# taz.de -- Diplomatische Beziehungen: Taiwans Flagge in Somaliland
       
       > Die beiden nicht anerkannten Staaten knüpfen Beziehungen – zum Ärger von
       > China und Somalia. Zwei Militärmächte kämpfen um Einfluss.
       
 (IMG) Bild: Joseph Wu, Taiwans Außenminister und sein Kollege Yasin Hagi Mohamoud im Juli in Taipeh
       
       Berlin taz | Zwei international nicht anerkannte Staaten suchen den
       Schulterschluss: In Hargeisa, Hauptstadt der Republik Somaliland, wurde am
       Montag eine Botschaft der Republik Taiwan eröffnet. Taiwans Nationalhymne
       wurde gespielt, als in einer feierlichen Zeremonie die Flaggen beider
       Länder vor einem restaurierten Altbau aufgezogen wurden, an dem ein rotes
       Banner mit der Aufschrift „Eröffnungszeremonie des Taiwan-Vertretungsbüros“
       prangte. Kommentatoren sprachen von einem „historischen Moment“.
       
       Es ist auf jeden Fall ein Moment, der andere ärgert. Offiziell [1][gilt
       Somaliland als Teil Somalias] und [2][Taiwan als Teil Chinas]. Die beiden
       Länder sind die prominentesten nicht international anerkannten Staaten der
       Welt und fühlen sich beide ungerecht behandelt.
       
       Taiwan, das seit 1949 eine eigene Staatlichkeit hat, ist eine Demokratie
       und wirtschaftlich der Volksrepublik voraus; Somaliland, das sich 1991
       unabhängig erklärte, ist der einzige Teil von Somalia, wo es einen
       funktionierenden Staat gibt und nie radikale Islamisten die Macht
       ergriffen.
       
       Jahrzehntelang rivalisierten die Volksrepublik China und Taiwan in Afrika
       um diplomatische Anerkennung. Zuletzt hatte Taiwan das Rennen aufgegeben
       und wird nur noch vom kleinen Eswatini (ehemals Swaziland) im südlichen
       Afrika anerkannt. Aber gerade deshalb ist die Annäherung zwischen
       Somaliland und Taiwan ein historischer Wendepunkt.
       
       ## Somaliland hat strategische Lage
       
       Somaliland ist aus dem ehemaligen Britisch-Somaliland hervorgegangen, das
       nach Ende der Kolonialherrschaft 1960 freiwillig mit der südöstlich
       gelegenen italienischen Somalia-Kolonie zur Republik Somalia verschmolz.
       Als Somalia im Bürgerkrieg versank, gingen Rebellen im ehemaligen
       Somaliland ihre eigenen Wege und riefen einen eigenen Staat aus.
       
       Aber dieser Schritt wurde von anderen Staaten nicht mitgetragen, und bis
       heute erkennt die Staatengemeinschaft, inklusive der Afrikanischen Union,
       ausschließlich Somalia an und erwartet von Somaliland, sich dem zu fügen.
       
       Mit seiner strategischen Lage am Golf von Aden sowie dem Tiefseehafen
       Berbera und dem dazugehörigen Flughafen mit der längsten Landepiste des
       Kontinents ist Somaliland auch ohne diplomatischen Status interessant. Der
       Hafen Berbera wurde 2017 an DP World aus Dubai verpachtet, und die
       Arabischen Emirate haben seitdem massiv in Somaliland investiert – direkt
       gegenüber am Golf von Aden [3][liegt das Bürgerkriegsland Jemen], wo die
       Emirate gemeinsam mit Saudi-Arabien gegen vom Iran unterstützte Rebellen
       kämpfen.
       
       Direkt nebenan in Dschibuti – das ehemalige Französisch-Somaliland –
       befinden sich Militärbasen Frankreichs, der USA sowie der Volksrepublik
       China, samt Truppenpräsenz unter anderem aus Deutschland. Und Rest-Somalia
       mit der Hauptstadt Mogadischu hat sich in vergangenen Jahren stark der
       Türkei sowie Katar geöffnet. Das Horn von Afrika ist Bühne eines Wettlaufs
       von Militärmächten aus aller Welt um Einflusssphären.
       
       ## Prowestliche Achse am Horn von Afrika
       
       Vor diesem Hintergrund ist der Vorstoß Taiwans nach Somaliland von
       übergeordneter Bedeutung. Bereits Anfang Juli vereinbart, folgt sein
       Vollzug direkt auf die [4][Aufnahme von Beziehungen zwischen Israel und den
       Arabischen Emiraten] – was eine bisher so nicht sichtbare prowestliche
       Achse am Horn von Afrika in Erscheinung treten lässt. Chinas Regierung in
       Peking hatte zuvor gemeinsam mit Somalias Regierung in Mogadischu
       vergeblich versucht, Somalilands Regierung von ihrem Taiwan-Kurs
       abzubringen.
       
       Die regierungsfreundliche Jerusalem Post in Israel widmete Somaliland am
       Montag eine ausführliche Analyse mit dem Titel „Warum Israel sich um
       Somaliland kümmern sollte“ mit der Schlussfolgerung: „Da geopolitische
       Veränderungen in der Region Israel, die Arabischen Emirate, Griechenland,
       Zypern und Ägypten in einem engeren Netzwerk gemeinsamer Interessen
       zusammenführen, könnte Somaliland für diese Ländergruppe wichtig werden.
       Denn es hat Extremismus ferngehalten und spielt auch eine wichtige Rolle am
       Horn von Afrika gegenüber von Jemen.“
       
       17 Aug 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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