# taz.de -- Bündnis fordert langfristige Investition: 120 Milliarden für den ÖPNV
       
       > Verbände fordern in einem offenen Brief eine konsequente Verkehrswende.
       > Investitionen von 120 Milliarden Euro bis 2030 seien dafür notwendig.
       
 (IMG) Bild: In einer Berliner Straßenbahn
       
       BERLIN taz | Ein langfristiges Konjunktur- und Investitionspaket für den
       ÖPNV mit 120 Milliarden Euro bis 2030 fordert ein Bündnis aus [1][Bund für
       Umwelt und Naturschutz (BUND)], der Gewerkschaft [2][ver.di], [3][Fridays
       for Future] und dem [4][ökologischen Verkehrsclub (VCD)]. Während die
       Bundesregierung für Dienstag einen Autogipfel plant, forderten die Verbände
       in einem [5][offenen Schreiben] an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer
       (CSU) einen ÖPNV-Gipfel.
       
       Klimafreundliche Mobilität müsse auch „über Stadt- und Landkreisgrenzen
       hinaus“ gewährleistet und „nachhaltig von Bund und Ländern“ finanziert
       werden, sagte Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende. Es sei
       „verrückt, daran festzuhalten“, dass die Finanzierung des ÖPNV den ohnehin
       schon unterfinanzierten Kommunen aufgebürdet werde. Außerdem seien
       alternative Finanzierungskonzepte wie Kostenbeteiligung von Unternehmen
       denkbar. Eine Verdoppelung der täglichen Fahrgastzahlen bis 2030 sei
       möglich und nötig und würde 70.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen sowie
       verbundenen Branchen helfen. Aktuell nutzen in Deutschland täglich 24
       Millionen Menschen öffentliche Verkehrsmittel.
       
       Junge Leute sollten den ÖPNV „als Wachstumsbranche“ wahrnehmen können,
       sagte Philipp Kosok vom VCD. Ohne einen „starken ÖPNV“ sei keine
       Verkehrswende möglich, die CO2-Emissionen im Verkehr seien seit 1990 nicht
       gesunken. Anfang Juli hatte der Koalitionsausschuss 680 Millionen Euro
       Mehrausgaben für den Straßenverkehr beschlossen.
       
       Während über 1.000 neue Fernstraßenprojekte im Bundesverkehrswegeplan
       vorgesehen seien, fehle bei den Öffentlichen ein „einheitliches Konzept
       zwischen Kommunen und Ländern“, so Antje von Broock vom BUND. Es brauche
       eine „gute Taktung zwischen Nah- und Fernverkehr“, sonst wären Nutzer*innen
       auf der letzten Meile wieder auf das Auto angewiesen.
       
       ## Verbände erhöhen öffentlichen Druck
       
       Eine reine „Antriebswende“ reiche nicht aus, sagte Helena Marschall,
       Sprecherin von Fridays for Future, für die Erreichung des 1,5-Grad-Ziels
       sei eine „sofortige sozialgerechte Mobilitätswende“ notwendig.
       Unterfinanzierung und Personaleinsparungen im ÖPNV führten zu Verspätungen,
       die systemrelevanten Jobs verdienten mehr Anerkennung.
       
       Ihrer Forderung nach einem ÖPNV-Gipfel und einer konsequenten Verkehrswende
       wollen die Verbände zunehmend öffentlichen Druck verleihen. Für 25.
       September plant Fridays einen [6][großangelegten Schulstreik], dem sich
       auch Beschäftigte des ÖPNV anschließen wollen. ver.di befindet sich aktuell
       in einer Tarifrunde. Die nächste Verkehrsminister*innen-Konferenz ist für
       den 14. Oktober geplant, bis dahin erhofft sich das Bündnis „eine positive
       Antwort“.
       
       4 Sep 2020
       
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