# taz.de -- Vor dem Start der neuen Bundesligasaison: St. Pauli will Reformen
       
       > Der FC St. Pauli will, dass der Profifußball aus der Corona-Krise lernt
       > und fordert Veränderungen. Im eigenen Team gibt es einige Neuerungen.
       
 (IMG) Bild: Schon 15 Jahre im Verein, jetzt Trainer der Profis: Timo Schultz
       
       Hamburg taz | [1][„Ein anderer Fußball ist möglich.“] So lautet der Titel
       einer 16-seitigen Abhandlung, die am Montag von Oke Göttlich, Präsident des
       FC St. Pauli, dem Fanbeauftragten des Vereins und einem Vertreter der
       Fanszene offiziell vorgestellt wird. Dabei geht es nicht um die
       Verbesserung der Spielkultur am Millerntor – die dringend nötig wäre –
       sondern ums große Ganze; die Reformierung des Profifußballs und der
       Deutschen Fußball-Liga (DFL).
       
       Die Coronakrise und die kontroverse Debatte darüber, die Saison ohne Fans
       im Stadion fortzusetzen, habe aufgezeigt, wie groß „der Vertrauensverlust
       und die Entfremdung zwischen Clubs einerseits und Fans und Teilen der
       Gesellschaft anderseits“ sei. Es gehe darum, die Kommerzialisierung des
       Profifußballs einzugrenzen und den Fans „echte [2][Teilhabe und
       Mitbestimmung]“ zu sichern. Ein Fanbeirat, der zu allen fanrelevanten
       Themen vom DFL-Präsidium angehört wird und Empfehlungen ausspricht, wird
       eingefordert.
       
       Daneben müssten die Einnahmen zwischen den 36 Proficlubs der beiden
       Bundesligen gerechter verteilt werden, gleichzeitig Mittel und Wege
       gefunden werden, die Ausgaben, aber auch den Einfluss von Kapitalanlegern
       zu kontrollieren und zu begrenzen. Bei der Vergabe von Geldern und Lizenzen
       sollen zudem gesellschaftliches, politisches, soziales und ökologisches
       Engagement, aber auch die Jugendarbeit der Vereine stärker belohnt werden,
       heißt es in dem Papier.
       
       Doch vor der Reformierung des gesamten Profifußballs muss des Club erst mal
       seine eigene Neuausrichtung schaffen. Nach einer Saison, in der der Club
       nur knapp dem Abstieg entrann und die von [3][Querelen zwischen Trainer Jos
       Luhukay und großen Teilen der Mannschaft] geprägt war, geht der Blick nun
       nach vorne.
       
       ## Neuer Trainer sorgt für Optimismus
       
       Zunächst gilt es aber, den Abgang von absoluten Leistungsträgern wie Mats
       Möller-Daehli – der schon im Winter den Verein verließ – Waldemar Sobota
       und Dimitrios Diamantakos zu kompensieren. Auch der Verbleib von Leo
       Östigard und Viktor Gyökeres, beide aus Brighton ausgeliehen, ist mehr als
       fraglich. [4][Insgesamt verliert der Club zur neuen Saison mehr als ein
       Dutzend Spieler,] der größte Schnitt seit Jahren.
       
       Dass man am Millerntor trotzdem optimistisch in die Zukunft schaut, liegt
       vor allem an einem im Verein wohlbekannten Gesicht. Nach zahlreichen
       Trainerwechseln in den vergangenen Jahren soll nun Timo Schultz (42), der
       seit 15 Jahren als Spieler und Trainer beim FC St. Pauli tätig ist, für
       Kontinuität und Erfolg sorgen. Seine gradlinige, unprätentiöse Art und sein
       Händchen für Talente sollen helfen, die Truppe wieder zu einem richtigen
       Team zu formen und ihr eine Mentalität einzupflanzen.
       
       „Alle müssen mit voller Begeisterung und hohem Einsatz bei der Sache sein,“
       betonte Schultz am Sonntag vor dem Trainingsauftakt zur neuen Saison, die
       Mitte September startet. Und dafür hatte er gleich zwei Neuverpflichtungen
       im Gepäck: Nachwuchs-Torhüter Dennis Smarsch (21) von Hertha BSC und
       Außenverteidiger Leart Paqarada (25) vom Ligakonkurrenten SV Sandhausen
       sollen das ausgedünnte Team komplettieren und erhalten jeweils einen
       Vertrag über drei Jahre.
       
       Als ersten externen Zugang hatten die Hamburger vergangene Woche den
       Offensivspieler Daniel-Kofi Kyereh (24) vom Zweitliga-Absteiger Wehen
       Wiesbaden verpflichtet. Weitere Transfers sind noch geplant. Zudem zog
       Schulz gleich vier Spieler aus dem Nachwuchsbereich zu den Profis hoch, die
       er aus seiner Zeit als Jugendtrainer des Vereins noch kennt.
       
       Ein sportliches Ziel haben Sportchef Andreas Bornemann und Präsident
       Göttlich für die kommende Saison bewusst nicht ausgegeben: Sie wollen
       Schultz ermöglichen, mit so wenig Druck wie möglich zu arbeiten.
       
       2 Aug 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.fcstpauli.com/media/90445/fc-st-pauli-positionspapier-ein-anderer-fussball-ist-mo-glich.pdf
 (DIR) [2] /Bundesliga-trotz-Corona-mit-Zuschauern/!5699484
 (DIR) [3] /Abstiegskampf-2Liga/!5689476
 (DIR) [4] https://www.ndr.de/sport/fussball/2-Liga-Zu-und-Abgaenge-Hannover-96-HSV-Holstein-Kiel-FC-St-Pauli-VfL-Osnabrueck-und-Eintracht-Braunschweig,wechselboerse172.html
       
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 (DIR) Marco Carini
       
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