# taz.de -- Liste mit Adressen von Politikern: Rechter Reservist sammelt Daten
       
       > Bei einem rechtsextremen Reservisten der Bundeswehr aus Niedersachsen
       > wurde eine Liste mit Adressen von Spitzen-Politiker*innen gefunden.
       
 (IMG) Bild: Darf der Verdächtige seit Freitag nicht mehr: Uniform tragen
       
       Hamburg taz | Namen von 17 Spitzenpolitiker*innen und Prominenten,
       teilweise mit Privatadresse und Handynummern: Brisant ist die Liste aus
       einem rechtsextremen Chatnetzwerk, die der Militärische Abschirmdienst
       (MAD) auf einem Datenträger eines Unteroffiziers der Reserve aus
       Niedersachsen entdeckt hat. Bereits am Freitag wurde der Mann aus einer
       laufenden Reserveübung genommen.
       
       Um mögliche rechtsextreme Reservist*innen aufzuspüren, hatten der MAD und
       der Bundesverfassungsschutz bereits im vergangenen Jahr eine gemeinsame
       Arbeitsgruppe gegründet. Eine nötige Zusammenarbeit, weil der MAD nur für
       aktive Soldaten zuständig ist. Hintergrund waren [1][zahlreiche
       Medienberichte über Rechtsextreme in der Bundeswehr].
       
       Mehrfach war auch die Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK)
       aufgefallen. Dort stünden rund 20 Personen im Fokus, sagte MAD-Präsident
       Christof Gramm am Montag bei einer öffentlichen Anhörung des
       Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Nachrichtendienste. Am Dienstag
       kündigte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) an,
       sie wolle die KSK teilweise auflösen. Die von den Vorfällen betroffene
       zweite Kompanie werde ersatzlos aufgelöst, sagte sie der Süddeutschen
       Zeitung. Die Verdachtsfälle von Rechtsextremist*innen und sogenannten
       Reichsbürger*innen seien in der Bundeswehr insgesamt deutlich [2][auf mehr
       als 600 angestiegen], sagte Gramm am Montag.
       
       Den niedersächsischen Unteroffizier entdeckte der MAD nun, weil dieser bei
       zwei rechtsextremen Whatsapp-Chatgruppen mitwirkte. Die Mitglieder sollen
       rechtsextremes Propagandamaterial und Hetzschriften ausgetauscht haben. An
       der politischen Einstellung des Offiziers haben die Ermittler keine
       Zweifel.
       
       Ob es sich in diesem Fall um eine Todesliste handelt und ob der Reservist
       oder andere Chatteilnehmer gewaltsame Aktionen planten, wollten die
       Ermittler laut [3][Spiegel ] am Montag nicht bewerten. Im Fall einer der
       auf der Liste auftauchenden Personen sollen aber das Büro ausspioniert und
       detaillierte Skizzen erstellt worden sein. Der MAD erkennt in dem Fall eine
       „neue Dimension“ des Rechtsextremismus-Problems bei der Bundeswehr, sagte
       Gramm.
       
       Genannt werden auf der Liste unter anderen Vizekanzler Olaf Scholz,
       Außenminister Heiko Maas (SPD), Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
       (SPD) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig
       (SPD) sowie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).
       Auch die Grünen-Bundesspitze Annalena Baerbock und Robert Habeck, die
       Linken-Vorsitzende Katja Kipping, FDP-Chef Christian Lindner und der
       Schauspieler Til Schweiger tauchen auf.
       
       30 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Prozess-nach-Kellerfund/!5661843
 (DIR) [2] /Geheimdienst-und-Rechtsextremismus/!5697551
 (DIR) [3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-ermittler-finden-politiker-liste-bei-rechtsextremem-reservisten-a-729b2dfe-fee6-472a-a7d9-2935a482b7c7
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Hannibals Schattennetzwerk
 (DIR) Reservisten
 (DIR) Reservistenverband
 (DIR) Bundeswehr
 (DIR) KSK
 (DIR) Todesliste
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Terror
 (DIR) Kolumne Der rechte Rand
 (DIR) KSK
 (DIR) Schwerpunkt Hannibals Schattennetzwerk
 (DIR) Schwerpunkt Hannibals Schattennetzwerk
 (DIR) Rechtsextremismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Gesetzentwurf gegen Feindeslisten: Journalisten dürfen Namen nennen
       
       Justizministerin Lambrecht hat ihren Gesetzentwurf gegen Feindeslisten
       überarbeitet. Medien- und Antifa-Recherchen sollen nicht mehr betroffen
       sein.
       
 (DIR) Erneut Waffenfund in Niedersachsen: Ein fast legales Waffenlager
       
       Ein mutmaßlicher Reichsbürger hat in Seevetal Waffen und Munition gehortet
       – mit Genehmigung der Stadt.
       
 (DIR) Bedrohung von Rechts: Mein Name auf der Liste
       
       Rechtsextreme haben Informationen über unseren Autor gesammelt. Er ist
       nicht überrascht. In den vergangenen Jahren haben Anfeindungen zugenommen.
       
 (DIR) Ultimatum von AKK für KSK: Das Ende der Super-Rambos
       
       Der Vorstoß der Verteidigungsministerin kommt spät. Wenn eine
       „Eliteeinheit“ demokratische Grundsätze nicht einhält, gehört sie
       aufgelöst.
       
 (DIR) Rechtsextreme bei Spezialeinheit: AKK will KSK zum Teil zerschlagen
       
       Immer wieder wurden Nazis bei der Spezialeinheit der Bundeswehr enttarnt.
       Als Konsequenz soll jetzt eine KSK-Kompanie vollständig aufgelöst werden.
       
 (DIR) Geheimdienst und Rechtsextremismus: „Eine neue Dimension“
       
       Die Geheimdienstchefs warnen bei einer Anhörung vor rechtsextremer Gefahr.
       Der Verfassungsschutz verschärft seine Beobachtung der Szene.
       
 (DIR) Reservisten-Präsident zu Rechtsradikalen: „Es darf uns keiner durchhuschen“
       
       Rechtsradikale im Reservistenverband – ein Problem, das Patrick Sensburg
       angehen will. Seine 115.000 Mitglieder sollen überprüft werden.