# taz.de -- CDU-Politiker Christian Baldauf: Von einem, der es sich zutraut
       
       > In Rheinland-Pfalz macht sich der CDU-Mann Christian Baldauf daran, Malu
       > Dreyer aus der Staatskanzlei zu drängen. Das wird nicht leicht.
       
 (IMG) Bild: CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf beim Nominierungsparteitag in Frankenthal
       
       Frankenthal taz | „Wir haben eine reelle Chance, wenn wir zusammenhalten“,
       sagt Christian Baldauf in Frankenthal. Der CDU-Frontmann will der
       versammelten Parteibasis Hoffnung machen. Ohne Gegenstimme haben sie ihn an
       diesem Abend zum Direktkandidaten für den Wahlkreis Frankenthal (Pfalz) bei
       der Landtagswahl im März 2021 gewählt. Das ist schon mal ein guter Anfang.
       
       Nach fast 30 Jahren in der Opposition will die CDU in Rheinland-Pfalz
       wieder an die Macht. Damit das auch jedeR mitbekommt, setzt die Partei
       Baldaufs Nominierung unter freiem Himmel in Szene. Nicht mal die
       Coronapandamie kann mich aufhalten! – das ist hier die Botschaft. Baldaufs
       Ziel ist der Job in der Mainzer Staatskanzlei.
       
       Doch dafür muss der 53 Jahre alte Rechtsanwalt nicht nur zum fünften Mal in
       Folge seinen Heimatwahlkreis gewinnen oder über die Landesliste einziehen.
       Er muss zusätzlich eine Mehrheit davon überzeugen, dass er ein besserer
       Regierungschef wäre als die amtierende Malu Dreyer von der SPD. Die
       59-Jährige regiert das ehemalige Stammland der CDU seit 2016 [1][mit einer
       Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP].
       
       In den [2][aktuellen Meinungsumfragen] liegt die CDU zwar vor der SPD.
       Trotzdem könnte es wieder für die Fortsetzung der Ampel reichen. Wie vor
       fünf Jahren, als die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner nach guten
       Umfragewerten auf der Zielgerade scheiterte. Deshalb tingelt jetzt ihr
       Nachfolger durchs Land, während andere Ferien machen. Jeden Tag von Montag
       bis Samstag, 150 Ortstermine. „Ein ambitioniertes Programm“, räumt Baldauf
       ein und versichert gleichzeitig: „Ich bin ja gerne bei den Leuten.“
       
       ## „Jetzt machen wir ein bisschen Rambazamba“
       
       Am CDU-Stand auf dem Frankenthaler Rathausplatz verteilt der
       Spitzenkandidat jetzt Flyer, Kulis und Malstifte. „Baldauf 21“ steht in
       großen Lettern auf seinem Tourbus. Am Heck klebt die etwas
       missverständliche Parole: „30 Jahre SPD Abschiedstour“. Im weißen Hemd mit
       offenem Kragenknopf, in Jeans und spitzen modischen Schuhen gibt er sich
       dynamisch. „Jetzt machen wir ein bisschen Rambazamba“, begrüßt er fröhlich
       die HelferInnen. Auch Ehefrau, Sohn und Tochter sind mit von der Partie. Es
       ist schließlich ein Heimspiel.
       
       Tisch und Sonnenschirm hat Carmen Noppenberger mitgebracht. Die
       Eigentümerin einer Boutique in der Nachbarschaft ist noch nicht lange
       dabei. „Christian“ war nicht immer ihr Freund. Nach dem Tod von Altkanzler
       Helmut Kohl wollte die Frankenthaler CDU den Rathausplatz nach dem
       umstrittenen Pfälzer umbenennen. Es gab massiven Widerstand.
       
       Besonders eifrig beim Sammeln von Unterschriften dagegen war Noppenberger.
       Es gab Diskussionen und Debatten. Baldauf und seine CDU sahen schließlich
       ein, dass ein Helmut-Kohl-Platz nicht durchsetzbar sein würde. „Der
       Rathausplatz bleibt Rathausplatz“, bilanziert die resolute Frau. Baldauf
       konnte sie immerhin für sich und seine Partei gewinnen.
       
       Aus der Lautsprecheranlage erklingen jetzt Songs in Pfälzer Mundart.
       Baldauf, selbst aktiver Chorsänger, ist bekennender Fan der Pfälzer
       Kultband „Anonyme Giddarischde“. Deren Frontmann, Thomas „Edsel“ Merz, hat
       als „Sozialdemokrat und Sangesbruder“ sogar ein paar freundliche Sätze
       [3][zum Image-Video des CDU-Manns] beigesteuert. Baldauf wird hier eher
       nicht als Parteipolitiker, sondern als Kümmerer wahrgenommen.
       
       ## Geht immer: Tierschutz
       
       Die meisten, die zum Smalltalk an den Stand kommen, sind mit Baldauf per
       Du, die Übrigen nennt er, wie es in der Pfalz nicht unüblich ist, „Ihr“.
       Baldauf spürt wohl, dass die geplante Wahlkampfansprache mit Mikrofon und
       Lautsprecher nicht gut ankommen würde. Es ist heiß, die beschauliche
       Innenstadt findet nach dem [4][Corona]-Lockdown nur langsam wieder zu ihrem
       Rhythmus. Baldauf sucht das Einzelgespräch.
       
