# taz.de -- Für entwaldungsfreie Lieferketten: Supermärkte gegen Bolsonaro
       
       > Große Supermarktketten wie Edeka und Lidl protestieren gegen die
       > Abholzung im Amazonas. Damit steigt auch der Druck auf die
       > Bundesregierung.
       
 (IMG) Bild: Brennt auch Supermarktketten auf den Nägeln: die brennenden Wälder im brasilianischen Amazonas
       
       Brüssel taz | Große Supermarktketten wie Edeka und Lidl protestieren gegen
       die Abholzung im Amazonas in Brasilien und engagieren sich für
       „entwaldungsfreie Lieferketten“. Zudem fordern sie die Bundesregierung auf,
       sich ebenfalls für ein Ende des Raubbaus einzusetzen und Druck auf
       Präsident Jair Bolsonaro zu machen. „Angesichts der weltweit gestiegenen
       Nachfrage nach Soja und [1][der Entwicklungen im Amazonas-Gebiet] teilen
       wir Ihre Bedenken“, heißt es in einem Schreiben von Lidl an die grüne
       Europaabgeordnete Anna Cavazzini, das der taz vorliegt. Man bevorzuge Soja
       aus der EU und fördere die Umstellung auf nachhaltigeren Soja-Anbau in
       Brasilien.
       
       Auch die Edeka-Gruppe hat sich der Soja-Initiative angeschlossen. Man setze
       zudem bei Holz- und Papierprodukten sowie Verpackungen auf „nachhaltige
       Alternativen aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft“. Man werde sich auch
       weiter für „nachhaltige, und damit auch entwaldungsfreie Lieferketten
       einsetzen, so Edeka-Chef Markus Mosa.
       
       Damit steigt der Druck auf die Bundesregierung, ihren Kurs gegenüber
       Brasilien zu überdenken. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war zwar mit Hinweis
       auf die Abholzung des EU-Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten
       abgerückt, zu denen auch Brasilien gehört. [2][Sie hat den Deal aber noch
       nicht endgültig aufgegeben]. Streit gibt es auch über das geplante deutsche
       Lieferkettengesetz. Die Wirtschaft läuft Sturm gegen den Entwurf und eine
       zivilrechtliche Haftung. Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) griff
       die Bedenken auf und fordert, das Gesetz auf die EU-Ebene zu ziehen. Eine
       Vorlage aus Brüssel wird im kommenden Jahr erwartet. So lange könne man
       nicht warten, sagt Cavazzini. „Ich halte verbindliche europäische Regeln,
       die für entwaldungsfreie Lieferketten sorgen, für zentral“, erklärte sie,
       „aber bis wir so weit sind, müssen auch große Player wie Supermärkte ihre
       Marktmacht nutzen und Produkte, die mit Entwaldung einhergehen, aus ihren
       Regalen verbannen.“
       
       In Großbritannien ist dies schon gängige Praxis. Britische Supermarktketten
       wie Tesco und Sainsbury haben Brasilien sogar mit einem Boykott gedroht.
       
       7 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Waldbraende-im-Amazonasgebiet/!5706106&s=Amazonas/
 (DIR) [2] /Ceta-Ablehnung-in-Zypern/!5708728&s=Amazonas/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Amazonas
 (DIR) Konsum
 (DIR) Klima
 (DIR) klimataz
 (DIR) Mercosur
 (DIR) Welthandel
 (DIR) CETA
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bericht zum Handelsabkommen: Mercosur zerstört mehr Regenwald
       
       Eine französische Untersuchung warnt vor den ökologischen Folgen des
       Abkommens mit Südamerika.
       
 (DIR) Ökonom zu Lieferkettengesetz: „Das ist eine Frage des Anstands“
       
       Das Lieferkettengesetz soll Menschenrechte sichern – und überfordert weder
       Mittelstand noch Exporteure, sagt der Wirtschaftsweise Achim Truger.
       
 (DIR) Ceta-Ablehnung in Zypern: Bundesregieung hofft auf Einknicken
       
       Zypern hat das europäisch-kanadische Handelsabkommen abgelehnt und will
       Nachverhandlungen. Das aber lehnt die deutsche Regierung ab.
       
 (DIR) Brandrodung im Delta des Paraná: Feuer ohne Ende
       
       Allein im August wurden 7.000 Brandherde in dem argentinischen Feuchtgebiet
       gezählt. Die Regierung verdächtigt die Rinderzüchter.
       
 (DIR) Geologe über Waldbrände am Amazonas: „Freifahrtschein der Regierung“
       
       Dass im Amazonasgebiet wieder illegal gebrandrodet wird, interessiert kaum
       jemanden. Es herrsche ein Klima der Straflosigkeit, sagt Geologe Pedro Luiz
       Côrtes.