# taz.de -- Berlins Finanzsenator im taz-Gespräch: Nicht schlimmer als die Finanzkrise
       
       > Matthias Kollatz (SPD) gibt sich optimistisch zu wirtschaftlichen Folgen
       > der Coronakrise. Doch die Erholung könne länger dauern.
       
 (IMG) Bild: Senator Kollatz (SPD) will mit einer Politik des „Durchtragens“ durch die Coronakrise kommen
       
       Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) geht davon aus, dass der
       wirtschaftliche Einbruch durch die Coronakrise nicht tiefer sein wird als
       in Folge der Finanzkrise 2008. Die Bezirke müssten zudem nicht befürchten,
       unter den krisenbedingt geringeren Steuereinnahmen zu leiden und Ausfälle
       einsparen zu müssen: „Das schultert die Landesebene“, sagte Kollatz am
       Mittwoch bei einem Gespräch mit der taz.
       
       Nach seinen Worten geht der rot-rot-grüne Senat von der Grundannahme aus,
       dass ab Ostern ein Impfstoff gegen das Virus zur Verfügung steht: „Darauf
       bauen wir vieles auf.“ Der Senator gab sich damit vorsichtiger als das auch
       nicht gerade als marktschreierisch verrufene Robert-Koch-Institut, das vor
       einigen Wochen einen Impfstoff schon für Anfang 2021 ankündigte.
       
       Bereits am Dienstag hatte sich der Senat mit der Finanzplanung des Landes
       bis 2024 befasst. Demnach wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr unter
       zwei Milliarden Euro bleiben. In einem ersten coronabedingten
       Nachtragshaushalt, den das Abgeordnetenhaus Anfang Juni beschlossen hat,
       sind Kredite von fast fünfeinhalb Milliarden Euro vorgesehen.
       
       Kollatz spricht von einer „Finanzpolitik des Durchtragens“, wenn es um den
       Weg durch die Krise geht. Etwas konkreter gefasst bedeute dies:
       „Bestehendes soll weitergeführt werden, Zusätzliches wird im Regelfall
       warten müssen.“ Für die nächsten Jahre stehen, unabhängig von der
       Zusammensetzung der Landesregierung nach der Wahl 2021, mehrere große
       Projekte an, darunter Schulbau und -sanierung sowie etwas längerfristig der
       gleichfalls milliardenschwere Kauf von S-Bahn-Waggons.
       
       ## Steuerschätzung fällt günstiger aus
       
       Die jüngste Steuerschätzung kommt dem Land zugute. Zwar fließen weniger
       Steuern als vor Corona erwartet nach Berlin. Aber der Rückgang ist nicht so
       groß wie zwischenzeitlich erwartet, weil die Konjunktur gleichfalls nicht
       noch stärker einbrach. Die ursprüngliche Steuerentwicklung verschiebt sich
       grob um zwei Jahre – was für 2020 erwartet war, soll nun 2022 kommen. Der
       Finanzsenator kündigte dabei weitere Hilfen auch für kleine Unternehmen an,
       die unter den Folgen der Krise leiden. Als ein Beispiel nannte Kollatz die
       Übernahme eines erheblichen Teils der Standgebühren auf Weihnachtsmärkten.
       Das soll Umsatzeinbußen ausgleichen.
       
       Zum weiteren Umgang mit der Coronakrise legte Kollatz beim Gespräch im
       taz-Haus Wert auf vorsichtiges Vorgehen. Das CoronakKrankenhaus auf dem
       Messegelände, offiziell „Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße“, das mehr
       als 500 Kranke aufnehmen könnte, soll nach seinen Angaben bis Mitte Februar
       erhalten bleiben. Diese Planung beruht auf der Annahme, dass die Messe
       „Innotrans“ im Frühjahr wieder möglich sein könnte. Sie war auf Ende April
       2021 verlegt worden. Die Grüne Woche hingegen, die in normaler Form die
       Hallen des Coronakrankenhauses benötigt hätte, sei nur als reiner
       Händleraustausch ohne Publikum vorgesehen.
       
       23 Sep 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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