       Eine Schaustellerin klagt ihr Leid. „Alles ist bedroht“, sagt sie, weil
       sämtliche Feste abgesagt und ihre Einnahmen eingebrochen seien. „Da müssen
       wir etwas tun“, versichert der Kandidat, der auch der CDU-Fraktion im
       Stadtparlament angehört. Wenigstens die verkaufsoffenen Sonntage will er
       retten, auch wenn das rechtlich schwierig sei. Mit dem jeweiligen Fest
       fällt nämlich auch der rechtlich erforderliche Anlass für die
       Sonntagsöffnung weg. Baldauf verspricht, das Thema „mitzunehmen“. Als er
       der Frau auch noch ein paar ihrer eigenen Flyer abnimmt, die er ja gleich
       mit verteilen könne, dankt sie überschwänglich mit den Worten: „Sie sind
       ein Engel.“
       
       Am Vormittag hatte er die Polizeiwache besucht. Er wolle ein Zeichen
       setzen, die Party-Randalen von Frankfurt [5][und Stuttgart] Ende Juli
       gingen ihm „langsam auf den Keks“, sagt er der taz. Vor dem Revier posiert
       er mit Plakaten: „Wir stehen zu unserer Polizei“, steht darauf. Er sei hier
       regelmäßiger Gast, berichtet er; nach dem letzten Gespräch mit den Beamten
       habe er dem Landesinnenminister einen Brief geschrieben. Mängel bei der
       Ausrüstung und der Schulung habe er aus dem Gespräch herausgehört.
       
       Auch beim Besuch bei den freiwilligen Helferinnen des Frankenthaler
       Tierschutzvereins, dem er selbst als Mitglied angehört, nimmt er etwas „auf
       den Zettel“. Die Leiterin der Einrichtung klagt über den Import von
       Hundewelpen und über den freien Verkauf von gefährlichen Modehunden.
       „Hunde, die nicht richtig gehalten werden, sind Dynamit“, sagt sie. [6][Auf
       seiner Homepage] macht sich Baldauf später ihre Forderungen zu eigen. Er
       fordert ein Importverbot für Welpen, die jünger sind als sechs Monate, und
       einen Hundeführerschein als Voraussetzung für den Kauf potenziell
       gefährlicher Hunde.
       
       ## Klöckner als Klotz am Bein
       
       An Selbstbewusstsein fehlt es dem Kandidaten nicht. Warum er glaubt,
       Ministerpräsidentin Malu Dreyer schlagen zu können, fragt ihn die taz:
       „Weil ich besser bin“, antwortet er. Die Chance, sich in der Coronakrise zu
       profilieren, habe die Landesregierung vertan. Mängel in der Infrastruktur
       und in der Bildung sorgten für viel Unzufriedenheit im Land. „Die wird
       weiter zunehmen“, glaubt Baldauf und lästert, das Land sei nur noch Spitze
       bei Funk- und Schlaglöchern.
       
       „Wir sind bereit – Schluss mit dem Abstiegsprogramm für Rheinland-Pfalz!“,
       hatte er seiner Parteibasis zugerufen. In Infrastruktur und Bildung will er
       investieren. „200 zusätzliche Deutschlehrer“ sollen eingestellt,
       verbindliche Deutschtests für die Vierjährigen sollen eingeführt werden, um
       die Bedeutung der deutschen Sprache für den Bildungserfolg zu
       unterstreichen. Nach der Sommerpause will Baldauf ein ausführliches
       Wahlprogramm und sein Team vorstellen.
       
       „Wenn alle bei der CDU ihr Kreuz machen, brauchen wir keinen Partner“,
       kontert er die Frage nach seiner Wunschkoalition. Er weiß: Nur wenn die
       CDU weit vorne liegt, wird es einen Regierungswechsel geben. Reicht es
       auch nur knapp für Rot-Grün-Gelb, macht die Ampel weiter. In den Umfragen
       schwächelt allerdings die FDP, die dafür gebraucht würde. Und die Grünen
       fremdeln vor allem mit dem Kurs der CDU-Landesvorsitzenden und
       [7][Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner].
       
       Von der taz auf die Reizthemen Pestizide, Ferkel- und Massentierhaltung
       angesprochen, bleibt der frisch gebackene Ministerpräsidentenkandidat
       Baldauf allgemein: „Der alte Gegensatz, die alte Feindschaft – hier die
       Naturschützer, dort die Landwirte – muss ein Ende finden. Klima-, Umwelt-,
       Artenschutz müssen ganz nach oben auf die christdemokratische Agenda“, sagt
       er. Zu den Details verweist er lieber auf die Fachpolitiker seiner Fraktion
       und lobt gleichzeitig die Teamarbeit mit seiner Landesvorsitzenden Julia
       Klöckner.
       
       Sollte nach dem 14. März 2021 rechnerisch nur die Alternative Schwarz-Grün
       oder Große Koalition bleiben, scheint indes alles möglich. Christian
       Baldauf jedenfalls versichert, er habe nicht einmal ein Problem mit
       Noch-Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Nur eine Zusammenarbeit mit AfD und
       Linken schließt er kategorisch aus.
       
       12 Aug 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ampelkoalition-in-Rheinland-Pfalz/!5294734
 (DIR) [2] http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/rheinland-pfalz.htm
 (DIR) [3] https://youtu.be/NalpQQDxamg
 (DIR) [4] /Schwerpunkt-Coronavirus/!t5660746
 (DIR) [5] /Reaktion-auf-Stuttgart-Krawalle-im-Juni/!5704879
 (DIR) [6] https://baldauf4u.de/
 (DIR) [7] /Brief-der-Landwirtschaftsministerin/!5706283
       
       ## AUTOREN
       
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