# taz.de -- Polens Präsident in den USA: Wahlkampfhilfe für Duda
       
       > Kurz vor der Abstimmung am Sonntag wird der Staatschef von US-Präsident
       > Trump empfangen. Er hofft auf eine positive Wirkung bei den Wähler*innen.
       
 (IMG) Bild: Haben sich zuletzt im Juni 2019 im Weißen Haus getroffen: Andrzej Duda und Donald Trump
       
       Warschau taz | Mittwoch ist der große Tag: Polens Staatspräsident Andrzej
       Duda trifft im Weißen Haus den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
       Seit Tagen schon zeigt Polens Staatsfernsehen TVP, der frühere
       öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie großartig Duda und Trump sich
       verstehen, wie oft sie sich schon getroffen haben und wie eng insbesondere
       die militärischen Beziehungen sind.
       
       Jetzt, so heißt es im TVP, reise Duda mitten im Präsidentschaftswahlkampf
       nach Washington, um dort im Namen Europas zu sprechen und zu verhandeln. Es
       gehe um wichtige Nato- und Energiepolitik-Fragen, die der amerikanische
       Präsident zuerst bilateral mit Duda abklären wolle. Die Botschaft an die
       polnischen Wähler und Wählerinnen ist klar: Polen spielt in der ersten Liga
       der Weltpolitik, wenn Andrzej Duda Staatsoberhaupt bleibt.
       
       In beiden Ländern stehen Wahlen an, und sowohl Trump als auch Duda haben
       mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfen. Der Sieg könnte knapp werden. Als
       Erstes treten am Sonntag in Polen elf Männer und keine Frau an. Rund 30
       Millionen Wahlberechtigte können in Wahllokalen oder per Briefwahl ihre
       Stimme abgeben.
       
       Eigentlich hätte [1][die polnische Präsidentenwahl] schon am 10. Mai
       stattfinden sollen, doch die regierenden Nationalpopulisten unterschätzten
       die Probleme, die die Organisation einer Wahl unter Pandemiebedingungen mit
       sich bringen würde. Statt die Wahl auf einen späteren Termin zu
       verschieben, forcierten Polens regierende Nationalpopulisten von der Partei
       Recht und Gerechtigkeit (PiS) die Verabschiedung einer neuen
       Wahlgesetzgebung, die eine landesweite Briefwahl ermöglichen sollte. Einen
       Tag vor der Wahl trat das Gesetz in Kraft. Viel zu spät.
       
       ## Sinn für Realsatire
       
       Dafür zeigte dann aber die Staatliche Wahlkommission, deren Kompetenzen die
       PiS zuvor fast vollständig auf den Innenminister und
       Geheimdienstkoordinator, den Schatzminister und die Post übertragen hatte,
       Sinn für Realsatire. Kurz nach der Schließung der gar nicht erst geöffneten
       Wahllokale verkündete die Kommission, dass „es bei den am 10. Mai
       durchgeführten Wahlen keine Möglichkeit gab, für Kandidaten zu stimmen“.
       
       In einem Interview erläuterte der vorsitzende Richter der Wahlkommission
       dann noch, dass „nun der Wahlprozess abgeschlossen“ sei. Nach der
       Publikation des Wahlergebnisses könne ein neuer Wahltermin festgesetzt
       werden. So geschah es dann auch.
       
       Doch Duda, der beim Mai-Termin noch haushoher Favorit war, lief die Zeit
       davon. Mit jedem Tag, an dem die durch die Corona-Pandemie ausgelöste
       Wirtschaftskrise sich weiter verschärfte, verlor er in den Umfragen
       wichtige Prozentpunkte.
       
       Zudem startete Anfang Juni mit Rafał Trzaskowski, dem allseits beliebten
       Oberbürgermeister Warschaus, ein neuer Kandidat der liberalkonservativen
       Oppositionspartei Bürgerkoalition. Der „Fighter“, wie ihn seine Partei
       nennt, kommt Duda in den Umfragen immer näher. Sollte es zur Stichwahl
       kommen, könnte Trzaskowski gewinnen.
       
       ## Polen soll zahlen
       
       Nun also sollen die weltpolitischen Themen und die Begegnung mit Trump den
       Sieg Dudas doch noch retten. Von den [2][rund 10.000 amerikanischen
       Soldaten], die Trump aus Deutschland abziehen will, sollen bis zu 2.000
       nach Polen kommen, will die liberalkonservative Tageszeitung Dziennik
       Gazeta Prawna in Erfahrung gebracht haben.
       
       Die Kosten soll weitgehend Polen übernehmen, heißt es. Dazu käme die
       Leitung des V. US-Corps aus Kentucky. Nach Polen kämen auch fünf
       Transportflugzeuge sowie möglicherweise fast 30 F-16-Flugzeuge der
       US-Luftwaffe aus dem bisherigen Stützpunkt Spangdahlem. Kein Thema hingegen
       werde die Verlagerung von amerikanischen Atombomben nach Polen sein, da
       Polen an dem entsprechenden Nato-Programm nicht beteiligt sei.
       
       Auf den Tisch kommen sollen auch Energiefragen, darunter weitere
       US-Sanktionen gegen die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, durch
       die russisches Gas nach Europa gelangen soll. Die USA, die durch eine
       massive Förderung von Schiefer- oder Fracking-Gas nun enorme
       Überkapazitäten haben, wollen dieses Gas über Polen als neue
       Gas-Drehscheibe für Zentraleuropa verkaufen.
       
       Anscheinend will Trump seinem Amtskollegen auch einen großen Kredit zur
       Finanzierung eines Atomreaktors anbieten. Es wäre der erste in Polen
       überhaupt. Auch über „große Investitionen amerikanischer Unternehmen in
       Polen“ soll gesprochen werden. Welche Firmen dies außer Microsoft noch sein
       sollen, ist bislang aber nicht bekannt.
       
       24 Jun 2020
       
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