# taz.de -- Rassismus bei FC Bayern München: Falsche Loyalitäten
       
       > Der FC Bayern hat einen Jugendtrainer wegen Rassismus entlassen. Die
       > Vorwürfe waren lange bekannt, das Schweigen ist systemisch.
       
 (IMG) Bild: Traumziel vieler junger Menschen: der FC Bayern Campus für Nachwuchs und Frauenteams
       
       Undurchsichtig sei die Sache gewesen, so schien es dem FC Bayern. Eine „Art
       Privatfehde zwischen Spielern, deren Eltern und dem Jugendtrainer“ – und
       Fehden haben ja diese praktische Eigenschaft, dass sie irrational und
       irgendwie persönlich sind, man sich also nicht so richtig kümmern muss.
       Kurz vor dem Champions-League-Finale der Männer des FC Bayern an diesem
       Sonntag muss der Klub sich nun doch kümmern, ein Zeichen zarter
       Fortschritte bei der öffentlichen Wahrnehmung von Schikanen und rechtem
       Hass im Sportverein.
       
       Seit 2018 schon ist den Bossen des FC Bayern aus anonymen Briefen bekannt,
       dass der Sportliche Leiter ihrer U9- bis U15-Teams Kinder massiv
       rassistisch und homophob drangsaliert haben soll. Besonders ernsthaft
       gingen sie diesen Vorwürfen nicht nach, obwohl das Verhalten des Mannes am
       Campus [1][gut bekannt war]. Der Verein reagierte mit einer Befragung von
       Eltern und Kindern, im Gespräch soll sich aber niemand negativ geäußert
       haben.
       
       Wenn der Sohn es zu den Bayern geschafft habe, „dann riskierst du das
       nicht“, sagte ein anonymer Campus-Mitarbeiter [2][dem Spiegel]. Es brauchte
       schon geleakte rassistische Äußerungen in einer Chatgruppe mit anderen
       Trainern, Ermittlungen des Staatsschutzes und medialen Druck, um nun
       zumindest die Entlassung des Trainers und eine interne Untersuchung zu
       bewirken. Und das sagt viel über das System Verein.
       
       Die Enthüllungen weisen erstaunliche Parallelen auf zum [3][jüngsten Fall
       eines Berliner Jugendtrainers], der durch diktatorisches Gehabe, Schikanen
       und einmal auch durch Gewalt auffiel, und verlässlich von einer „Fehde“
       gegen seine Person sprach, gedeckt von der Vereinsführung. Der Sportverein,
       des Deutschen Heiligtum, hat ein Systemproblem. Verkrustete (Männer-)Bünde,
       aus denen wenig nach außen dringt, völlig überzogene Loyalitätsforderungen
       – und wer doch mal Missstände anspricht, wird oft übel diffamiert.
       
       ## Die Fehde als Deus Ex Machina
       
       Im Vereinsleben ist die Fehde der Deus Ex Machina: Wenn Anschuldigungen
       allzu unbequem sind, hat sich bloß irgendwer mit wem verkracht. Schwer zu
       sagen, was einen unangenehmeren Eindruck hinterlässt: Die kaum tätigen
       Bayern-Verantwortlichen, die Eltern, denen die Spielerkarriere ihrer Kinder
       offenbar wichtiger war als Zivilcourage oder auch nur als die seelische
       Gesundheit des eigenen Kindes; oder die Jugendtrainer und Scouts, die mit
       in der Chatgruppe waren und sich an den rechtsextremen Äußerungen
       mehrheitlich [4][nicht störten]. Und weiter Kinder trainieren.
       
       22 Aug 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-campus-rassismus-trainer-trennung-1.5002544
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/sport/fussball/bayern-muenchen-trennt-sich-nach-rassismusvorwuerfen-von-jugendtrainer-a-1e0aaf6b-de62-48c1-8e0b-286b6a57bab2
 (DIR) [3] /Fehde-im-Berliner-Fussballverband/!5686851
 (DIR) [4] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1140601.rassismus-im-fussball-eitel-sonnenschein-mit-braunem-fleck.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Schwermer
       
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