] https://www.schattenmuseum.de/
 (DIR) [5] http://www.kotti-shop.net/
 (DIR) [6] http://www.a-maze-ing.net/
 (DIR) [7] https://www.lebenshilfe-berlin.de/de/veranstaltungen/termine/Kunstwerkstatt-goes-SO36.php
 (DIR) [8] https://mpower-maedchen.de/
 (DIR) [9] https://www.frixberg.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Noemi Molitor
       
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